"Das wird jetzt ein bisschen emotional": Feuerwehr-Chef Ingo Graf in Lamstedt geehrt
Ingo Graf, der langjährige Abschnittsleiter des Brandschutzabschnitts Cuxhaven-Ost, wird nach zwölf Jahren mit einem Appell in Lamstedt emotional verabschiedet. Zahlreiche Ehrungen würdigen seine Verdienste.
Großer Appell vor der Bördehalle, mehr als 20 Einsatzfahrzeuge aufgestellt, Kameradinnen und Kameraden angetreten - schnell wird klar: Hier geht eine Ära zu Ende. Ingo Graf stand im Mittelpunkt, sichtlich gerührt. Zwölf Jahre lang hatte der Nordledaer den Brandschutzabschnitt Cuxhaven-Ost (Land Hadeln) geleitet, nun wurde er offiziell verabschiedet.

Graf lebte schon vorher die Arbeit bei der Feuerwehr. Bei seiner offiziellen Verabschiedung durfte er sich noch einmal viele warme Worte anhören. Mit dem Otterndorfer Meik Kramer wurde zugleich sein Nachfolger ins Amt gehoben. Die von Kramer bislang besetzte Position des stellvertretenden Abschnittsleiters übernimmt künftig der Lamstedter Torben Offermann.

Die höchste Auszeichnung im Feuerwehrwesen
Politiker aus der ganzen Region waren gekommen, um Ingo Graf zu verabschieden, darunter Innenministerin Daniela Behrens (SPD) der Bundestagsabgeordnete Christoph Frauenpreiß (CDU) und Landrat Thorsten Krüger. Daniela Behrens sagte: "So viele Jahre Verantwortung zu übernehmen, ist nicht selbstverständlich. Danke dafür." Und Christoph Frauenpreiß betonte: "Sozial engagierte Menschen wie Ingo Graf sind elementar für unsere Gesellschaft. Danke an alle für euer Engagement in der Region." Samtgemeindebürgermeister Frank Springer sprach von Grafs Weitsicht und sagte, dass er ein echtes Vorbild sei. Deutlich wurde: Ingo Graf hat sich auch im Katastrophenschutz außerordentlich verdient gemacht. Er war Leiter der 'Technischen Einsatzleitung Ost'. In diesem Rahmen wirkte er maßgeblich an der aktuellen Umstrukturierung der Stabsarbeit beim Landkreis Cuxhaven mit. Zusätzlich war er an der Gründung von zahlreichen Kinder- und Jugendfeuerwehren beteiligt - seine ganz persönlichen Herzensthemen.
Für seine jahrzehntelange Arbeit wurde Graf geehrt. Er wurde zum "Ehrenabschnittsleiter" ernannt und erhielt von Landrat Thorsten Krüger die entsprechende Urkunde. Anschließend überreichte Regierungsbrandmeister Uwe Quante ihm das Deutsche Feuerwehr-Ehrenkreuz in Gold - die höchste Auszeichnung im deutschen Feuerwehrwesen. "Beides sind Ehrungen, die ich mit großer Dankbarkeit annehme und möchte ausdrücklich sagen, diese Auszeichnungen stehen nicht für mich allein, sondern für euch alle und die vielen Jahre gemeinsame Arbeit", sagte Graf.

Auch die Geschenke der Kameradinnen und Kameraden rührten ihn sichtlich. Ingo Graf ist leidenschaftlicher Sporttaucher - entsprechend bekam er eine komplett neue Tauchausrüstung. Von der Jugendfeuerwehr erhielt er ein Bild aller Jugendfeuerwehren im Abschnitt. "Du hast uns immer mit Rat und Tat zur Seite gestanden, uns gefördert und die nächste Feuerwehrgeneration geprägt", hieß es von den Kreisjugendfeuerwehren.
Dann hielt Ingo Graf selbst seine Abschiedsrede. "Das wird jetzt schwer und doch schon ein bisschen emotional", begann er. "Jetzt ist der Moment, von diesem Amt Abschied zu nehmen. Hinter den zwölf Jahren stecken unzählige Stunden, Gespräche, Entscheidungen, Einsätze und Sitzungen." Als Abschnittsleiter sei man nicht nur Feuerwehrmann, sondern auch Vermittler, Koordinator, Zuhörer und manchmal Blitzableiter. "Dieses Amt lebt nicht von Dienstgraden oder Titeln, sondern von Vertrauen. Und dieses wurde mir all die Jahre entgegengebracht. Ich blicke auf eine schöne Zeit. Ich durfte erleben, wie engagiert, leistungsfähig und kameradschaftlich unsere Feuerwehren sind. Aus Ideen wurden Projekte und aus Herausforderungen Lösungen."

"Ich habe dieses Amt immer gerne gemacht"
Besonders bewegten ihn die stillen Momente nach Einsätzen: "Weil man wusste, wir haben gemeinsam etwas geschafft." Doch er sprach auch die schwierigen Zeiten an: "Diskussionen, Spannungen und Zeiten, in denen Entscheidungen getroffen werden mussten, die nicht jedem gefallen. Ich habe jede Entscheidung nach bestem Gewissen und Wissen getroffen - nicht, um jemandem zu schaden, sondern immer mit dem Blick auf das große Ganze. Man kann es nicht jedem recht machen, aber man muss bereit sein, sie zu treffen, auch dann, wenn sie unbequem sind."
Trotz allem sagte er: "Ich habe dieses Amt immer gerne gemacht. Nicht, weil es leicht war, sondern weil ich wusste, warum ich es mache. Für die Feuerwehr, die Kameradschaft und für die Sicherheit der Menschen in unserem Abschnitt."
Als er am Ende seiner Rede seiner Frau für den jahrelangen Rückhalt dankte, wurde es still in der Halle. "Alle Kameradinnen und Kameraden könnten ohne Partner oder Partnerin, die uns so unterstützen, dieses Ehrenamt nicht leisten." Viele im Publikum waren sichtlich bewegt - jeder wusste: Mit Ingo Graf geht nicht nur ein Abschnittsleiter, sondern eine prägende Persönlichkeit der Feuerwehr.