Wohnen im Landkreis Cuxhaven - Leerstand und dennoch Mangel an bezahlbaren Wohnungen
Im Landkreis Cuxhaven fehlen massenweise Wohnungen, während zahlreiche Häuser ungenutzt bleiben. Die Gründe für diesen paradoxen Leerstand sind vielfältig und reichen von Ferienwohnungen bis hin zu Modernisierungsängsten.
Im Landkreis Cuxhaven fehlen, einer regionalen Wohnungsmarkt-Untersuchung nach, 2500 Wohnungen - gleichzeitig stehen 2250 Wohnungen leer. Wie diese Zahlen zustande kommen und weshalb nicht jede leerstehende Wohnung wieder in die Vermietung geht.
Fast 2250 Wohnungen sind seit mindestens 12 Monaten unbewohnt. "Bei der Berechnung der Wohnungsmarktsituation im Kreis Cuxhaven gehen wir davon aus, dass der Langzeitleerstand nicht zur Versorgung der Bevölkerung verfügbar ist", teilt Matthias Günther vom Pestel-Institut mit. Viele ältere Eigentümer vermieten nicht, weil sie Konflikte mit Mietern oder Schwierigkeiten bei Kündigungen fürchten, andere verschieben Modernisierungen aus Sorge vor neuen gesetzlichen Vorgaben. Dies seien mögliche Gründe für langen Leerstand, so Günther.
Mangel an Geschosswohnungen
In Cuxhaven komme zudem der Tourismus hinzu. Ein Teil des Leerstandes könne darauf zurückgehen, dass Menschen eine Wohnung nur als Ferienwohnung nutzen, meint Sebastian Post von der Stadtplanung in Cuxhaven. Genaue Zahlen liegen jedoch nicht vor: "Es gibt kein Gesetz, um leerstehende Wohnungen zu zählen", erklärt Post.
"Es gibt viele Eigenheime. Wir haben jedoch einen Mangel an Geschosswohnungen, vor allem bezahlbaren Geschosswohnungen", berichtet Phillipp Kenski von der Bauleitplanung und Stadtentwicklung Cuxhaven. Bei neuen Fachkräften sei es immer wieder Thema, wo sie eine Wohnung finden können, schildert Post. Die Investitionen in Einfamilienhäuser sei runtergegangen. "Geschosswohnungen werden schneller vermietet, als vorhandene Einfamilienhäuser", beschreibt er.
Keine Erfassung von Leerständen
Die Samtgemeinde Hemmoor habe ebenfalls kein Programm zur Erfassung von Leerstand und demnach auch keine Zahlen vorliegen, erzählt Jan Tiedemann. "Wir haben einen überschaubaren Leerstand, würde ich sagen." Der Samtgemeindebürgermeister spricht von einzelnen älteren Häusern, die aus ihm unbekannten Gründen leer stehen. Gleichzeitig werde in der Samtgemeinde aber auch neu gebaut und die Nachfrage an neuen Wohnungen sei vorhanden, berichtet Tiedemann.
Leerstände in der Samtgemeinde Börde Lamstedt seien über alle fünf Mitgliedsgemeinden verteilt und betreffen überwiegend ältere Gebäude, Resthöfe und energetisch sanierungsbedürftige Gebäude, beschreibt Frank Springer. Eine räumliche Konzentration sei nicht festzustellen. "Die Dauer des Leerstands reicht von kurzfristigen Leerständen im Zuge von Mieterwechseln bis hin zu langfristig ungenutzten Objekten", sagt der Samtgemeindebürgermeister. Davon betroffen seien, seinen Angaben nach, vor allem ältere Einfamilienhäuser sowie ehemalige landwirtschaftliche Gebäude. Als Hauptursachen beschreibt Springer den "demografischen Wandel, hohe Sanierungs-, Bau- und Zinskosten sowie Erb- und Eigentumskonstellationen". In der Samtgemeinde Börde Lamstedt konzentriere sich die Nachfrage nach Wohnungen auf kleine, bezahlbare und energieeffiziente Wohnungen für junge Erwachsene und auf barrierearme Wohnformen für ältere Menschen, teilt Springer mit.
Nachfrage nach Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen
In der Samtgemeinde Land Hadeln werden tendenziell eher kleine Wohnungen nachgefragt, es komme jedoch auf den jeweiligen Wohnort an. "Insgesamt ist ein Wohnungsleerstand für die gemeindeeigenen Objekte nicht festzustellen", teilt Erste Samtgemeinderätin Irene Wischhusen mit. Leerstände bei der kommunalen Hadelner Baugesellschaft in Otterndorf seien kurzfristig durch Mieterwechsel. "Längerfristige Leerstände ergeben sich bei uns nur durch umfangreichere Modernisierungen nach sehr langen Mietzeiten von teilweise 30, 40 oder 50 Jahren", berichtet Edeltraut Radtke. Die Mehrheit an Anfragen liegen der Baugesellschaft für bezahlbare Zwei- bis Drei-Zimmer-Wohnungen vor, sagt die kaufmännische Leiterin.
Trotz einer negativen Bevölkerungsprognose für Cuxhaven werden mehr Wohnungen gebraucht: "Der Trend geht zu kleineren Haushaltsgrößen", sagt Kenski. Die Stadt beobachte die Entwicklungen auf dem Markt und versuche sich vorzubereiten. Besonders durch die Entwicklungen im Hafen werden einige neue Arbeitsplätze geschaffen. Die Stadt plant daher neue Projekte, bei denen Wohnraum entsteht. Auch das Thema Überalterung spiele dabei eine Rolle. "Wir brauchen dringend Familien hier", betont Kenski.
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