Der Wolf bleibt als Thema aktuell.  Foto: Carsten Rehder
Der Wolf bleibt als Thema aktuell. Foto: Carsten Rehder
Kommunalpolitik

Nach Rehriss im Neubaugebiet Wolfsdiskussion in Otterndorf 

von Wiebke Kramp | 14.05.2026

In Otterndorf sorgt ein gerissenes Reh nahe einem Neubaugebiet für Aufregung. Während die DNA-Analyse noch aussteht, diskutiert die Kommunalpolitik über Wölfe, Schutzmaßnahmen und die Sicherheit von Kindergärten.

Es steht allerdings bisher nicht fest, ob bei einem direkt am Neubaugebiet Am Medembogen gerissenen Reh in Otterndorf ein Wolf oder ein oder mehrere Hunde Verursacher waren. Die vom Wolfsberater gesicherten DNA-Spuren sind noch nicht ausgewertet, das wurde am Mittwochabend (13. Mai 2026)deutlich.

Dennoch hatte die SPD-Grünen-Rennebeck-Gruppe im Stadtrat zeitnah eine Sitzung des Bau- und Umweltausschusses unter Leitung von Peter Martin Stelzenmüller (Grüne) beantragt, um über das Thema Wolf aufzuklären und Unsicherheiten auszuräumen. Zum erwarteten Besuchersturm kam es bei dieser öffentlichen Sitzung in der Grundschul-Mensa nicht.

Heiko Hellmann, vom NLWKN eingesetzter ehrenamtlicher Wolfsberater und regionaler Ansprechpartner für den Verein Freundeskreis freilebender Wölfe, war dazu als Experte eingeladen. Er hatte nach Benachrichtigung des Jagdpächters Jörg von Thaden in der vorvergangenen Woche den betreffenden Rehriss begutachtet, bei dem ein sehr großer Teil Weichteile angefressen sowie Rippen durchbrochen wurden.

Es sei nicht untypisch, dass sich ein Wolf während der nächtlichen Jagd nachts einer Siedlung nähere, so Hellmann, der diese Situation als unkritisch einstufte. Ihm seien keine Fälle bekannt, bei denen sich ein Wolf aggressiv dem Menschen genähert habe. Sollte es zu Wolfbegegnungen kommen, gerade mit neugierigen Jungwölfen, riet er, Ruhe zu bewahren und das Tier nicht direkt anzuschauen. "Für uns Menschen stellt der Wolf keine Gefahr dar, wenn man ihn nicht in die Enge treibt." Ein gesunder Wolf falle keine Menschen an. Und selbst für den Fall schreiend vor Schrecken weglaufender Kinder hielt Hellmann auf Nachfrage von Malte Hinck (SPD) nicht für eine Gefahrensituation.

Die CDU kritisierte die Sitzungsterminierung. Man hätte zunächst den DNA-Befund abwarten sollen, verdeutlichte Thomas Bullwinkel. Und Carsten Nickel (FDP) monierte Schönfärberei. "Vielleicht sollte man mal Landwirte fragen oder die Bevölkerung. Umsonst ist das Jagdrecht im Bund nicht geändert worden, nur das Land ist noch nicht so weit."

Er habe Anfragen wegen der Sicherheit von Kindertagesstätten bekommen, schilderte Stadtdirektor Frank Thielebeule und führte unter anderem aus, dass alle Kindergärten ohnehin einzäunt sein müssen.

Als besorgter Anwohner im Neubaugebiet und vierfacher Familienvater meldete sich Steffen Matzner an diesem Abend zu Wort und machte deutlich: "Kinder verhalten sich nicht immer richtig und rational - und auch Wölfe sicher auch nicht."

Deichsicherheit war Thema

Thematisiert wurde von Frank Thielebeule und Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) der unmittelbar in der Nähe liegende Elbdeich mit der Schafbeweidung. Wolfsberater Hellmann hält für den Nutztierbereich wolfsabweisenden Grundschutz oder Herdenschutzhunde für wichtig. Nachdem der Wolfsberater jedoch Pilotprojekte an Weser und Elbe angesprochen hatte, erklärte der Schultheiß Armin Heitmann, dass dort für viel Geld auf wenigen Kilometern der Deich derart abgeschottet worden sei. Tourismus und Radverkehr wären bei derartigen Maßnahmen unmöglich. Heitmann bekräftigte erneut die Bedeutung der Schäferei für die Deichsicherheit. Eine maschinelle Deichunterhaltung wäre technisch zwar möglich, würde aber für eine Kostenexplosion sorgen. Zur Problematik von Wolfschutzzäunen am Deich erläuterte Schäfer Thorsten Reinecke: "Bei Sturmflut würden wir die Netze gar nicht schnell genug wegbekommen." Wölfe seien auch schon in Weiden hineingesprungen, in denen Herdenschutzhunde eigentlich der Abschreckung dienen.

Lilly Strube, die in Sachen Wolf zur Ansprechpartnerin für besorgte Tierhalter geworden ist, beschrieb, dass das Otterndorfer Rudel aus Elterntieren mit drei Jungtieren bestehe, von denen man zurzeit aber nicht wisse, ob sie bereits abgewandert seien. Aber man könne davon ausgehen, dass es weiteren Nachwuchs geben werde. Besonders von der Fähe sei bekannt, dass sie sich Hundehaltern nähere, und in Wanna liefen die Wölfe bis vor die Haustür.

Für Wolfsberater Heiko Hellmann stellte sich die Lage in Otterndorf so dar: "Wenn es sich um einen Wolf gehandelt hat, hat er sich arttypisch verhalten, er kann ja schließlich nicht Spargel ernten und hat nichts verkehrt gemacht." Für manches Kopfschütteln sorgte übrigens Hellmanns Auffassung, dass der Erhaltungszustand der Wölfe in Deutschland keinesfalls gut sei. Dass dies als Grundlage für eine Änderung des Bundesjagdgesetzes genommen wurde, führte der Wolfsberater auf "Tricks bei der EU" zurück. Diesen Manipulationsverdacht mochte Schultheiß Heitmann nicht unwidersprochen so stehen lassen und sprach von einer "grenzwertigen Aussage".

Der Wolf bleibt ein Politikum. Nach Inkrafttreten der Änderung des Bundesjagdgesetzes am 2. April, die den Wolf ins Jagdrecht aufnahm, sind die Landesregierungen zur Handlung verpflichtet. Wie genau das Land Niedersachsen seinen eigenen Managementplan, Abschussquoten und Schonzeiten ausgestaltet sowie den Umgang mit dem Abschuss von Wölfen bei Nutzierrissen regelt, steht nicht fest und wird noch beraten. Gegenwärtig liegen lediglich Empfehlungen vor.

Wolfsberater Heiko Hellmann aus Cuxhaven. Foto: Kramp

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Wiebke Kramp

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Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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