Tante Enso und Dorfladen Osterbruch: Welche Modelle auf dem Land funktionieren können
Wie lassen sich Dorfläden auf dem Land dauerhaft sichern? Darüber sprachen die Grünen in Osterbruch mit Niedersachsens Landwirtschaftsministerin Miriam Staudte. Themen waren Förderung, Genossenschaften, Bürokratie - und der Zusammenhalt im Dorf.
Ein Dorfladen verkauft Lebensmittel. Aber eben nicht nur. Osterbruchs Bürgermeister Peter von Spreckelsen brachte es bei einer Informations- und Diskussionsveranstaltung der Grünen am Mittwoch (26. August) auf eine zugespitzte Formel: "Wir verkaufen in erster Linie Emotionen." Aus dem Lebensmittelladen werde damit ein "Lebensmitte-Laden".
Wie solche Läden dauerhaft erhalten und "krisenfest" gemacht werden können, darüber diskutierten rund 30 Besucherinnen und Besucher im Dorfgemeinschaftshaus Osterbruch. Zu Gast war Niedersachsens Ministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Miriam Staudte (Bündnis 90/Die Grünen). Mit dabei war außerdem Norbert Hegmann, Geschäftsführer von "Tante Enso". Das Unternehmen betreibt inzwischen 94 Märkte in Deutschland.
Ministerin lernte zwei Modelle der Nahversorgung kennen
Vor der Diskussion hatte Staudte zwei Modelle der Nahversorgung kennengelernt: den "Tante-Enso"-Markt in Ihlienworth und den genossenschaftlich geführten Dorfladen in Osterbruch. Für die Ministerin steht fest, dass solche Strukturen nicht allein dem Markt überlassen werden können. Bestehende Angebote müssten erhalten werden - wenn nötig auch mit öffentlichen Mitteln. "Alle reden von regionaler Versorgung, aber am Ende muss sie auch konkret vor Ort gewährleistet werden", sagte Staudte. Unterstützungsmöglichkeiten gebe es bereits. Die Ministerin verwies unter anderem auf Förderprogramme, die über die Ämter für regionale Landesentwicklung abgewickelt werden. In der laufenden Förderperiode seien in Niedersachsen bereits 18 Dorfläden unterstützt worden. "Das ist etwas, das wir fortsetzen wollen."
Einfach ist das Geschäft auf dem Land dennoch nicht. Kleine Läden sind häufig auf großes bürgerschaftliches Engagement angewiesen, während große Discounter am Ortsrand mit modernen Märkten locken. "Alles glänzt und blinkt. Man hat das Gefühl, man geht in einen Designerladen", beschrieb Staudte die Konkurrenz. Hinzu kommt die Nachfolgefrage: Wenn Betreiber aufhören wollen, findet sich häufig niemand, der bereit ist, den Laden zu übernehmen.

Umso wichtiger seien neue Modelle. Staudte zeigte sich angetan vom genossenschaftlichen Ansatz in Osterbruch und bei "Tante Enso". Solche Konzepte zeigten, dass Bürgerinnen und Bürger selbst Einfluss auf die Versorgung ihres Ortes nehmen könnten. Auch Hegmann betonte: "Wir brauchen immer die Gemeinschaft."
Dass es um mehr als eine Einkaufsmöglichkeit geht, zog sich wie ein roter Faden durch die Diskussion. Dorfläden sind Treffpunkte und Orte für soziale Kontakte. Staudte formulierte es so: "Wir brauchen sie für unsere Seele." Auch Verkaufsleiterin Viktoria Steffens betonte die Bedeutung der Gemeinschaft. Trotz einiger Stolpersteine sei man im Osterbrucher Dorfladen weiterhin mit gutem Willen dabei.
Bürgermeister Peter von Spreckelsen machte zugleich deutlich, dass persönliches Engagement allein nicht ausreiche. Ohne Unterstützung der Kommune habe der Dorfladen keine Zukunft. "Wenn der Gemeinderat nicht hinter dem Dorfladen stehen würde, wäre der Laden tot", sagte er. "Es braucht den institutionellen Rahmen."
Wie dieser künftig aussehen kann, war deshalb ein weiteres Thema des Abends. Staudte stellte Fördermöglichkeiten von der Dorfentwicklung bis zum europäischen LEADER-Programm vor.
Bei den europäischen Fördermitteln sieht die Ministerin allerdings Schwierigkeiten auf die ländlichen Räume zukommen. Nach derzeitigen Planungen könnten die Mittel in der kommenden EU-Förderperiode deutlich sinken. Förderquoten von bislang bis zu 80 Prozent könnten auf maximal 40 Prozent zurückgehen. Staudte rechnet damit, dass für die ländliche Entwicklung in Niedersachsen dadurch rund 70 Millionen Euro fehlen könnten. Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule bat sie, sich für eine verlässliche Förderung der ländlichen Räume einzusetzen.
Doch Geld allein löst nach Ansicht der Diskutierenden nicht alle Probleme. Kritik gab es unter anderem an gesetzlichen Vorgaben. Kleine, häufig bürgerschaftlich oder ehrenamtlich getragene Dorfläden müssten vielfach dieselben bürokratischen Anforderungen erfüllen wie große, international tätige Handelsketten.
Staudte sieht zudem die Verbraucher in der Verantwortung. Das Bewusstsein für regionale Produkte müsse früh gestärkt werden. Noch immer werde beim Einkauf zu wenig darauf geachtet, wo Lebensmittel herkommen. Verbraucherbildung, auch in Schulen und Kindertagesstätten, könne dazu beitragen, das zu ändern.
Am Ende wurde in Osterbruch deutlich: Für einen krisenfesten Dorfladen braucht es mehr als ein funktionierendes Geschäftsmodell. Es braucht Fördermöglichkeiten, politische Rückendeckung, weniger Hürden - und vor allem Menschen, die den Laden als ihren eigenen begreifen und ihn nutzen.
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