Osterbrucherin bei nördlichster Rallye dabei: "Freue mich auf das Unerwartete"
Vivien Schuldt lebt den Traum einer Abenteurerin: Mit ihrem VW-Bus startet die 27-jährige Osterbrucherin zur 15. Baltic Sea Circle Rallye. Ohne GPS, auf Nebenstraßen durch Skandinavien und das Baltikum, sammelt sie unvergessliche Erlebnisse.
Heute hier, morgen dort - das ist für Vivien Schuldt in den nächsten zwei Wochen Alltag ebenso wie das Sammeln unvergesslicher Erlebnisse. Die gebürtige Osterbrucherin wagt ein besonderes Abenteuer. "Wartet nicht auf eure Träume, fahrt einfach los" - getreu diesem Motto nimmt sie an der 15. Baltic Sea Circle teil und hat für diesen außergewöhnlichen Roadtrip einen der begehrten Startplätze ergattert.
Diese nördlichste Abenteuer-Rallye führt sie ab Sonnabend, 13. Juni 2026, mit ihrem 23 Jahre alten silbergrauen VW-Bus 7500 Kilometer um die Ostsee bis zum Nordkap, dem nördlichsten Zipfel des Kontinents. Buckelpisten, einsame Strände, Fjorde, einsame Landschaften - ein reicher Erfahrungsschatz dürfte garantiert sein.
"Will mich einfach überraschen lassen"
"Ich freue mich besonders auf das Unerwartete und will mich einfach überraschen lassen", ist Vivi gespannt und neugierig auf bevorstehende Erlebnisse. "Das Besondere wird bestimmt die Mittsommernacht werden. Ich freue mich schon darauf, dann in meinem Dachzelt zu liegen und 360 Grad Umsicht zu haben."
Auf den letzten Metern wurde es dann doch noch holprig und es kam zu einem Schreckmoment, als die kaputte Kupplung ihres T4 ersetzt werden musste. Aber rechtzeitig zwei Tage vor dem Start wurde es noch geschafft. Und zu Hause in Lamstedt-Nindorf mussten dann noch im strömenden Regen die Aufkleber auf den Bus geklebt und Proviant und Klamotten im Fahrzeug gepackt werden.
Das Alleinreisen, zunächst mit einem VW-Golf und jetzt mit dem Bus, fasziniert die junge Frau. Angst hat sie keine und neue Leute lerne man unterwegs immer kennen. Von ihrem Beruf hat Vivi eine Auszeit genommen und lebt von Ersparnissen. Nach ihrem erweiterten Realschulabschluss am Gymnasium Ottendorf hatte sie eine Lehre beim Landgestüt Celle in Adelheidsdorf absolviert und als Pferdewirtin gearbeitet. Aber nun ist erst einmal Abenteuer angesagt. Seit Februar lebt sie in ihrem Bus.

Start und Ziel ist Hamburg
Start und Ziel ist Hamburg. 126 Teams sind zur Rallye gemeldet. In den nächsten 16 Tagen geht es etappenweise durch Skandinavien bis hoch zum Polarkreis und anschließend über das Baltikum und Polen zurück nach Deutschland. Besonderheit ist, dass dabei kein Navi und kein GPS benutzt werden darf, sondern die Teilnehmer-Teams sich per Karten orientieren müssen. Es geht nicht um Geschwindigkeit. Verboten ist zudem die Benutzung von Autobahnen, und auch für die Buchungen von Fähren sind die Fahrer eigenverantwortlich. Das Roadbook mit gestellten Aufgaben für unterwegs, Abenteuervorschlägen, Etappenvorschlägen oder Hinweisen zu den Etappentreffpunkten und Veranstaltungen erhalten die Teilnehmer erst zum Start.
Angst zum Beispiel vor einer Panne hat die selbstbewusste junge Frau nicht: "Es sind genügend Leute dabei, die schrauben können, und es ist ein Rallye-Kodex, dass geholfen wird, wenn jemand auf der Straße liegen geblieben ist." Ein Handy für Notfälle hat Vivi dabei. Es ist außerdem ihr Signal in die Welt. Schließlich wird sie von unterwegs ihre mehr als 5000 Instagram-Follower ("eine wirklich tolle Community") aktuell mit Infos und Fotos versorgen. Wer ihr dort folgen möchte, findet sie dort unter _golf_2_go_. Der Veranstalter hat außerdem einen Livetracker initiiert.
Ihre verstorbenen Großeltern trägt Vivi bei ihrem Roadtrip nicht nur im Herzen, sondern hat Erinnerungsstücke bei sich wie die kleinen aufs Armaturenbrett geklebten Modellboote, die ihr Opa selbst gebaut hatte, sowie hinten im Bus Möbelstücke ihrer Oma. Und im persönlichen Mindset-Gepäck ist zudem die zuversichtliche Unterstützung durch ihre in Lamstedt-Nindorf lebende Mama.

Zur Grundidee hinter den Rallyes gehört zudem, etwas an die Gesellschaft zurückzugeben. Daher werden die Teams gebeten, Spendengelder für wohltätige Zwecke zu sammeln. Tierfreundin Vivi hat sich für ein Tierschutzprojekt entschieden: Die "Balkanschnauzen" engagieren sich für Straßenhunde in Nordmazedonien.
Über persönliche Unterstützung und Sponsoring ist die fröhliche junge Frau überaus glücklich, denn solch eine Rallye geht ganz schön ins Geld. Neben den Teilnahmegebühren kommen noch Kosten für Sprit, Mautstraßen, Fähren und Proviant hinzu. Vivi rechnet damit, dass ihr Abenteuer alles in allem 6000 bis 7000 Euro kosten wird, die aber sicherlich durch unbezahlbare Erinnerungen aufgewogen werden.
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