Kein Ende der Zitterpartie bei zwei Seniorenheimen im Kreis Cuxhaven
Noch immer ist unklar, ob die Seniorenheime der Lilienthaler Diakonie in Ihlienworth und Hemmoor eine Zukunft haben. Und wenn ja - welche? Das Insolvenzverfahren sorgt seit zwei Monaten für Gesprächsstoff im Cuxland.
Ende Februar machte die Nachricht von der drohenden Insolvenz die Runde. Die "Evangelische Dienste Lilienthal gemeinnützige GmbH" hatte einen Antrag auf "Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung" gestellt. Dabei geht es neben anderen Einrichtungen auch um rund 120 Arbeits- und ebenso viele Betreuungsplätze in den Häusern "Huus Ihlienworth" und "Huus am Stadtpark" (Hemmoor).
"Belastungen der Vergangenheit"
Die Schieflage resultierte nach damaligen Angaben der Diakonie aus "finanziellen Belastungen aus der Vergangenheit", die im Rahmen der "aktuellen strategischen Ausrichtung des Unternehmens nicht mehr aufgefangen werden konnten". Das Verfahren der Eigenverwaltung sei "ausdrücklich" auf eine Sanierung und langfristige Stabilisierung des Unternehmens ausgerichtet.
Betroffen von dem Verfahren sind neben den beiden Seniorenheimen in Ihlienworth und Hemmoor auch der "Michaelisstift" in Lilienthal, der "Parkstift" in Osterholz und die Ausbildungseinrichtung in Lilienthal. Einer der Diakonie-Geschäftsführer, Torsten Wieting, hatte Ende Februar gegenüber unserer Redaktion erklärt, dass durch den Insolvenzantrag die Grundlage geschaffen werden solle, "um neu durchzustarten". Zuvor habe man alles analysiert, bewertet und dann "notwendige Maßnahmen" in die Wege geleitet. Das klang nach Aufbruchstimmung - wie sieht es zwei Monate später aus?
Nach Angaben von Prof. Dr. Gerrit Hölzle (Fachanwalt für Insolvenz- und Sanierungsrecht von der Kanzlei Görg in Bremen) verläuft der gesamte Prozess "im Zeitplan". Hölzle: "Wir befinden uns nach wie vor im sogenannten Insolvenzeröffnungsverfahren, der vorläufigen Eigenverwaltung. Das Verfahren wird planmäßig zum 1. Mai eröffnet werden. Auch das eröffnete Verfahren wird in Eigenverwaltung geführt werden", teilte er in dieser Woche auf Nachfrage der Redaktion der Niederelbe-Zeitung/Cuxhavener Nachrichten mit. Und: "Der Geschäftsbetrieb aller Einrichtungen wird nach wie vor uneingeschränkt fortgeführt."
"Dazu werde ich mich nicht äußern"
Bleibt natürlich die Frage, ob sich Bewohnerinnen und Bewohner in naher Zukunft auf Veränderungen bei ihrer Betreuung einstellen müssten. Bereits vor zwei Monaten gab es dazu den Hinweis, dass die Versorgung "vollumfänglich" sichergestellt sei. Daran habe sich - so Hölzle - nichts geändert: "Veränderungen sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht geplant."
Zugleich unterstrich er, dass es bei der Betreuung keine personellen Engpässe geben würde: "Durch die Insolvenz ist keine besondere Fluktuation eingetreten. Alle Einrichtungen verfügen über ausreichend Personal."
Auf die Frage nach einem Interesse potenzieller Investoren an der Übernahme eines Hauses oder beider Einrichtungen in Ihlienworth und Hemmoor hieß es nur andeutungsweise: "Der Investorenprozess verläuft im Zeitplan. Wir sind mit verschiedenen Interessenten im Gespräch. Über Details des laufenden Prozesses kann und werde ich mich allerdings nicht äußern."
Wie sieht es insgesamt in der Pflege aus?
Abseits der aktuellen Problematik in Ihlienworth und Hemmoor hat die Verfügbarkeit von Pflegeangeboten mehr und mehr eine Bedeutung in der gesellschaftlichen und gesundheitlichen Daseinsvorsorge: So offenbart der "Pflegereport 2025" der DAK-Gesundheit nach Einschätzung des "Deutschen Instituts für Altersvorsorge" eine "dramatische Zunahme der Pflegebedürftigen in Deutschland".
Die Zahl der Pflegebedürftigen sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Derzeit seien es bundesweit rund 5,2 Millionen Menschen. Prognosen zufolge werde sich diese Zahl bis 2055 auf etwa 6,8 Millionen erhöhen. Jedoch fehle es bereits heute an "Personal, Planungssicherheit und entlastenden Strukturen, insbesondere für pflegende Angehörige". Der Report mache detailliert deutlich: "Ohne grundlegende Reformen drohen Qualitätseinbußen und Überlastung im gesamten Pflegesystem."
Besonders alarmierend seien die Befunde zur häuslichen Pflege. Zwei Drittel aller Pflegebedürftigen würden zu Hause versorgt - oft ausschließlich durch Angehörige. Diese würden damit eine "zentrale Säule der Pflege" sein. Doch die Belastung sei hoch. Über die Hälfte der befragten pflegenden Angehörigen klage demnach über eine körperliche und psychische Erschöpfung. Der Anteil derer, die sich durch die Pflege stark oder sehr stark belastet fühlten, liege bei über 60 Prozent. Besonders betroffen seien Frauen zwischen 50 und 70 Jahren.
