Erinnerungstafel in Otterndorf: Aus der Geschichte für die Zukunft lernen
In Otterndorf wurde eine neue Erinnerungstafel enthüllt, die zwölf historische Orte vereint. Sie mahnt an das Leid der Vergangenheit und soll besonders die junge Generation zum Nachdenken und Handeln für eine friedliche Zukunft inspirieren.
"Wir dürfen die Toten nicht vergessen." Das betonte Jan Effinger vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Freitag (4. September 2026) bei der Präsentation der Tafel für Geschichts- und Erinnerungsorte in Otterndorf.
Bereits seit 2014 bestand der Wunsch, die einzelnen Stellen des Erinnerns in Otterndorf auf einer Übersichtstafel zusammenzufassen, sagt Irmgard Kröncke. Sie begrüßte als Mitglied des Kirchenvorstandes St. Severi und Vorsitzende des Friedhof-Ausschusses die Anwesenden. Die Präsentation fand aufgrund des Regens in der Friedhofskapelle statt.
Zwölf Orte auf der Tafel vermerkt
Die Erinnerungstafel ist in einer gemeinsamen Arbeit der Stadt Otterndorf, der Kirche St. Severi sowie des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge entstanden. Wichtige Fakten sollen auch zukünftig nicht verloren gehen: "Zeitzeugen gibt es irgendwann nicht mehr", betonte Kröncke. Bei der inhaltlichen Gestaltung waren unter anderem der Verein "Zukunft durch Erinnern" und eine Klasse der Johann-Heinrich-Voss-Schule aus Otterndorf beteiligt. Zur Präsentation der Tafel waren daher auch Schüler und Lehrer der Schule gekommen.

Erinnern und Gedenken sei Arbeit für den Frieden, sagte Kröncke. Zwölf Orte sind auf der neuen Tafel verzeichnet, die vor dem Friedhofsgelände an der Wesermünderstraße steht. Es sind unter anderem Gräber von Zwangsarbeiterinnen aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg, ein Gedenkstein für alle Kinder, die durch Krieg und Gewalt ihr Leben verloren haben, das Gefallenendenkmal für die Opfer des Deutsch-Französischen Krieges und auch die Skulptur "Die weinende Mutter Deutschland".
Erinnerung an 14 Kinder
"In den heutigen Zeiten wird Erinnerungskultur immer wichtiger", sagte auch Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen. Gerade junge Menschen seien dazu aufgerufen, sich mit Erinnerungskultur auseinanderzusetzen und Schlüsse daraus zu ziehen, so Johannßen.
Ein Ort auf der Tafel sind Stelen, die für 14 Kinder von polnischen und russischen Zwangsarbeiterinnen aus dem Zweiten Weltkrieg stehen. "Die Höhe der Stele zeigt das Alter der Kinder", berichtete Kröncke. Die Zwangsarbeiterinnen mussten ihre Säuglinge in Obhut geben, um weiterzuarbeiten. Die Kinder starben durch Verwahrlosung und Unterernährung - im Alter von einem Tag bis zu siebeneinhalb Monaten.

Die aufgelisteten Orte verteilen sich über die Friedhöfe, die Kirche, aber auch durch die Stadt, beispielsweise am Jahnplatz. In Otterndorf gibt es noch weitere Orte, die an die Vergangenheit erinnern. Diese sind aber nicht jederzeit öffentlich zugänglich und daher nicht auf der Tafel vermerkt, so die Vorsitzende des Friedhof-Ausschusses.
"Aus der Geschichte für die Zukunft lernen"
1945 habe es eine Zeitenwende gegeben, berichtete Jan Effinger. "Aus der Unzahl an Toten ist die Einsicht erwachsen, dass Grabstätten auch Mahnstätten werden. Mahnstätten zum Frieden." Auch heute noch dürften weder die Verstorbenen noch ihr Leid vergessen werden. Das Motto sei: "Wir müssen aus der Geschichte für die Zukunft lernen", hob Effinger hervor.
Die Tafel soll dabei helfen, sich mit der Geschichte von Otterndorf und des Umkreises auseinanderzusetzen und festzustellen: "Wir leben in Frieden und wollen alles dafür tun, dass es so bleibt", hob Kröncke hervor.
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