Musik in Otterndorfs Altstadt: Mini-Open Air kämpft mit Zuhörermangel
Trotz strahlenden Sonnenscheins und vielfältiger Musik blieben die Zuschauer beim "Fête de la Musique" in Otterndorf aus. Ein charmantes Event, das mit unerwartetem Zuschauermangel konfrontiert wurde.
Sonntagnachmittag (21. Juni 2026), herrliches Wetter und handgemachte Musik gratis: eine Kombination, die eigentlich ein Selbstgänger sein sollte. Beim "Fête de la Musique" war das nicht so. Dem Mini-Open Air fehlte es weder an musikalischer Qualität noch an Bandbreite. Dafür aber an Zuhörern; die waren tatsächlich Mangelware auf dem Otterndorfer Kirchplatz.
Schade, vor allem für die Protagonistinnen und Protagonisten, die sich zum Teil redlich mühten, um einen Funken Konzert-Atmosphäre auf das Grüppchen von Leuten vor dem Bühnemzelt überspringen zu lassen. "Ich habe einige Lippenbewegungen gesehen", versuchte es Marissa Burchardt.

Soundtrack zu Eis und Cappuccino
Die Otterndorferin, die als heimlicher Hauptact des vom Verein Mahlwerk Kultur- und Bürgerhaus Otterndorf organisierten Gratis-Events auftrat, bot ein Pop- und Folk-Potpourri - Songs also, die jeder mitsingen kann. Zu "Jolene" oder "Boat On The River" wurde tatsächlich verhalten gesummt: Wenn nicht direkt vor der Bühne, dann immerhin auf der nahegelegen Terrasse eines Eiscafés. Dort spendeten die Gäste zwar kaum Applaus, empfanden Burchardts wandlungsfähige Stimme aber als angenehmes Beiwerk zu Erdbeerbechern und Cappuccino. Weiter ging das Interesse vielfach nicht, nachdem sie die Rechnung beglichen hatten, strebten die meisten Eisdielenkunden nicht zur Bühne, sondern in Richtung ihrer anderswo abgestellten Fahrrädern. Und das, obwohl aus den Boxen inzwischen ein verheißungsvolles "I'll be your baby tonight" erklang.

Americana im Schatten von St. Severi
Das Stück von einem frühen Dylan-Album schuf musikalisch gesehen einen geeigneten Übergang zu dem auf Burchardt folgenden Duo: Jörn Hüselitz und Jürgen Nowotny alias "Twojays" setzten die "Fête de la Musique", die am Sonntag übrigens mit Gratis-Konzerten in vielen Städten Europas gefeiert wurde, mit einer Reihe ihrer mutmaßlichen Lieblingssongs fort. Darunter befanden sich weniger bekannte Nummern wie "Lincoln Town" von John Hiatt oder "Galway Girl" von Steve Earle. Die Instrumentierung (Stratocaster und Mandoline) passte zu dieser Americana-Schublade, die die "Twojays" auf dem Kirchplatz aufzogen - in der Hoffnung, dass vielleicht ein paar versprengte Elbekirchentagsbesucher aus dem Schatten der Mauern von St. Severi treten würden. Denn noch am Vorabend, so war zu hören, soll am selben Ort einiges los gewesen sein.
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