Derzeit wegen technischen Defekts geschlossen: Das „Lambada“. Das 60 Jahre alte Schwimmbad gilt als baufällig. Foto: Rohde
Derzeit wegen technischen Defekts geschlossen: Das „Lambada“. Das 60 Jahre alte Schwimmbad gilt als baufällig. Foto: Rohde
Strukturveränderungen gefordert

Sanierung oder Neubau für "Lambada"-Schwimmbad in Lamstedt? Wovon die Zukunft abhängt

von Ulrich Rohde | 14.09.2024

Seit zwei Monaten ist das Lamstedter Schwimmbad "Lambada" geschlossen. Die Schalttechnik ist defekt. Auch wenn das Bad Anfang Oktober wieder eröffnet wird, die Probleme liegen tiefer und könnten für Umwälzungen und Unruhe in der Börde sorgen.

Die Ersatzbeschaffung für die Schalttechnik des Lamstedter Schwimmbades "Lambada" dauert einige Wochen. Mit einem Provisorium soll es ab Anfang Oktober vorerst wieder mit dem Schwimmbetrieb losgehen. Eine händische Pumpensteuerung sei nicht möglich, sagt Samtgemeindebürgermeister Frank Springer. So müsse der Chlorgehalt im Wasser exakt bestimmt werden.

Doch das ist auf lange Sicht das kleinere Problem des "Lambada". "Das Bad ist jetzt 60 Jahre alt und abgängig. Wir müssen es erneuern", so Springer. Eine Komplettschließung kommt für ihn nicht in Betracht. "Entweder gibt es eine Sanierung im Bestand oder einen Neubau." In der Börde sei es immer wieder gelungen, eine 100-prozentige Quote beim Schwimmunterricht für die Kinder zu erreichen.

Schwimmbad für Schulsport und Schwimmunterricht

Die DLRG-Ortsgruppe trägt einen erheblichen Teil dazu bei - und möchte ihre Aktivität weiter ausbauen. "Wenn wir sanieren oder neu bauen, wird es kein Spaßbad werden, sondern auf den Schul- und Vereinssport und den Schwimmunterricht ausgelegt sein. Dafür benötigen wir aber ein 25-Meter-Becken", so Springer. Derzeit ist das Becken nur etwa 17 Meter lang.

Dem Verwaltungschef ist es natürlich nur allzu bewusst, dass die Samtgemeinde Börde Lamstedt nicht über die notwendigen Mittel verfügt, um solch ein Projekt zu stemmen. "Ohne großartigen Schnickschnack rechnen wir mit Kosten von rund 8 Millionen Euro." Also werden erhebliche Fördermittel benötigt, zum einen aus dem Sportstättenförderprogramm des Landes sowie aus Fördermitteln des Landkreises Cuxhaven für die Sanierung kommunaler Sportstätten. Die dort bereit stehenden 500.000 Euro sind zwar für den Bau von Kunstrasenplätzen reserviert. Doch so etwas braucht man in der Börde nicht. Springer: "Unsere Sportstätten sind in einem tadellosen Zustand." Die Mittel sollen also umgewidmet werden. Wenn alles glatt läuft, könnte dieser Plan schon 2027 umgesetzt werden.

Bedingung ist Veränderung der kommunalen Struktur

Natürlich gibt es bei all den Überlegungen einen Haken: Bedingung für eine Förderung durch das Land Niedersachsen ist eine Veränderung der kommunalen Struktur in der Börde bis zum November 2026, dem Ende der laufenden Kommunalwahlperiode. Am Montag dieser Woche hat Frank Springer mit der zuständigen Ministerin Daniela Behrens (SPD) darüber gesprochen. Die Ministerin habe den Standpunkt der Samtgemeinde nachvollziehen können und unterstütze ihn. Eine Fusion mit einer anderen Kommune, da sind sich Samtgemeinde und Land einig, komme derzeit allerdings nicht in Frage.

"Wir werden nun offen prüfen, ob in der Börde eine Einheitsgemeinde in Frage kommt, mit allen Vor- und Nachteilen, transparent und unter Beteiligung der Einwohner", so der Samtgemeindebürgermeister. Dabei ist der Zeitplan ehrgeizig. Denn eine Entscheidung über die Umwandlung muss bereits bis Dezember dieses Jahres gefallen sein, um die kommenden rund 18 Monate zu Vorbereitung zu nutzen. "Ein strammes Programm", gibt Springer zu, aber machbar, zumal er vom Samtgemeindeausschuss den Auftrag erhalten hat, mit Land und Kreis Gespräche über diese strukturellen Veränderungen zu führen. Auch die Kommunalaufsicht des Landkreises stehe diesen Plänen aufgeschlossen gegenüber.

Gemeinden fehlen die 
Entscheidungsspielräume

Die finanziellen Anreize des Landes Niedersachsen für den Erhalt der Infrastruktur bei Einführung der Einheitsgemeinde sind verlockend. Der Verlust von Eigenständigkeit in den Mitgliedsgemeinden ist allerdings die Kröte, die die Kommunalpolitik schlucken müsste. Doch bei weitgehend leeren Kassen gibt es kaum noch Entscheidungsspielräume. Selbst die zentrale Gemeinde Lamstedt leidet trotz ihrer starken Gewerbebetriebe unter einem hohen Haushaltsdefizit. 

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Ulrich Rohde

Redaktionsleiter
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