Teils kein Diesel oder Benzin: Starker Andrang an Tankstellen im Landkreis Cuxhaven
Die neuen Preisregeln an Tankstellen führen im Landkreis Cuxhaven zu langen Schlangen. Über Ostern erreichten Dieselpreise Rekordhöhen, während Zapfsäulen zu bestimmten Zeiten teilweise leer blieben.
Erhöhung nur einmal täglich, Senkung jederzeit: So hoffte die Bundesregierung, den Spritpreis zu senken. Geklappt hat das nicht. An den Tankstellen in Deutschland haben Autofahrer über die Osterfeiertage für Diesel mehr zahlen müssen als je zuvor. Mehrmals erreichte der Kraftstoffpreis einen historischen Höchststand, wie der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) mitteilte. Doch damit nicht genug: An vielen Zapfsäulen im Kreis Cuxhaven gab es gar kein Diesel oder Benzin mehr.
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen nur noch einmal täglich ihre Preise erhöhen - um 12 Uhr. Das hatte die Bundesregierung aufgrund der gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges beschlossen. Das führt laut Kritikern dazu, dass Anbieter Preiserhöhungen vorziehen oder bündeln. Ein indirekter Effekt seien ungewöhnliche Preis- und Nachfrage-Spitzen zu bestimmten Zeiten. Im Tagesdurchschnitt kostete Diesel am Ostersonntag 2,44 Euro pro Liter.
"Bis zur nächsten Kreuzung standen die Autos"
Am Wochenende bildeten sich im Landkreis Cuxhaven teils lange Schlangen vor den Tankstellen. An der Zapfsäule angekommen, mussten einige Autofahrer feststellen, dass zum Teil weder Super E10 noch Diesel vorrätig war.
Auf Nachfrage von cnv-medien.de bestätigen Mitarbeiterinnen der beiden Tankstellen in Otterndorf, dass es vor 12 Uhr immer voll sei und es danach ruhiger werde. Benzin oder Diesel sei den Kenntnissen der Mitarbeiterinnen nach zu keinem Zeitpunkt ausverkauft gewesen.
Anders in Cuxhaven. "Wir merken das richtig stark", betont Julia Müller. Sie ist die stellvertretende Tankstellenleiterin der Esso-Tankstelle an der Altenwalder Chaussee in Cuxhaven. Besonders die ersten drei Tage nach der neuen Regelung sei der Andrang hoch gewesen. "Bis zur nächsten Kreuzung standen die Autos auf der Straße."
Auch an anderen Tagen zeichnete sich ein ähnliches Bild. Gründonnerstag (2. April 2026) und auch Karfreitag (3. April 2026) sei es sehr voll gewesen. Müller bestätigt auf CN/NEZ-Nachfrage, dass sowohl Diesel als auch E10 zwischenzeitlich ausverkauft waren. "Eigentlich laufen wir nicht leer", sagt sie. Es werde sofort nachgeliefert, wenn der Vorrat zur Neige geht. Nachmittags sei kaum etwas los, ab 18 Uhr werde es meistens wieder voller, berichtet Tochter Alicia Müller, die ebenfalls in der Tankstelle arbeitet.

An einer Tankstelle in Hemmoor sei um kurz vor 12 Uhr die Hölle los, berichtet ein Mitarbeiter. Am Nachmittag herrsche Flaute. "Um 17 Uhr kommen dann die Arbeiter - die müssen ja tanken", schildert er. Ausverkauft war noch nichts. Und das passiere auch nicht. Es werde aufgepasst, dass nichts leerlaufe. Auch der ADAC teilt mit, dass die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert sei.
Kunden schauen vermehrt auf den Preis
Viele Kunden schauen aktuell, welche Tankstelle die günstigste ist. Das kann auch die stellvertretende Leiterin der Cuxhavener Tankstelle bestätigen: "Viele erzählen, dass wir nicht ihre Stammtankstelle sind. Sie kommen aber zu uns, weil wir die günstigsten sind." Ist der Preis niedrig, tanken die Leute voll - bei hohen Preisen immer nur ein bisschen, erzählt sie. "Man sollte immer zur günstigsten Tankstelle fahren, auch wenn die ein paar Meter weiter entfernt ist", rät Nils Linge vom ADAC-Regionalclub Weser-Ems.
Der Ausverkauf an den Tankstellen lag nicht primär daran, dass kein Sprit mehr existiert, sondern eher an kurzfristigen Engpässen vor Ort. Zum einen war die Nachfrage hoch durch den Osterverkehr und den Hamster-Effekt. Ostern ist traditionell eine der verkehrsreichsten Zeiten des Jahres durch Urlauber und Familienbesuche. Gleichzeitig haben viele wegen der stark steigenden Preise vorsorglich vollgetankt. Das kann lokale Vorräte schnell leeren, auch wenn insgesamt genug Kraftstoff vorhanden ist.
Von Tim Larschow und Märthe Werder