Die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik verschärft die Versorgungslage für suchtkranke Jugendliche auch im Kreis Cuxhaven. Wartezeiten steigen und Therapieplätze fallen weg. Foto: Marc Müller
Die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik verschärft die Versorgungslage für suchtkranke Jugendliche auch im Kreis Cuxhaven. Wartezeiten steigen und Therapieplätze fallen weg. Foto: Marc Müller
Klinikschließung

Kreis Cuxhaven betroffen: Klinik-Aus verschärft Hilfe für suchtkranke Jugendliche

von Bengta Brettschneider | 08.04.2026

Die Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik in Ahlhorn verschärft die Versorgung suchtkranker Jugendlicher und Heranwachsender. Auch im Landkreis Cuxhaven steigen Wartezeiten, Wege werden länger - und wichtige Therapieplätze fallen ersatzlos weg.

Wenn ein ohnehin angespanntes Hilfesystem weiter ausgedünnt wird, hat das spürbare Folgen - auch im Landkreis Cuxhaven. Die geplante Schließung der Dietrich-Bonhoeffer-Klinik (DBK) in Großenkneten-Ahlhorn Ende Juni 2026 sorgt bei Fachkräften für große Sorge.

"Wir vermitteln immer mal wieder Kinder und Jugendliche in die DBK", sagt Jana von Twistern, Sozialarbeiterin beim Verein für Beratung und Hilfen bei Suchtfragen und seelischen Leiden im Landkreis Cuxhaven e.V. (VBS). Die Klinik sei im größeren Umkreis eine von nur drei spezialisierten Einrichtungen - und gleichzeitig die mit den meisten Plätzen. Mit ihrem Wegfall entstehe eine erhebliche Versorgungslücke.

"Die DBK ist eine der wichtigsten Anlaufstellen für diese Zielgruppe", so von Twistern. Im vergangenen Jahr wurden rund drei Jugendliche von der VBS an die Klinik vermittelt. Bei Jugendlichen seien die Zugangswege jedoch anders, erläutert die Sozialarbeiterin. Auch das Jugendamt könne direkt an die DBK vermitteln. Die Anzahl der Jugendlichen aus dem Landkreis Cuxhaven liege also vermutlich höher.

Versorgungslücke mit Folgen

Das Hilfesystem für suchtkranke Kinder und Jugendliche ist mehrstufig aufgebaut: Auf eine Entgiftung und mögliche psychiatrische Behandlung folgt in vielen Fällen eine Rehabilitation. Genau hier wird die Lage zunehmend kritisch.

"Vor allem die Reha-Plätze sind rar - und diese angespannte Lage spitzt sich nun zu", erklärt die Sozialarbeiterin. Mit der Schließung der Klinik fallen rund 60 Therapieplätze weg.

Die Folgen seien konkret spürbar. Der Zugang zu spezialisierten Therapieplätzen werde deutlich schwieriger, weil die Wartezeiten steigen. Für Jugendliche könne das gravierende Konsequenzen haben. "Behandlungen könnten auch gänzlich wegfallen, weil die Motivation während der Wartezeit verloren geht."

Lange Wege und fehlende Angebote

Schon heute ist die Versorgung im Landkreis Cuxhaven lückenhaft. Eine Entgiftungsstation für Kinder und Jugendliche gibt es vor Ort nicht. Betroffene müssen auf andere Regionen ausweichen - etwa nach Hamburg.

"Das müssen wir ohnehin schon tun", sagt von Twistern. Der Wegfall der Klinik könne die Situation weiter verschärfen: längere Wege, mehr Wartezeit - auch bei Entgiftungen.

Zudem seien die Behandlungsmöglichkeiten begrenzt. "Kinder und Jugendliche können nicht in Kliniken für Erwachsene untergebracht werden, da sie sich in einer ganz anderen Lebenswelt befinden", betont sie.

Die VBS ist zentrale Anlaufstelle für Menschen jeden Alters bei suchtspezifischen Fragen in Stadt und Landkreis Cuxhaven. Foto: Brettschneider

Druck auf das System wächst

Nach Einschätzung der Sozialarbeiterin lässt sich der Wegfall kaum kompensieren. "Der Wegfall der Klinik kann wahrscheinlich weder durch andere Fachkliniken noch durch psychiatrische Krankenhäuser aufgefangen werden."

Schon jetzt müsse der Landkreis bei der Versorgung junger Menschen auf andere Regionen zurückgreifen. "Der Druck auf lokale Strukturen könnte dadurch noch weiter erhöht werden."

Im vergangenen Jahr wurden im Landkreis Cuxhaven 40 Jugendliche bis 18 Jahre bei der VBS beraten - ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr.

Klinik wirbt um Spenden

Bundesweit verdeutlichen Zahlen die Dimension: Anfang 2025 gab es rund 85 Reha-Betten für suchtkranke Kinder und Jugendliche - bei etwa 200.000 Betroffenen. Ab Juli 2026 sollen nur noch 25 Plätze zur Verfügung stehen.

Ein Grund liegt auch in der Finanzierung. Die Behandlung wird über die Deutsche Rentenversicherung getragen. Der Tagessatz liegt aktuell bei rund 320 Euro pro Patient - notwendig wären laut Klinik etwa 550 Euro.

Auf ihrer Website wirbt die Klinik derzeit um Unterstützung, um die Schließung noch abzuwenden. Dort heißt es, die Einrichtung sei für viele junge Menschen "oft die letzte Chance auf ein suchtfreies Leben". Ohne zusätzliche finanzielle Mittel müsse der Betrieb zum 30. Juni 2026 eingestellt werden. Über ein Spendenprojekt wird versucht, den Fortbestand zu sichern.

Die VBS und die DBK - Hilfe bei Sucht

Die VBS ist zentrale Anlaufstelle für Menschen jeden Alters bei suchtspezifischen Fragen in Stadt und Landkreis Cuxhaven. Zum Angebot gehören unter anderem Suchtberatung, offene Sprechstunden, Präventionsarbeit an Schulen, Nachsorge sowie Gruppenangebote für Betroffene und Angehörige. Die Klinik in Ahlhorn arbeitet mit einem ganzheitlichen Ansatz. Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 18 Jahren (plus Übergangszeit) leben dort während der 16- bis 26-wöchigen Behandlung in kleinen, familienähnlichen Wohngruppen. Ärzte, Psychotherapeuten und pädagogische Fachkräfte begleiten sie eng im Alltag. Im Fokus stehen neben Suchterkrankungen auch sogenannte Doppeldiagnosen, etwa die Kombination aus Sucht und psychischen Erkrankungen wie Psychosen.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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