Gegen 11.30 Uhr tanken in Otterndorf noch einige Fahrer vor der Erhöhung um 12 Uhr. Foto: May
Gegen 11.30 Uhr tanken in Otterndorf noch einige Fahrer vor der Erhöhung um 12 Uhr. Foto: May
Voll vor 12 Uhr

Teils kein Diesel oder Benzin: Starker Andrang an Tankstellen im Landkreis Cuxhaven

von Tim Larschow | 07.04.2026

Die neuen Preisregeln an Tankstellen führen im Landkreis Cuxhaven zu langen Schlangen. Über Ostern erreichten Dieselpreise Rekordhöhen, während Zapfsäulen zu bestimmten Zeiten teilweise leer blieben.

Erhöhung nur einmal täglich, Senkung jederzeit: So hoffte die Bundesregierung, den Spritpreis zu senken. Geklappt hat das nicht. An den Tankstellen in Deutschland haben Autofahrer über die Osterfeiertage für Diesel mehr zahlen müssen als je zuvor. Mehrmals erreichte der Kraftstoffpreis einen historischen Höchststand, wie der ADAC (Allgemeiner Deutscher Automobil-Club) mitteilte. Doch damit nicht genug: An vielen Zapfsäulen im Kreis Cuxhaven gab es gar kein Diesel oder Benzin mehr.

Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen nur noch einmal täglich ihre Preise erhöhen - um 12 Uhr. Das hatte die Bundesregierung aufgrund der gestiegenen Spritpreise infolge des Iran-Krieges beschlossen. Das führt laut Kritikern dazu, dass Anbieter Preiserhöhungen vorziehen oder bündeln. Ein indirekter Effekt seien ungewöhnliche Preis- und Nachfrage-Spitzen zu bestimmten Zeiten. Im Tagesdurchschnitt kostete Diesel am Ostersonntag 2,44 Euro pro Liter.

"Bis zur nächsten Kreuzung standen die Autos"

Am Wochenende bildeten sich im Landkreis Cuxhaven teils lange Schlangen vor den Tankstellen. An der Zapfsäule angekommen, mussten einige Autofahrer feststellen, dass zum Teil weder Super E10 noch Diesel vorrätig war.

Auf Nachfrage von cnv-medien.de bestätigen Mitarbeiterinnen der beiden Tankstellen in Otterndorf, dass es vor 12 Uhr immer voll sei und es danach ruhiger werde. Benzin oder Diesel sei den Kenntnissen der Mitarbeiterinnen nach zu keinem Zeitpunkt ausverkauft gewesen.

Anders in Cuxhaven. "Wir merken das richtig stark", betont Julia Müller. Sie ist die stellvertretende Tankstellenleiterin der Esso-Tankstelle an der Altenwalder Chaussee in Cuxhaven. Besonders die ersten drei Tage nach der neuen Regelung sei der Andrang hoch gewesen. "Bis zur nächsten Kreuzung standen die Autos auf der Straße."

Auch an anderen Tagen zeichnete sich ein ähnliches Bild. Gründonnerstag (2. April 2026) und auch Karfreitag (3. April 2026) sei es sehr voll gewesen. Müller bestätigt auf CN/NEZ-Nachfrage, dass sowohl Diesel als auch E10 zwischenzeitlich ausverkauft waren. "Eigentlich laufen wir nicht leer", sagt sie. Es werde sofort nachgeliefert, wenn der Vorrat zur Neige geht. Nachmittags sei kaum etwas los, ab 18 Uhr werde es meistens wieder voller, berichtet Tochter Alicia Müller, die ebenfalls in der Tankstelle arbeitet.

Hohe Preise an der Cuxhavener Tankstelle nach der Erhöhung um 12 Uhr. Foto: Werder

An einer Tankstelle in Hemmoor sei um kurz vor 12 Uhr die Hölle los, berichtet ein Mitarbeiter. Am Nachmittag herrsche Flaute. "Um 17 Uhr kommen dann die Arbeiter - die müssen ja tanken", schildert er. Ausverkauft war noch nichts. Und das passiere auch nicht. Es werde aufgepasst, dass nichts leerlaufe. Auch der ADAC teilt mit, dass die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert sei.

Kunden schauen vermehrt auf den Preis

Viele Kunden schauen aktuell, welche Tankstelle die günstigste ist. Das kann auch die stellvertretende Leiterin der Cuxhavener Tankstelle bestätigen: "Viele erzählen, dass wir nicht ihre Stammtankstelle sind. Sie kommen aber zu uns, weil wir die günstigsten sind." Ist der Preis niedrig, tanken die Leute voll - bei hohen Preisen immer nur ein bisschen, erzählt sie. "Man sollte immer zur günstigsten Tankstelle fahren, auch wenn die ein paar Meter weiter entfernt ist", rät Nils Linge vom ADAC-Regionalclub Weser-Ems.

Der Ausverkauf an den Tankstellen lag nicht primär daran, dass kein Sprit mehr existiert, sondern eher an kurzfristigen Engpässen vor Ort. Zum einen war die Nachfrage hoch durch den Osterverkehr und den Hamster-Effekt. Ostern ist traditionell eine der verkehrsreichsten Zeiten des Jahres durch Urlauber und Familienbesuche. Gleichzeitig haben viele wegen der stark steigenden Preise vorsorglich vollgetankt. Das kann lokale Vorräte schnell leeren, auch wenn insgesamt genug Kraftstoff vorhanden ist.

Von Tim Larschow und Märthe Werder

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Tim Larschow
Tim Larschow

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

tlarschow@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Führungsposition zu vergeben

Helgoland sucht nach Weggang von Katharina Schlicht sofort neuen Tourismusdirektor

von Redaktion

Helgolands Tourismusdirektorin Katharina Schlicht verlässt die Hochseeinsel. Sie bleibt an der Nordsee und wechselt nach Büsum. Die vakante Stelle auf Helgoland soll schnellstmöglich wiederbesetzt werden.

Jugendliche mit Drogen versorgt?

Prozess im Landgericht Stade: "Er hat gewusst, dass wir nicht volljährig waren"

von Egbert Schröder

Im Verfahren gegen einen 43-jährigen Familienvater, der in Hechthausen und Stade seinen 15-jährigen Sohn und andere Minderjährige mit Drogen versorgt haben soll, hat eine weitere Zeugin ausgesagt - und ihn erheblich belastet.

Preisanstieg 

Ende des Tankrabatts: Preise im Kreis Cuxhaven steigen an den Tankstellen deutlich an

von Märthe Werder

Mit dem Ende des Tankrabatts zum 1. Juli 2026 steigen die Spritpreise auch im Landkreis Cuxhaven rasant an. Der ADAC kritisiert die Entwicklung und rät zu spritsparendem Verhalten. 

Jetzt an der Umfrage teilnehmen

Kreis Cuxhaven vor der Kommunalwahl 2026: Welche Themen bewegen Sie?

von Redaktion

Straßen, Wohnraum, Ärzteversorgung oder Nahverkehr: Welche Themen bewegen die Menschen im Kreis Cuxhaven vor der Kommunalwahl 2026? CNV-Medien möchte wissen, was den Bürgerinnen und Bürgern auf dem Herzen liegt.