Baugebiet in Otterndorf: Initiative fordert Stopp vor dem Ratswechsel
Der Streit um das Otterndorfer Baugebiet "Am Kochenbütteler Siel" gewinnt kurz vor dem Ratswechsel an Schärfe. Eine Initiative verlangt, den Aufstellungsbeschluss zu verschieben und vorher offene Fragen zu Klima, Planung und Denkmalschutz zu klären.
Der Streit um das geplante Baugebiet "Am Kochenbütteler Siel" spitzt sich zu. Kurz vor dem Ende der laufenden Ratsperiode berät der Bau- und Umweltausschuss am Montag, 26. Oktober, über den Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 104. Zwei Tage später soll der Verwaltungsausschuss die Aufstellung beschließen.
Dagegen wendet sich die Interessengemeinschaft "Nachhaltiges und klimabewusstes Otterndorf" jetzt mit einem offenen Brief an Stadtdirektor Frank Thielebeule, Bürgermeister Claus Johannßen (SPD) und die Mitglieder des Otterndorfer Stadtrates. Ihre zentrale Forderung: Der Aufstellungsbeschluss soll zurückgestellt und zunächst eine ergebnisoffene Machbarkeitsprüfung vorgenommen werden.
"Es ist für uns nicht nachvollziehbar, warum eine so weitreichende Entscheidung jetzt noch mit diesem Tempo getroffen werden soll", sagt Sprecher Thomas Kohfeldt. Die Initiative kritisiert vor allem, dass die Entscheidung nur wenige Tage vor der konstituierenden Sitzung des neu gewählten Stadtrates am Mittwoch, 4. November, fallen soll.
Bereits im Sommer Widerstand gegen das Vorhaben
Bereits im Sommer hatte es Widerstand gegen das Vorhaben gegeben. Damals war die Beratung zunächst vertagt worden. Stadtdirektor Thielebeule hatte gegenüber unserer Redaktion erklärt, offene Fragen sollten zunächst geprüft und ein Gespräch mit Vertretern der Interessengemeinschaft und der Politik geführt werden. Nach Darstellung der Initiative sei darüber hinaus signalisiert worden, das Thema erst Anfang 2027 wieder politisch zu behandeln. Umso größer ist nun das Unverständnis über die kurzfristige Wiederaufnahme.
Die Interessengemeinschaft nennt in ihrem offenen Brief vier zentrale Kritikpunkte. Einer davon betrifft das Entwicklungskonzept "Otterndorf Nordost". Nach ihrer Darstellung ist die betroffene Fläche dort als Grünzug und Ausgleichsfläche ausgewiesen worden. Dieses Konzept sei über Jahre hinweg Grundlage der städtebaulichen Entwicklung gewesen und auch bei der Vermarktung angrenzender Grundstücke herangezogen worden.
"Für uns geht es dabei auch um Verlässlichkeit", sagt Kohfeldt. Es stelle sich die Frage, welchen Wert langfristige Planungen hätten, "wenn eine Fläche, die über Jahre als Grünzug dargestellt worden ist, plötzlich zur Disposition steht".
Ein weiterer Kritikpunkt betrifft das Integrierte Klimaschutzkonzept der Samtgemeinde Land Hadeln. Die Initiative bemängelt, dass sich die aktuelle Sitzungsvorlage aus ihrer Sicht nicht ausreichend mit den darin formulierten Zielen für klimaangepasste Flächennutzung und Bebauungsplanung auseinandersetzt.
Die Verwaltung verweist in ihrer Sitzungsvorlage ihrerseits auf Praxishinweise des niedersächsischen Umweltministeriums sowie auf Vorgaben zu energieeffizientem Bauen und erneuerbaren Energien. Konkretere Regelungen sollen im weiteren Verfahren folgen. Für Kohfeldt greift das zu kurz: "Diese grundsätzlichen Fragen gehören aus unserer Sicht an den Anfang und nicht ans Ende der Prüfung."
Auch mögliche Bodendenkmäler spielen im offenen Brief eine Rolle. Die Interessengemeinschaft verweist auf einen historischen Deich, eine Wurt und ein Wehl im Plangebiet und fordert eine frühzeitige Prüfung der Denkmalschutzbelange.
Zudem kritisiert sie den bisherigen Informationsfluss. Seit Juni habe sie mehrfach um Einsicht in Planungsunterlagen gebeten. Nach ihrer Darstellung seien wesentliche Unterlagen bislang nicht vollständig zur Verfügung gestellt worden.
Die Stadt plant auf der rund 6,8 Hektar großen Fläche östlich des Hoffmann-von-Fallersleben-Wegs 41 Baugrundstücke mit Größen zwischen 530 und 1245 Quadratmetern. Im nördlichen Bereich sind außerdem eine Kompensationsfläche und ein Regenrückhaltebecken vorgesehen.
Mit dem Aufstellungsbeschluss würde das formelle Bebauungsplanverfahren eingeleitet. Genau darin liegt einer der Kernpunkte des Konflikts: Während Befürworter des Projektes darauf verweisen, dass Einwände im weiteren Verfahren geprüft werden können, sieht die Interessengemeinschaft bereits im Aufstellungsbeschluss eine politische Weichenstellung.
Am Ende ihres offenen Briefes fordert sie deshalb, den Tagesordnungspunkt abzusetzen oder in die neue Wahlperiode zu vertagen. Das Verfahren solle ruhen, bis zentrale Fragen zu Entwicklungskonzept, Klimaschutz und Denkmalschutz geklärt seien.
Der Bau- und Umweltausschuss tagt am Montag, 26. Oktober, ab 19 Uhr in den Seelandhallen Achtern Diek. Der Bebauungsplan Nr. 104 steht als Punkt 8 auf der Tagesordnung. Zwei Tage später soll der nicht öffentlich tagende Verwaltungsausschuss über den Aufstellungsbeschluss entscheiden.
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