"Onkel Ernst" wird jeden Freitag zu einer schwimmende Begegnungsstätte. Foto: Kramp
"Onkel Ernst" wird jeden Freitag zu einer schwimmende Begegnungsstätte. Foto: Kramp
Unterwegs mit "Onkel Ernst"

Projekt im Kreis Cuxhaven: Mikroabenteuer unter Segeln vor Oberndorf auf der Oste

von Wiebke Kramp | 11.06.2024

Dieses Projekt bringt in Oberndorf für zwei Stunden wildfremde Menschen zusammen und sie sitzen dabei buchstäblich alle im selben Boot. So ein Törn unter Segeln lohnt sich in mehrfacher Hinsicht. "Onkel Ernst" sorgt für Vergnügen.

Nach seiner Pensionierung suchte Rainer Schulz ein Betätigungsfeld, sich ehrenamtlich zu engagieren - und landete im Kutterprojekt.

Heiko Keßler, Jörn Möller und Rainer Schulz nehmen jeweils zehn Fahrgäste zu diesem besonderen Mikroabenteuer mit. Unter dem Motto "Kutter bei die Fische - Alle an Bord!" machen sie in Oberndorf jeden Freitagnachmittag an der Fährpromenade die Leinen los und setzen Segel.

Der über 60 Jahre alte Segelkutter "Onkel Ernst" ist neuerdings eine schwimmende Begegnungsstätte. An Bord kommen Alt und Jung zusammen. Sie sitzen buchstäblich im selben Boot, geraten dort bestenfalls ins Gespräch oder genießen einfach schweigend das besondere Gemeinschaftserlebnis unter Segeln auf der Oste inmitten der Natur.

Von Bord des Segelkutters aus eröffnet sich eine neue Perspektive. Die schnelllebige Hektik bleibt an Land zurück. Hier auf der Oste geben Wind und Tide den Kurs vor. Der Weg ist das Ziel. Idyllisch wird es, wenn das Tickern des Motors ausgeschaltet ist, der Wind in die drei weißen Segel rauscht und sich das robuste Holzboot von Strömung und leichter Brise flussabwärts entlang der Baumreihen von Biegung zu Biegung bewegt.

Ein nicht alltägliches Vergnügen: Mitsegeln auf dem Kutter.

Isabell Springborn mit ihren Kindern Emely (15) und Elias (10) aus Cadenberge und Oma Ramona Cuno aus Otterndorf nutzen das Angebot als Familienausflug. Alle sind begeistert. "Das ist so toll", schwärmen sie davon, quasi vor der Haustür dem Alltag auf diese Weise zu entfliehen und etwas Neues erleben zu können. Auch Bianca und Thorsten Jagolski aus der Wingst genießen diese Entschleunigung dieses Törns, der nach Hemmoor-Schwarzenhütten und zurück nach Oberndorf geht.

Jörn Möller (hinten) ist Segelpädagoge und engagiert sich im Verein Provinzwerkstatt ehrenamtlich.

Der Törn erweist sich als lehrreich. Jörn Möller ist nicht nur passionierter Segler; er ist auch Pädagoge und war bis zu seiner Pensionierung Förderschulleiter in Freiburg. Gerne nutzt er die Segelzeit, um hinzuweisen, auf Besonderheiten wie die vielen Strudel in der Hexenbucht oder die Vogelwelt. Über die Oste fliegen an diesem Nacvhmittag zwei Weihen und ein Schwanenpaar, und am Ufer lauern Graureiher.

Für die Passagiere ist das zweistündige Vergnügen kostenlos, weil der Verein "Provinzwerkstatt" dafür eine Projektförderung erhalten hat. Spenden von Passagieren sind natürlich willkommen, um davon zum Beispiel den Diesel zu bezahlen.

Die Gemeinde Oberndorf leistet beispielsweise ihren Beitrag, indem sie ihren Kutter zur Verfügung stellt. Lange Zeit hat "Onkel Ernst" als Jugendkutter im Ort gedient. 1986 hatte die Gemeinde ihn von der Marinejugend Cuxhaven gekauft. Kinder und Jugendliche erlernten von Fred Dobrinkat die Kunst des Kuttersegelns. Dann war es viele Jahre ruhig, bis sich erneut eine Neubelebung fand, die aber auch wieder einschlief. Und jetzt also fanden sich drei neue ehrenamtliche Kümmerer zu einer Crew zusammen. Rainer Schulz und Jörn Möller sind bereits in Pension, Heiko Keßler steht noch im Berufsleben und ist als Koch an der Freien Schule beschäftigt und erhält als Crewmitglied eine Aufwandsentschädigung. 

Die stabile "Onkel Ernst" ist 8,5 Meter lang und 2,5 Meter breit. Die Zwei-Mast-Luggerigg ist ein echter Klassiker, gebaut 1962 in Bremen und nach dem Bootsbauer und Mäzen Ernst Burmester benannt. Er zählt zur Gattung der Jugendwanderkutter, die vor allem Jugendgruppen dienten, und nahezu baugleich waren mit den Rettungsbooten der kaiserlichen Marine um 1900.

Die Zeichen stehen gut, dass der Kutter wieder zu einem Oberndorfer Jugendkutter wird, denn die dreiköpfige ehrenamtliche Crew bietet neuerdings auch regelmäßig Schülerinnen und Schülern der Freien Schule die Gelegenheit, segeln zu lernen.

Und das Projekt "Kutter bei die Fische" läuft ebenfalls weiter. "Es wird sehr gut angenommen, wir sind bisher immer so gut wie ausgebucht gewesen. Es empfiehlt sich eine rechtzeitige Anmeldung", sagt Jörn Möller. Bis zum 27. September nimmt der Segelkutter Passagiere jeden Alters mit auf Fahrt. Jeden Freitag um 15.30 Uhr legt die Crew mit bis zu zehn Passagieren vom Oberndorfer Anleger ab. In Begleitung einer Betreuungsperson dürfen Kinder ab drei Jahren dabei sein. Alle Kinder, die schwimmen können, dürfen mitsegeln.

Eine Anmeldung ist notwendig - spätestens bis zum jeweiligen Vorabend des Törns (Donnerstag 18 Uhr) unter kutter@provinzwerkstatt.de. Telefonische Anmeldungen werden unter 0170-2009446 entgegengenommen.

 Das Projekt "Kutter bei die Fische - Alle an Bord!" startete der Verein Provinzwerkstatt, der seit 2022 mit verschiedenen Angeboten in der Region tätig ist. "Kutter bei die Fische - Alle an Bord!" wird gefördert vom Thünen-Institut für Regionalentwicklung e.V. im Rahmen des Projekts "Transformationsgestalter*innen - Wissens- und Kompetenztransfer aus dem Labor Ost".

 

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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