Geplantes Baugebiet "Am Kochenbütteler Siel" in Otterndorf sorgt weiter für Ärger
Die Pläne für 41 Baugrundstücke am Hoffmann-von-Fallersleben-Weg in Otterndorf stoßen weiter auf Kritik. Eine neu gegründete Interessengemeinschaft sieht zentrale Fragen ungeklärt. Stadtdirektor Frank Thielebeule kündigt Gespräche mit Anwohnern an.
Der Streit um das geplante Baugebiet "Am Kochenbütteler Siel" geht weiter. Seit die Pläne für rund 40 Baugrundstücke auf einer 6,8 Hektar großen Grünfläche östlich des Hoffmann-von-Fallersleben-Wegs bekannt geworden sind, formiert sich Widerstand. Mittlerweile haben sich Anwohner und weitere Otterndorfer in der Interessengemeinschaft "Nachhaltige und klimabewusste Stadtentwicklung Otterndorf" zusammengeschlossen.
Deren Sprecher machen deutlich: Aus ihrer Sicht sind entscheidende Fragen bis heute nicht beantwortet - obwohl Politik und Verwaltung entsprechende Auskünfte angekündigt hätten. Vor allem wollen die Anwohner wissen, warum die Stadt vom bisherigen "Entwicklungskonzept Otterndorf Nordost" abweichen will.
Das Konzept aus dem Jahr 2004 sah nach Darstellung der Interessengemeinschaft zwischen den Baugebieten einen zusammenhängenden Grün- und Freiraumkorridor vor. Er sollte unter anderem der Frischluftversorgung, der klimatischen Entlastung und der landschaftlichen Einbindung dienen. Auf einem Teil dieses Grünzugs soll nun das neue Baugebiet entstehen.
Für die Interessengemeinschaft wiegt besonders schwer, dass die Fläche den damaligen Grundstückskäufern nach ihrer Darstellung ausdrücklich als Grünzug präsentiert worden sei. Sie sieht deshalb nicht nur ökologische Fragen berührt, sondern auch die Verlässlichkeit früherer Planungen.
Kritik am Umgang mit den Anwohnern
Zusätzlichen Unmut hat bei der Interessengemeinschaft die jüngste Sitzung des Bauausschusses der Samtgemeinde Land Hadeln ausgelöst. Vertreter der Initiative nahmen als Zuschauer teil und stellten Fragen. Nach ihrer Darstellung wurden sie dabei von einem Ratsmitglied rüde abgekanzelt. "Wenn gewählte Mandatsträger die Bürger so abkanzeln, sie einzuschüchtern versuchen und ihre Rechte nicht akzeptieren, dann zeugt das von einem zutiefst fragwürdigen Verständnis des kommunalen Ehrenamtes", kritisiert die Interessengemeinschaft.
Auch mit Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule gehen die Sprecher ins Gericht. Von ihm hätten sie bislang ebenfalls keine Antworten erhalten. Axel Ahlf, einer der Sprecher der Interessengemeinschaft, zeigt sich "sehr irritiert über den Wortbruch des Samtgemeindebürgermeisters, der mit Verlässlichkeit wirbt".
Thielebeule, der zugleich Stadtdirektor von Otterndorf ist, erklärt auf Anfrage unserer Redaktion, dass sich die politischen Gremien der Stadt während der Sommermonate nicht mit dem geplanten Baugebiet befasst hätten. Auch sei das Thema derzeit für keine Sitzung vorgesehen.
Bevor das Vorhaben erneut politisch beraten werde, soll es zunächst ein Gespräch geben. "Mir ist es wichtig, vor einer weiteren Behandlung in den Gremien zunächst noch einmal in interfraktioneller Runde mit den Vertretern der Interessengemeinschaft und politischen Vertretern zum Austausch zusammenzukommen", teilt Thielebeule mit. Ein solches Treffen habe man bewusst nicht in die Sommerferien legen wollen. Wann das Gespräch stattfinden und wann der Bebauungsplan anschließend wieder auf einer politischen Tagesordnung stehen könnte, bleibt offen.
Die Interessengemeinschaft will in dem angekündigten Austausch auch die grundsätzliche Klimaschutzpolitik der Samtgemeinde thematisieren. Sie fragt, wie die geplante Bebauung mit dem erst vor Kurzem beschlossenen Integrierten Klimaschutzkonzept der Samtgemeinde Land Hadeln zusammenpasst.

Aus Sicht der Initiative enthält dieses Klimaschutzkonzept zahlreiche Punkte, die bereits im Entwicklungskonzept "Otterndorf Nordost" durch den vorgesehenen Erhalt des Grünzugs berücksichtigt worden seien. Dazu zählt sie unter anderem den Umgang mit Überflutungsrisiken, die Einbindung von Grünflächen zur Biotopvernetzung und Durchlüftung sowie die zunehmende Hitzebelastung infolge des Klimawandels.
Schon im Juni hatten die Anwohner vor möglichen Folgen einer Bebauung für das Mikroklima gewarnt. Wegen der Küstenlage komme der unbebauten Fläche aus ihrer Sicht eine wichtige Funktion für den Luftaustausch zwischen freier Landschaft und Siedlungsgebieten zu. Die Interessengemeinschaft betont zugleich, nicht grundsätzlich gegen weitere Wohnbebauung in Otterndorf zu sein. Sie fordert jedoch, alternative Flächen zu prüfen und den tatsächlichen Bedarf an zusätzlichen Baugrundstücken darzulegen.
Zu diesen und weiteren inhaltlichen Fragen hat Thielebeule in seiner aktuellen Stellungnahme keine Position bezogen. Unsere Redaktion hatte unter anderem danach gefragt, warum gerade diese Fläche für die Wohnbauentwicklung vorgesehen ist, ob Alternativstandorte geprüft wurden und wie sich das Vorhaben mit dem Entwicklungskonzept "Otterndorf Nordost" vereinbaren lässt.
Der Konflikt um das Baugebiet dürfte die Otterndorfer Politik damit auch nach der Kommunalwahl weiter beschäftigen.
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