Helgoland-Touristen rätseln: Wozu das Haus oberhalb der Hummerbuden wirklich dient
Viele Besucher von Helgoland wundern sich über ein einsames Haus oberhalb der Hummerbuden. Das unscheinbare Gebäude sorgt seit Jahren für Spekulationen. Doch dahinter steckt kein Wohnhaus.
Wer die Insel Helgoland zum ersten Mal besucht und zum Beispiel aus Cuxhaven mit dem "Halunder Jet" oder dem Katamaran "Nordlicht" anreist, dem fällt ein bestimmtes Haus oberhalb der Hummerbuden direkt ins Auge. Wir haben des Rätsels Lösung.
Einsames Haus auf Helgoland gibt Rätsel auf
Direkt bei der Ankunft oder später: Auch beim Spaziergang im Oberland kann man das Haus gut sehen. Es ist ein schlichter eingeschossiger Bau, einsam auf dem Rand eines Kraters, mit einer tollen Aussicht in alle Richtungen, dank der vielen Fenster. Es gibt einen Zaun, und einige Anlagen.

"Was ist das da oben? Kann man da wohnen? Wem gehört das?" Wer auf der Insel keine Antwort auf seine Fragen bekommt, stellt die Frage in Helgoland-Gruppen bei Facebook und Co.
Immer wieder taucht ein Bild des Gebäudes auf und vermutlich sind die Halunder und die Inselkenner auch ein bisschen genervt. Die Antworten in den Helgoland-Gruppen sind nämlich vor allem eins: unterhaltsam.
Unterhaltsame Vorschläge: Station für den Skilift
Im vergangenen Winter ist zum ersten Mal seit vielen Jahren viel Schnee auf der Insel gefallen. Eine Steilvorlage für Antworten wie "Die nördlichste Hütte vom sauerländischen Gebirgsverein", "Die alte Bergstation von der Seilbahn" oder "Unsere Bergstation für den Skilift".

Andere nehmen Bezug auf den guten Ausblick und schlagen vor: "Inselaufsicht Helgoland Süd", "Das ist die Dienstwohnung des Bürgervorstehers" oder gleich: "Da wohnt der liebe Gott." Einige behaupten, das Haus sei in Privatbesitz. Ein anderer benennt es als Ex-Gebäude der Bundesmarine.
Messgeräte und Antennen am einsamen Haus auf Helgoland
Auf der richtigen Spur ist ein Nutzer, der das Haus von früher kennt: "Es stehen da oben Messgeräte für Luft und Wetter. Früher standen neben dem Gebäude größere Antennenmasten mit Richtantennen. Als Kinder haben wir das immer für den Sitz eines Oberschurken gehalten."
Man sieht auch heute immer mal Menschen am Haus. Die Nordsee-Zeitung hat Helgolands Bürgermeister Thorsten Pollmann gefragt, ob er das Rätsel lösen kann.

Er weiß: "Das Haus wurde als Forschungshaus 1965/66 erbaut." Im Oktober 1964 sei der Bauantrag gestellt worden, erklärt der Bürgermeister der Nordsee-Insel. Genutzt wurde es damals als Registrierhäuschen für das Geophysikalische Institut der Universität Hamburg.
Oldenburger arbeiten mit Vogelwarte Helgoland
Seit 2019 besteht ein Nutzungsvertrag mit dem Institut für Vogelforschung. Dieser Vertrag wurde durch einen Nachtrag auf die Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg übertragen. Pollmann: "Die Uni nutzt, in Zusammenarbeit mit der Vogelwarte Helgoland, die Räumlichkeiten für die Beobachtungen des Vogelzugs. Dazu werden Empfangsantennen und Messgeräte aufgebaut, um den Flug von speziell besenderten Vögeln zu beobachten."

Singvögel wandern zwischen Brutgebieten in Nordeuropa und Überwinterungsgebieten in Südeuropa/Afrika. Sie queren die Nordsee. Dabei werden sie beobachtet, beringt oder besendert, um Daten zu erheben. Beispielsweise, ob Offshore-Windkraftanlagen, insbesondere bei eingeschränkten Sichtbedingungen, ein Kollisionsrisiko bergen.
Wer Luxus erwartet, wird enttäuscht. Das Gebäude hat heute zwar einen Stromanschluss. "Es gibt aber keinen Wasseranschluss und keinen Anschluss ans Abwassernetz und es besteht keine befestigte Zuwegung", erklärt Pollmann.
Aufgrund der Lage kommen Anfragen zu Wohnzwecken
Daran wird sich so schnell nichts ändern, denn es existiert kein Bebauungsplan. Gemäß des Flächennutzungsplans steht das Haus im Bereich einer Grünfläche. Was selbst Kenner nicht wissen: Seit 2024 ist die Gemeinde Helgoland Eigentümer der Immobilie.
"Aufgrund der herausragenden Lage gibt es immer wieder Anfragen zu Wohnzwecken", weiß Pollmann. Er muss enttäuschen: "Wohnen ist dort leider nicht erlaubt." Und ergänzt süffisant: "Andernfalls wäre dies natürlich die optimale Immobilie für den Wohnsitz des Bürgermeisters."
Von Maike Wessolowski