Mehr Verkehrstote trotz weniger Unfälle im Kreis Cuxhaven - das zeigt die Bilanz 2025
Die Polizeiinspektion Cuxhaven hat ihre Verkehrsunfallstatistik für das Jahr 2025 vorgestellt - und die enthält eine gemischte Bilanz: Während die Gesamtzahl der Unfälle leicht zurückging, ist die Zahl der Verkehrstoten gestiegen.
Nach Angaben der Polizei wurden im vergangenen Jahr insgesamt 4718 Verkehrsunfälle im Kreis Cuxhaven registriert. Das entspricht einem Rückgang von rund 3,5 Prozent im Vergleich zu 2024. Dennoch bewegt sich das Unfallgeschehen laut Polizei weiterhin auf einem hohen Niveau.
Mehr Todesopfer - vor allem ältere Menschen betroffen
Besonders besorgniserregend ist aus Sicht der Polizei Cuxhaven die Entwicklung bei den tödlichen Unfällen: 15 Menschen verloren 2025 ihr Leben im Straßenverkehr - drei mehr als im Vorjahr. Damit liegt die Zahl im Bereich der vergangenen Jahre, jedoch über dem Durchschnitt.
Auffällig ist laut Polizeiinspektion der hohe Anteil älterer Menschen: 60 Prozent der Getöteten waren über 65 Jahre alt. Kinder und Jugendliche kamen hingegen - wie die Polizei betont - im gesamten Jahr nicht ums Leben. Die meisten tödlichen Unfälle ereigneten sich außerhalb geschlossener Ortschaften. Auf der A27 gab es laut Polizei Cuxhaven bereits im zweiten Jahr in Folge keinen tödlichen Unfall.

Auch bei den Verkehrsmitteln zeigen sich klare Schwerpunkte: Die Mehrheit der Opfer war mit dem Auto unterwegs. Vier Menschen starben bei Unfällen mit dem Fahrrad oder Pedelec, eine Person als Fußgänger. Bemerkenswert: Erstmals seit Jahren gab es keinen tödlich verunglückten Motorradfahrer.
Der Leiter der Polizeiinspektion, Andreas Lohmann, spricht von einem "deutlichen Warnsignal" und betont, dass insbesondere gefährdete Gruppen stärker in den Fokus rücken müssten. "Jeder einzelne Verkehrstote ist einer zu viel", heißt es in einer Pressemitteilung.
Weniger Schwerverletzte, mehr Leichtverletzte
Insgesamt wurden nach Angaben der Polizei 1092 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt. Während die Zahl der Schwerverletzten leicht auf 121 zurückging, stieg die Zahl der Leichtverletzten auf 971 weiter an. Dieser Trend zeigt sich laut Polizei auch im längerfristigen Vergleich.
Hauptursachen bleiben bekannt
Bei den Unfallursachen sieht die Polizeiinspektion weiterhin bekannte Schwerpunkte. Häufige Gründe sind demnach zu geringer Abstand, Fehler beim Wenden oder Rückwärtsfahren sowie nicht angepasste Geschwindigkeit. "Deshalb richten wir unsere Maßnahmen weiterhin konsequent auf diese Schwerpunkte aus", so Andreas Lohmann.
Bei schweren Unfällen konzentrieren sich die Ursachen laut Polizei besonders auf drei Faktoren: Geschwindigkeit, Abbiegefehler sowie Alkohol- oder Drogenkonsum. Zusammen machen sie etwa ein Drittel der schweren Unfälle aus. Auch Vorfahrtsverstöße und körperliche Mängel spielen eine Rolle.

Baumunfälle bleiben besonders gefährlich
Ein Schwerpunkt liegt laut Polizei weiterhin auf sogenannten Baumunfällen. Deren Zahl sank zwar auf 122 Fälle, dennoch sind sie besonders folgenschwer: Neun der 15 Verkehrstoten kamen bei solchen Unfällen ums Leben.
Viele Wildunfälle und steigende E-Scooter-Zahlen
Rund 17 Prozent aller Unfälle wurden laut Polizei durch Wild verursacht - insbesondere in den Dämmerungsstunden bestehe hier ein erhöhtes Risiko.
Die Zahl der Verkehrsunfallfluchten blieb mit 1212 Fällen nahezu konstant. "Eine Verkehrsunfallflucht ist kein Kavaliersdelikt. Wer sich unerlaubt vom Unfallort entfernt, begeht eine Straftat", mahnt Lohmann an. Positiv bewertet die Polizei weiter, dass die Aufklärungsquote auf über 43 Prozent gestiegen ist.
Deutlich zugenommen haben hingegen Unfälle mit E-Scootern: Seit 2020 stieg ihre Zahl von drei auf 55 Fälle im Jahr 2025. Für Bastian Schwarzat, Leiter Einsatz der Polizeiinspektion Cuxhaven, ist das ein Zeichen dafür, dass E-Scooter längst Teil des Alltagsverkehrs geworden sind: "Mit der steigenden Nutzung nehmen auch die Unfallzahlen zu. Diese Entwicklung zeigt sich auch landesweit."

Risikogruppen im Fokus
Neben älteren Menschen gehören laut Polizei auch Fahranfänger zwischen 18 und 24 Jahren zu den besonders gefährdeten Gruppen. In dieser Altersklasse gab es zwei Todesopfer und 23 Schwerverletzte.
Die Zahl der Unfälle mit Fahrrad- und Pedelecfahrern ging leicht zurück, bleibt aber weiterhin ein wichtiger Bereich für die Verkehrssicherheitsarbeit.
Prävention und klare Zielsetzung
Die Polizeiinspektion Cuxhaven setzt nach eigenen Angaben weiterhin auf Prävention, Kontrollen und Zusammenarbeit mit anderen Behörden. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der Verkehrserziehung von Kindern und Jugendlichen.
Auch in der Verkehrsunfallkommission arbeiten Polizei, Straßenverkehrsbehörden und Straßenbaulastträger konsequent weiter. Aktuell werden 15 Unfallhäufungsstellen analysiert und entschärft.
Für Inspektionsleiter Andreas Lohmann ist die Richtung eindeutig: weniger schwere Unfälle und langfristig keine Verkehrstoten. Die aktuellen Zahlen zeigen laut Polizei jedoch, dass weiterhin Handlungsbedarf besteht - insbesondere bei den Hauptursachen und Risikogruppen. "Verkehrssicherheit ist eine gemeinsame Aufgabe und beginnt bei jedem Einzelnen", schließt die Polizei ab.