Sommertage im Aeronauticum Nordholz: Was funktionierte - und was kaum Publikum fand
Das Wetter: sommerlich. Das Programm: abwechslungsreich. Der Einsatz hinter den Kulissen: groß. Und trotzdem fällt die Bilanz der Veranstalter der ersten Sommertage im Aeronauticum in Nordholz gemischt aus.
Der Open-Air-Flohmarkt zwischen historischen Fluggeräten auf dem Areal des Luftschiff- und Marinefliegergeländes hatte sich am Abschlusstag erwartungsgemäß zum Selbstläufer entwickelt. Bereits vor der Eröffnung bildete sich eine Besucherschlange vor dem Eingang.
Anders als bei den meisten anderen Flohmärkten wird hier ein Obolus von vier Euro erhoben. Denn die Gäste dürfen zusätzlich zur Schnäppchenjagd Flug-Oldtimer aus nächster Nähe anschauen. Außerdem werden ihnen ein musikalisches Rahmenprogramm und eine Hüpfburg für die Jüngsten geboten. "Der Erlös fließt in die Museumsarbeit", erklärt Hans-Peter Weber vom Stiftungsvorstand.
Im nächsten Jahr können noch mehr kommen
Von den mehr als 80 Anmeldungen bauten am Ende 75 Trödelhändler ihre Stände zwischen den Maschinen auf. "Wir sind damit zufrieden, haben aber durchaus noch Platz", resümiert Weber. "Im nächsten Jahr können noch mehr kommen." In den zurückliegenden sechs Jahren habe die Besucherzahl nie unter 1000 gelegen. Damit rechnen die Veranstalter auch diesmal.
Begonnen hatten die Sommertage bereits am Donnerstag mit einem Kinoabend unter freiem Himmel. Passend zu den 18 historischen Flugexponaten flimmerten "Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten" und später "Top Gun: Maverick" über die Leinwand.

Mit dem eintrittsfreien Angebot hatten die Veranstalter ins Schwarze getroffen. "Kino unter freiem Himmel ist noch einmal etwas ganz anderes, als drinnen zu sitzen", schwärmte die Besucherin Cindy Köster aus Franzenburg. Für sie seien die Sommertage ein Anlass gewesen, "endlich mal wieder ins Aeronauticum zu gehen". Für Tom-Niklas Thomsen war der Weg ohnehin kurz: "Ich wohne 500 Meter von hier entfernt", erzählte der Nordholzer. Ihn habe vor allem der "Top Gun"-Film ins Aeronauticum gelockt.
Nach Angaben von Stiftungsvorstandsmitglied Katja Bruns-Cordes verfolgten an diesem Abend bis zu 300 Gäste das Geschehen auf der Leinwand. "Gerechnet hatten wir vorsichtig mit rund 100", ergänzt Weber. Einziger Wermutstropfen war der Regen am späteren Abend, der den einen oder anderen Besucher vorzeitig vom Gelände vertrieb.
Auch mit der Resonanz auf den Comedyabend am Freitag zeigten sich die Veranstalter zufrieden. Für den Auftritt der Comedians Lutz von Rosenberg Lipinsky, Don Clarke, Christian Schiffer und Mario Roggow seien 150 Tickets verkauft worden, berichtete Bruns-Cordes.
Vor allem Einheimische lockte das Programm an diesem Abend auf das Museumsgelände. Eine Besucherbefragung habe ergeben, dass nahezu ausschließlich Menschen aus der Region gekommen seien. Das entspreche durchaus den eigenen Vorstellungen: "Wir wollten die Sommertage auch nicht unbedingt nur für Touristen veranstalten", sagte Bruns-Cordes.

Deutlich verhaltener fiel die Resonanz am Sonnabend aus - ausgerechnet an dem Tag, an dem zahlreiche Kleinkunstdarbietungen auf dem Programm standen. Am Nachmittag schickte die Gemeinde Wurster Nordseeküste zunächst ihr "Fliegendes Kultursofa" mit der Krimiautorin Susanne Ziegert, dem Poetry-Slammer Guido Osterndorff, der Opernsängerin Benedicta Wagler und dem Chansonnier Andreas Auffenberg ins Rennen. Doch weder dieses Angebot noch die Lesung des Schauspielers Thomas Saarbacher oder das musikalische Kabarettprogramm von Mayo Velvo lockten mehr als ein paar Handvoll Gäste vor die Bühne.
Die Emsländerin Janina Ahrens gehörte mit ihren Kindern im Teenageralter, Laura und Lukas, zu den wenigen Besuchern, die sich am Samstagnachmittag von Chansons und Operettenmelodien verzaubern ließen. "Es ist ziemlich selten geworden, solche Musik außerhalb eines Musiktheaters zu hören", sagte die Urlauberin. Sie habe sich bewusst Zeit genommen, zuzuhören. Ihr Resümee: "Wir fanden es total schön."
Der Blick auf die leeren Zuschauerreihen konnte die Verantwortlichen allerdings nicht zufriedenstellen. War "Veronika, der Lenz ist da", "Kann denn Liebe Sünde sein" oder "Die ganze Welt ist himmelblau" schlicht das falsche Programm für einen Familiennachmittag im Museum? Bruns-Cordes räumt ein, dass der Sommerabend auch für den Stiftungsvorstand ein "Testlauf" gewesen sei und noch Erfahrungen gesammelt werden müssten.
Seine Ambitionen beabsichtigt der Stiftungsvorstand deshalb aber nicht aufzugeben. "Gerade der Samstag hat gezeigt, dass wir großartige Künstler quasi direkt vor der Haustür haben. Wir brauchen in unserem ländlichen Raum Begegnungsstätten für Initiativen wie das 'Fliegende Kultursofa‘, die Kultur zu den Menschen bringen", ist Bruns-Cordes überzeugt. Manche Programme passten möglicherweise einfach besser in ein anderes Ambiente.
Es sei dem Stiftungsvorstand ein großes Anliegen, Kleinkunstakteuren auch künftig eine Bühne zu bieten - etwa im Rahmen kleinerer, monatlicher Veranstaltungen. "Das motiviert uns auf jeden Fall, weiterzumachen."
Von Heike Leuschner

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