In der CNV-Serie zum Tag des Lokaljournalismus 2026 warnen Vertreter aus Politik und Medien vor den Folgen, wenn diese Form der Berichterstattung verschwindet. Foto: Markus Scholz/dpa
In der CNV-Serie zum Tag des Lokaljournalismus 2026 warnen Vertreter aus Politik und Medien vor den Folgen, wenn diese Form der Berichterstattung verschwindet. Foto: Markus Scholz/dpa
Tag des Lokaljournalismus - Teil 2

Ohne Lokalzeitung im Kreis Cuxhaven? Prominente Stimmen warnen vor den Folgen

05.05.2026

Warum ist Lokaljournalismus so wichtig und was fehlt, wenn er verschwindet? In der Serie von CNV-Medien zum Tag des Lokaljournalismus teilen Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Journalismus ihre Antworten auf diese Fragen.

Warum braucht Deutschland starken Lokaljournalismus und was geht verloren, wenn er verschwindet? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der CNV-Medien-Serie zum Tag des Lokaljournalismus. Denn die Antworten darauf betreffen nicht nur Redaktionen, sondern die gesamte Gesellschaft - von der Kommunalpolitik bis zum Alltag vor Ort.

In dieser Serie wirft CNV-Medien einen genaueren Blick darauf, wie lokale Berichterstattung entsteht, warum sie wichtig ist und was passiert, wenn sie fehlt. Dabei geht es nicht nur um die Perspektive der Redaktion selbst, sondern auch um die Einschätzungen anderer: Persönlichkeiten aus Politik, Verwaltung und Journalismus unterstützen die Initiative der Cuxhavener Nachrichten und der Niederelbe-Zeitung und teilen ihre Sicht auf die Bedeutung des Lokaljournalismus.

Ihre Stimmen machen deutlich, welche Rolle verlässliche Informationen für Demokratie und gesellschaftlichen Zusammenhalt spielen und warum gerade die Berichterstattung aus der Region unverzichtbar ist. Gleichzeitig zeigen sie, welche Folgen es haben kann, wenn Lokalzeitungen verschwinden: für die politische Beteiligung, für die öffentliche Kontrolle und für das Miteinander vor Ort.

Im Folgenden kommen diese Unterstützerinnen und Unterstützer zu Wort.

Olaf Lies betont die zentrale Rolle des Lokaljournalismus für Demokratie und Zusammenhalt und warnt vor wachsendem Druck und Anfeindungen gegenüber Journalistinnen und Journalisten. Foto: Stratenschulte/dpa

Olaf Lies, Niedersächsischer Ministerpräsident

"Eine unabhängige, transparente und verlässliche Berichterstattung ist für unsere Demokratie unverzichtbar. Der Lokaljournalismus nimmt dabei eine Schlüsselrolle ein. Demokratie beginnt in den Dörfern und Gemeinden. Es braucht vor Ort professionelle Redakteurinnen und Redakteure, die sorgfältig recherchieren, verantwortungsvoll einordnen und berichten - das können unbekannte Algorithmen und künstliche Intelligenz nicht. Während auf den großen Plattformen oft anonyme und laute Polarisierung belohnt wird und verzerrte und manipulative Inhalte dargestellt werden, stehen bei der Lokalzeitung die Menschen und die ausgewogenen Informationen im Mittelpunkt. Das sollte uns allen wieder mehr Wert sein - Qualitätsjournalismus gibt es nicht umsonst!

Lokal arbeitende Journalistinnen und Journalisten schaffen Nähe und Vertrauen - man kennt sich. Immer häufiger werden sie jedoch beleidigt und bedroht, leider sind auch persönliche Angriffe längst keine Ausnahmen mehr. Freie und unabhängige Medien und der uneingeschränkte Zugang zu Informationen sind Grundpfeiler unserer Demokratie - wir dürfen es deshalb nicht zulassen, dass Journalistinnen und Journalisten eingeschüchtert und die Glaubwürdigkeit von freien Medien in Zweifel gezogen und diskreditiert werden."

Katrin Göring-Eckardt unterstreicht die Bedeutung des Lokaljournalismus für Transparenz, gesellschaftlichen Zusammenhalt und demokratische Teilhabe. Foto: Dominik Butzmann

Katrin Göring-Eckardt, Mitglied des Deutschen Bundestages

"Ein starker Lokaljournalismus ist unverzichtbar. Er schafft Transparenz, ordnet Informationen ein und macht sichtbar, was vor Ort geschieht - in der Kommunalpolitik, in Vereinen, in der Nachbarschaft. Gerade dort, wo Menschen unmittelbar betroffen sind, braucht es verlässliche, unabhängige Berichterstattung. Sie trägt dazu bei, Polarisierung zu verringern, Fehlverhalten aufzudecken und den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken.
Wenn Lokalzeitungen verschwinden, geht mehr verloren als nur eine Informationsquelle. Es fehlt die gemeinsame Faktenbasis, die wir für Debatten und Entscheidungen brauchen. Das Interesse am lokalen Leben und die Wahlbeteiligung sinken. Damit werden Räume für Austausch und demokratische Auseinandersetzung kleiner. Kurz gesagt: Demokratie beginnt im Lokalen - und ohne starken Lokaljournalismus wird sie dort geschwächt."

Uwe Santjer sieht im Lokaljournalismus eine unverzichtbare Grundlage für Transparenz, gesellschaftliche Teilhabe und Orientierung. Foto: Kolbenstetter

Uwe Santjer, Oberbürgermeister Stadt Cuxhaven

"Der Lokaljournalismus gewinnt aus meiner Sicht zunehmend an Bedeutung, da er für Transparenz sorgt und über die Geschehnisse innerhalb der Stadt berichtet. Besonders die Berichterstattung aus politischen Gremien bildet eine wichtige Grundlage unserer demokratischen Grundordnung. Gerade in Zeiten, in denen sich viele Fake News, insbesondere in sozialen Medien, verbreiten, ist die lokale Zeitung mit ihrer sorgfältigen Recherche ein verlässlicher Orientierungspunkt für Wahrheit und Sachlichkeit.

Darüber hinaus spielt der Lokaljournalismus eine zentrale Rolle für das gesellschaftliche Leben vor Ort. Er berichtet über ehrenamtliches Engagement in Vereinen und Verbänden und trägt so dazu bei, dass sich Bürgerinnen und Bürger in ihrer Stadt wiederfinden. Dies stärkt die Identifikation mit der Stadt Cuxhaven.

Wenn Lokalzeitungen verschwinden, geht damit auch eine wichtige Säule der Demokratie und der Information verloren, ebenso wie eine bedeutende Möglichkeit zur gesellschaftlichen Teilhabe. Pressefreiheit und die damit verbundene Bekämpfung von Desinformation sind daher essenzielle Bestandteile der politischen Bildung. Menschen müssen wissen, was in ihrer direkten Umgebung geschieht. Ohne Lokaljournalismus wäre das nur eingeschränkt möglich."

Mika Beuster betont die unverzichtbare Rolle des Lokaljournalismus für unabhängige Information und warnt vor Desinformation, wenn verlässliche Angebote fehlen. Foto: Ulf Vogler

Mika Beuster, DJV-Bundesvorsitzender (Deutscher Journalisten-Verband)

"Was sich in der Kommune abspielt, hat unmittelbare Auswirkungen auf das Leben der Menschen. Darüber müssen sie informiert werden, und zwar tagesaktuell, unabhängig und kritisch. Das kann nur der Lokaljournalismus leisten. Deshalb ist er unverzichtbar für das Funktionieren von Demokratie und Gesellschaft.

Dann gibt es kein umfassendes Informationsangebot mehr, sondern nur noch Häppchen aus sozialen Netzwerken. Das macht den Weg frei für Desinformation und Manipulation - ein Horrorszenario für die Demokratie."

Frank Springer warnt vor einem Informationsvakuum und wachsender Desinformation ohne lokale Medien. Foto: privat

Frank Springer, Samtgemeindebürgermeister Börde Lamstedt

"Für mich ist klar: Starker Lokaljournalismus ist unverzichtbar, weil er informiert, einordnet und unser kommunales Handeln, gerade im ländlichen Raum, transparent macht. Er ist damit ein wichtiger Baustein unserer Demokratie hier vor Ort.

Ich persönlich habe über Jahre und Jahrzehnte ein vertrauensvolles Verhältnis zu den örtlichen Lokalzeitungen aufgebaut. Neutrale Berichterstattung, aber auch kritische Rückfragen und Einordnungen gehören dabei selbstverständlich dazu und sind fester Bestandteil unserer täglichen Arbeit. Sowohl die Lokalzeitungen als auch wir in der kommunalen Öffentlichkeitsarbeit müssen mit der Zeit gehen: Über Online-Auftritte, Newsletter, Apps, soziale Medien oder auch kurze Videoformate erreichen wir heute deutlich mehr Menschen als früher - ohne diese Wege geht es nicht mehr.

Wichtig bleibt dabei der direkte Austausch: Gespräche mit Betroffenen, Vor-Ort-Termine und persönliches Nachfragen - statt sich hinter anonymen Beiträgen und Kommentaren zu verstecken. Gerade in Zeiten, in denen oft eher übereinander als miteinander gesprochen wird, ist das entscheidend. Wenn Lokalzeitungen wegfallen, entsteht ein Vakuum, das soziale Medien füllen - häufig ungefiltert, anonym und mit hoher Dynamik. Das erhöht das Risiko von Desinformation und auch von Anfeindungen gegenüber ehrenamtlichen und hauptamtlichen Amtsträgern."

Serap Güler hebt die besondere Bedeutung von Lokaljournalismus im föderalen System hervor und warnt vor wachsender Desinformation ohne lokale Medien. Foto: UBG

Serap Güler, Staatsministerin im Auswärtigem Amt

"Deutschland braucht Lokaljournalismus, weil Deutschland nicht wie andere Länder regiert wird. Hier gibt es ein föderales System, und die Kommunalwahlen finden beispielsweise nicht immer zur gleichen Zeit statt. Auch die Probleme auf lokaler Ebene sind sehr unterschiedlich. Deswegen sind Lokalmedien wichtig, um Probleme und Kritik vor Ort transparent und besser zu erklären sowie demokratische Prozesse auf lokaler Ebene zu begleiten.

Wenn Lokalmedien verschwinden, geht die Kontrolle in der Öffentlichkeit verloren. Themen finden weniger Beachtung, und falsche Informationen sowie Desinformationen vor Ort nehmen zu. Lokalmedien können etwas, was keine KI oder internationale Medien kann."

Norbert König betont die wachsende Bedeutung des Lokaljournalismus als Gegenpol zur globalen Nachrichtenflut. Foto: Guthahn

Norbert König, ZDF-Sportreporter-Legende

"In Zeiten wie diesen, wenn wir von verstörenden Weltnachrichten quasi überschwemmt werden, hat für mich der Lokaljournalismus eine größere Bedeutung denn je. Er informiert nicht nur über alles Wesentliche im persönlichen Umfeld, sondern kann auch die Menschen zusammenbringen und den Blick auf die Nöte und Perspektiven im eigenen Mikrokosmos richten.

Leider sind auch in unserem Heimatkreis die Auswirkungen der Sparzwänge in der Tagespresse zu spüren. Der umfangreiche, regional begrenzte Lokalteil ist Geschichte; die Zusammenlegung unterschiedlicher Ausgaben führt dazu, dass viele Konsumenten sich nicht mehr ausreichend angesprochen fühlen. Dadurch hat nach meiner Wahrnehmung das kostenlose Anzeigenblatt eine größere Bedeutung erlangt - der Mehrwert ist dabei abhängig vom Engagement der ehrenamtlichen Zulieferer und der Kompetenz der wenigen redaktionell Mitarbeitenden. Für uns ist das "Blättchen" inzwischen unverzichtbar, auch als wohltuender Gegenentwurf zur verbreiteten Effekthascherei in Teilen des pseudo-journalistischen Online-Marktes."

Karina Kramer warnt vor negativen Folgen für Demokratie und Zusammenhalt, wenn der Lokaljournalismus wegfällt. Foto: Schattke

Karina Kramer, Erste Samtgemeinderätin Hemmoor

"Meines Erachtens ist ein starker Lokaljournalismus unerlässlich für Demokratie und Gemeinwesen. Er informiert über politische Entscheidungen, macht Verfahren transparent und ermöglicht es den Menschen, sich einzubringen. Auch für Wahlen ist eine faire und verständliche Berichterstattung wichtig, da sie die Meinungsbildung und Beteiligung beeinflusst.

Zugleich stärkt die Berichterstattung über Veranstaltungen aus Sport, Kultur oder Ehrenamt die Gemeinschaft und wirkt identitätsstiftend. Leserbriefe bieten Raum für Meinungen und Diskussionen.

Wenn Lokalzeitungen - ob gedruckt oder online - verschwinden würden, gingen verlässliche Informationen verloren, die Beteiligung würde sinken und das Gemeinwesen Schaden nehmen. Zwar wird sich die Form verändern und digitale Angebote ergänzen, doch nicht immer sind dort Informationen geprüft, und der Ton ist oft schärfer. Diese Entwicklung ist bedenklich."

Claus Johannßen warnt vor wachsender Entfremdung ohne verlässliche Informationen aus der Region. Foto: Mangels

Claus Johannßen, Bürgermeister Otterndorf

"Wir brauchen einen starken Lokaljournalismus, der unter anderem auch über die Kommunalpolitik berichtet, um die Demokratie vor Ort zu stärken. Kommunalpolitik ist die Basis der Demokratie in Deutschland.

Wenn Lokalzeitungen verschwinden, führt das zur Entfremdung der Menschen von ihrer Heimatregion, da diese über diesen Weg nicht mehr über die wesentlichen Geschehnisse vor Ort informiert werden."

Joël Grandke beschreibt Lokaljournalismus als Bindeglied zwischen Politik und Alltag. Foto: Reimann

Joël Grandke, Journalist und stellvertretender Redaktionsleiter bei "Caren Miosga"

"Während die Weltpolitik für viele oft fern und abstrakt wirken mag, ist der Lokaljournalismus das Bindeglied zu unserer unmittelbaren Realität. Er schaut dorthin, wo Entscheidungen das tägliche Leben der Menschen direkt verändern - ob im Rathaus, in der Nachbarschaft oder im Verein. Er gibt einer Region nicht nur eine Stimme, sondern auch ein Gesicht und ein Gedächtnis. Er schafft Identität, indem er die Geschichten erzählt, die sonst nirgendwo stehen. Ohne eine starke Lokalzeitung fehlt der Gemeinschaft das Forum für den Austausch und die Kontrolle der Verantwortlichen vor Ort. Für mich war die Zeit in der Lokalredaktion (Anm. d. Red.: Grandke war von 2010 bis 2014 selbst Teil der CN/NEZ-Redaktion) die wichtigste Schule, um zu verstehen, dass jede große Politik im Kleinen beginnt."

Bis zum Tag der offenen Tür der Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft (CNV) am Sonnabend, 9. Mai 2026, erscheint täglich ein weiterer Teil der CNV-Serie.

Von Bengta Brettschneider und Tamina Francke

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Lesen Sie auch...
Projekt Helgotwin

Junger Erfinder Jakob Martens (23) schafft virtuellen Zwilling der Insel Helgoland  

von Wiebke Kramp

Jakob Martens' Innovationskraft bringt seine Heimatinsel Helgoland in die digitale Zukunft. Sein Projekt Helgotwin begeistert mit detailgetreuer 3-D-Darstellung der Insel und gewinnt den "1. Island Future Award".

DRK öffnete die Türen

Tag der offenen Tür in Lamstedt: Blick hinter die Kulissen der Tagespflege

Eine Tagespflege-Einrichtung kann bei der Senioren-Betreuung ein wichtiger Baustein sein. Viel Erfahrung bei einer solchen Angebotsstruktur hat das DRK. Eine seiner Einrichtungen - in Lamstedt - stand im Mittelpunkt eines "Tages der offenen Tür".

Benefiz-Aktion 

"Bürgerinitiative" sorgt für neuen "Defi"-Standort in Osten

von Egbert Schröder

Mehr Sicherheit bei Lebensgefahr in Osten: Dort ist Geld für einen Defibrillator gesammelt worden. Es war ein Gemeinschaftsprojekt der Bevölkerung.

Tag des Lokaljournalismus - Teil 1

Wie entstehen verlässliche Nachrichten in Cuxhaven und umzu? CNV-Serie gibt Einblicke

Warum sind manche Artikel kostenpflichtig und was stimmt eigentlich noch? Zum Tag des Lokaljournalismus zeigt CNV-Medien, wie Nachrichten entstehen. Wir nehmen Sie mit in den Redaktionsalltag und ordnen Gerüchte aus dem Landkreis Cuxhaven ein.