Otterndorf plant 41 Bauplätze: Anwohner fürchten Verlust wichtiger Grünfläche
Mit 41 Baugrundstücken will die Stadt Otterndorf ihre Wohnbauentwicklung vorantreiben. Doch Anwohner laufen Sturm gegen die Pläne. Sie sehen eine wichtige Grünfläche und Frischluftschneise bedroht und fordern Antworten von Politik und Verwaltung.
Um dem Bedarf an Wohnraum gerecht zu werden, soll Otterndorf weiter wachsen. Geplant ist auf einer rund 6,8 Hektar großen Grünfläche östlich der bestehenden Bebauung am Hoffmann-von-Fallersleben-Weg ein neues Wohngebiet mit etwa 41 Baugrundstücken. Das Areal befindet sich im Eigentum der Hadelner Baugesellschaft, einer hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Stadt. Die Grundstücke sollen Größen zwischen 530 und 1245 Quadratmetern aufweisen. Darüber hinaus sind eine Kompensationsfläche sowie ein Regenrückhaltebecken vorgesehen.
Bereits vor der Beratung in den städtischen Gremien formiert sich gegen die Pläne erheblicher Widerstand. Anwohner des Hoffmann-von-Fallersleben-Wegs haben die Interessengemeinschaft "Nachhaltige und klimabewusste Stadtentwicklung Otterndorf" gegründet. Zu den Sprechern gehören Axel Ahlf und Sascha-Oliver Zundel.
Die Interessengemeinschaft wirft der Stadt vor, mit der geplanten Bebauung von einem grundlegenden städtebaulichen Leitbild abzuweichen. Nach Darstellung der Anwohner sah das Entwicklungskonzept "Otterndorf Nordost" aus dem Jahr 2004 ausdrücklich einen zusammenhängenden Grün- und Freiraumkorridor zwischen den Baugebieten vor. Dieser sollte unter anderem der Frischluftversorgung, der klimatischen Entlastung und der landschaftlichen Einbindung der Neubaugebiete dienen.

"Die Stadt Otterndorf war hier mit dem Entwicklungskonzept ,Otterndorf Nordost‘ in Fragen der klimagerechten Stadtentwicklung und des Hitzeschutzes bereits 2004 Vordenker", sagt Sprecher Sascha-Oliver Zundel. "Wenn dieser Grünzug nun bebaut wird, geht eine wichtige Frischluftschneise verloren."
Auch Axel Ahlf sieht die Entwicklung kritisch. "Aus unserer Sicht handelt es sich nicht um irgendeine Restfläche. Dieser Bereich erfüllt wichtige Funktionen für das Stadtklima, für die Naherholung und als Übergang zur freien Landschaft. Eine Bebauung würde diese Qualitäten dauerhaft zerstören", erklärt er.
In ihrem Fragenkatalog an Verwaltung und Politik stellt die Interessengemeinschaft unter anderem die Frage, weshalb von dem bisherigen Entwicklungskonzept abgewichen werden soll. Außerdem verlangen die Anwohner Auskünfte zu einem möglichen Wärmeschutzkonzept, zur Einbindung des Klimaschutzmanagements, zu alternativen Wohnbauflächen und zum tatsächlichen Wohnraumbedarf in den kommenden Jahren.
Mögliche Auswirkungen auf das Mikroklima
Besonders kritisch bewerten die Gegner des Baugebiets die möglichen Auswirkungen auf das Mikroklima. Nach ihrer Auffassung erfüllt die Fläche aufgrund der Küstenlage Otterndorfs eine wichtige Funktion für den Luftaustausch zwischen freier Landschaft und Siedlungsgebieten. Eine Bebauung könne die Durchlüftung beeinträchtigen und die Entstehung von Hitzeinseln begünstigen. Monika Ahlf ergänzt: "Wir sind nicht grundsätzlich gegen Wohnbebauung in Otterndorf. Aber sie sollte nachhaltig und klimafreundlich sein."
Neben den klimatischen Argumenten wird auch die politische Dimension thematisiert. Ein Anwohner, der namentlich nicht genannt werden möchte, spricht von einem Vertrauensverlust gegenüber der Kommunalpolitik. "Viele Grundstücke wurden damals unter Bezug auf das Entwicklungskonzept vermarktet. Wer dort gekauft hat, durfte davon ausgehen, dass die vorgesehenen Grünflächen dauerhaft erhalten bleiben. Wenn diese Flächen nun als Bauland genutzt werden, stellt sich die Frage nach der politischen Glaubwürdigkeit", sagt der Anwohner.
Ursprünglich sollte der Bebauungsplan "Am Kochenbütteler Siel" am Donnerstag, 11. Juni, im Bau- und Umweltausschuss beraten werden. Doch der Tagesordnungspunkt wurde kurzfristig abgesetzt, wie unsere Redaktion am Freitag erfahren hat. Stadtdirektor Frank Thielebeule begründet die Absetzung mit weiteren Anregungen und Überlegungen, die sowohl der Verwaltung als auch den politischen Gremien zugegangen seien. Diese Hinweise sollten vor einer weiteren Behandlung in den Ausschüssen geprüft und bewertet werden, so Thielebeule.
Sönke Westphal, Geschäftsführer der gemeinnützigen Hadelner Baugesellschaft, äußerte sich zu den Bauplänen nicht inhaltlich. Auf Anfrage unserer Redaktion verwies er darauf, dass die Gremien der Gesellschaft nicht öffentlich tagen und beraten. Daher könne er die gestellten Fragen nicht beantworten.
Die Interessengemeinschaft kündigt an, die weitere Entwicklung aufmerksam zu begleiten. Ziel sei es, den Grünbereich als wichtigen Bestandteil einer klimaangepassten Stadtentwicklung zu erhalten. Wann die Planungen erneut auf die Tagesordnung eines politischen Gremiums gesetzt werden, ist derzeit noch offen.
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