CN/NEZ-Praktikant Max Martin Rahn überwindet seine Höhenangst im Kletterpark Otterndorf: Zwischen Baumwipfeln und Nervenkitzel auf wackeligen Seilen. Foto: Mangels
CN/NEZ-Praktikant Max Martin Rahn überwindet seine Höhenangst im Kletterpark Otterndorf: Zwischen Baumwipfeln und Nervenkitzel auf wackeligen Seilen. Foto: Mangels
Der große Test

Selbstversuch im Kletterpark am Otterndorfer See: Höhenangst trifft Hochseilgarten

von Christian Mangels | 17.07.2026

Zwischen Baumwipfeln und Seeufer stellt sich CN/NEZ-Praktikant Max Martin Rahn einer echten Herausforderung: dem neuen Kletterpark in Otterndorf. Zehn Meter über dem Boden kämpft er gegen seine Höhenangst - der ultimative Test.

Das Geständnis kommt gleich zu Beginn: "Ich habe ein wenig Höhenangst", sagt Max Martin Rahn und blickt hinauf zu den Plattformen zwischen den Baumwipfeln. Noch steht der 39-Jährige mit beiden Füßen sicher auf dem Boden. Doch für einen Rückzug ist es jetzt zu spät.

Seit etwa einem Monat gibt es am Otterndorfer See einen neuen Kletterpark. Hoch über dem Boden können Besucher über Drahtseile und schwankende Balken balancieren, wackelige Strickleitern überwinden oder an rasanten Seilbahnen von einer Plattform zur nächsten sausen. CN/NEZ-Praktikant Max Martin Rahn hat sich für einen Selbsttest in die Baumwipfel gewagt.

Ohne Einweisung darf sich niemand in die Höhe wagen. Trainer Niklas (rechts) erklärt die sicherheitsrelevanten Handgriffe. Foto: Mangels

Es ist ein sonniger Sommertag. Rund um den See herrscht reger Betrieb. Familien haben sich auf den Wiesen niedergelassen, Kinder laufen über das Gelände, auf dem Wasser ziehen Tretboote und Kanus ihre Bahnen. Mittendrin ragen die Konstruktionen des Kletterparks in die Höhe.

Bis zu zehn Meter geht es hinauf

Fünf Parcours mit mehr als 40 unterschiedlichen Elementen stehen zur Auswahl. Bis zu zehn Meter geht es hinauf. Es gibt einfache Routen für Einsteiger, abwechslungsreiche Strecken für Fortgeschrittene und anspruchsvolle Hindernisse für erfahrene Kletterer. Egal ob groß oder klein, zum ersten Mal in einem Kletterpark oder schon geübt in luftiger Höhe: Hier soll jeder eine passende Herausforderung finden.

Rahn bringt zumindest ein wenig Klettererfahrung mit. In einem Trainingscamp der Bundeswehr in Baden-Württemberg ist er schon einmal geklettert. Das allerdings ist lange her. Inzwischen ist er 39 Jahre alt und bringt 95 Kilogramm auf die Waage. Ist er nervös? "Das wird sich zeigen, wenn ich oben bin", sagt er und lacht.

Bevor es losgeht, bekommt Rahn seine Ausrüstung. Das Klettergeschirr wird fest um Hüfte und Beine gezogen, dazu gibt es robuste Handschuhe. Sie sollen verhindern, dass sich die Kletterer beim Festhalten oder Bremsen an den Drahtseilen die Haut von den Fingern scheuern.

Ohne Einweisung darf sich niemand in die Höhe wagen. Trainer Niklas erklärt die sicherheitsrelevanten Handgriffe und macht jeden Schritt genau vor: Wie werden die Karabiner richtig eingerastet? Wo müssen die Sicherungsleinen befestigt werden? Und wie hält man den Arm bei einer Seilbahnfahrt, um die Geschwindigkeit zu verringern?

Zehn Meter über dem Boden kämpft Max Martin Rahn gegen zitternde Beine und wackelige Hindernisse. Aufgeben kommt für ihn trotzdem nicht infrage. Foto: Mangels

Auf dem Übungsparcours "Medem" geht es anschließend ans Praktische. Die Anlage liegt nur etwa ein Meter über dem Boden. Viel passieren kann hier noch nicht. Doch wer den Umgang mit der Ausrüstung nicht beherrscht, darf nicht weiter. Niklas beobachtet genau, gibt Hinweise und korrigiert, bis alle Handgriffe sitzen.

"Medem" ist der leichteste der fünf Parcours und für Kinder ab sechs Jahren geeignet. Der künstlich angelegte Kurs ist zum Ausprobieren, Üben und für erste Klettererlebnisse gedacht. Doch selbst hier zeigt sich schnell: Ganz ohne Kraft, Gleichgewicht und Konzentration geht es nicht.

Schon beim sogenannten Reifengang kommt Rahn ins Schwitzen. Vor ihm hängen mehrere Reifen in der Luft. Von außen wirken sie beinahe stabil. Doch kaum setzt er einen Fuß hinein, schwingt das Hindernis zur Seite. Rahn hält sich mit beiden Händen fest. Sein Blick bleibt konzentriert nach vorn gerichtet. Vorsichtig verlagert er sein Gewicht, zieht den zweiten Fuß nach und arbeitet sich Reifen für Reifen voran. Noch ein Schritt. Noch ein Reifen. Dann erreicht er die nächste Plattform. Erleichterung.

Es sind diese Momente, die den Reiz des Kletterparks ausmachen. Was vom Boden aus leicht aussieht, kostet oben plötzlich viel Überwindung. Dünne Balken werden zu schmalen Stegen, Seilnetze zu beinahe unüberwindbaren Geflechten. Beim Balancieren, Hangeln und Krabbeln fragt sich Rahn mehr als einmal, was er hier eigentlich treibt.

Die größte Herausforderung wartet an einer wackeligen Leiter. Die Sprossen sind kurz, die Konstruktion bewegt sich bei jeder Gewichtsverlagerung. Foto: Mangels

Zu den Hindernissen gehören unter anderem der Fendergang, der Reifengang, ein Leiteraufstieg, der Tirolersteig und der Balkengang. Mal müssen die Kletterer über schwankende Elemente steigen, mal an Seilen entlanghangeln. An anderer Stelle gilt es, sich mit Lianen aus Tauwerk von einer Plattform zur nächsten zu schwingen oder in ein überdimensionales Spinnennetz aus Seilen hineinzusteigen.

Der Körper arbeitet ununterbrochen. Kraftausdauer, Balancegefühl und Koordination sind gefragt. Gleichzeitig bleibt immer die Höhe im Kopf. Ein falscher Schritt ist wegen der Sicherung zwar ungefährlich - doch das weiß nicht unbedingt auch der Magen.

Die Leiter wird zur Mutprobe

Die größte Herausforderung wartet an einer wackeligen Leiter. Die Sprossen sind kurz, die Konstruktion bewegt sich bei jeder Gewichtsverlagerung. Rahn muss hinunterklettern. Er setzt einen Fuß an, zieht ihn wieder zurück. Ein zweiter Versuch. Wieder hält er inne. Die Atmung wird schwerer, die Beine beginnen zu zittern. Für einen Moment sieht es so aus, als würde er aufgeben. Doch dann greift er fester zu. Langsam tastet er sich Sprosse für Sprosse nach unten. Nicht zum Boden sehen. Weiteratmen. Nur noch ein Stück. Schließlich erreicht er die erlösende Plattform. Das Herz rast, die Arme sind angespannt. Gleichzeitig breitet sich ein berauschendes Gefühl aus. Die Angst ist noch da - aber Rahn hat sie für diesen Moment überwunden.

Vielleicht ist der Kletterpark gerade deshalb etwas für Menschen mit Höhenangst. Natürlich nur, wenn sie bereit sind, sich ihrer Angst zu stellen. Unter Anleitung der erfahrenen Betreuer können Besucher ihre persönlichen Grenzen erkunden und versuchen, ein Stück über sie hinauszugehen.

Ein Flug über den Otterndorfer See

Der Höhepunkt des Selbsttests ist der Parcours "Südsee". Die mittelschwere Route führt über den See und ist für Besucher ab neun Jahren freigegeben. Sie verspricht nicht nur Abenteuer, sondern auch einen besonderen Ausblick. Rahn hängt seine Sicherung ein, setzt sich in Position und stößt sich ab.

Der Fahrtwind ist kühl, unter ihm glitzert das Wasser. Für einige Sekunden scheint er über den See zu fliegen. Unterhalb der Seilbahn sind Tretbootfahrer und Kanusportler unterwegs. Die Plattform auf der anderen Seite kommt näher, während das Seil leise über die Rolle rauscht.

Ganz fehlerfrei bleibt die Fahrt allerdings nicht. Rahn berührt das Seil an der falschen Stelle und verletzt sich leicht am Finger. Halb so schlimm, entscheidet er. Die Handschuhe haben Schlimmeres verhindert, und das Erlebnis überwiegt deutlich.

Nach dem letzten Hindernis steht Rahn wieder mit beiden Füßen auf sicherem Boden. Die Anspannung fällt langsam ab. Die Hände und Arme haben gearbeitet, die Beine ebenso. Und die Höhenangst? Die war da. Vor allem auf den wackeligen Elementen und an der Leiter. Doch sie hat ihn nicht zum Aufgeben gebracht.

Mutiger Flug über den Otterndorfer See: Max Martin Rahn überwindet seine Höhenangst im neuen Kletterpark und genießt die Aussicht. Foto: Mangels

Sein Fazit fällt positiv aus: "Es macht echt Spaß und ist für Jung und Alt geeignet." Wer etwas älter sei, solle allerdings vielleicht nicht allzu viele Kilogramm auf die Waage bringen, fügt er mit Blick auf die körperliche Anstrengung hinzu. Rahn selbst liegt mit seinen 95 Kilogramm noch deutlich unter dem erlaubten Maximalgewicht von 120 Kilogramm.

Am besten gefallen hat ihm die Seilbahnfahrt über den See. Dort, wo aus der anfänglichen Nervosität für einen kurzen Moment echter Höhenrausch wurde.

Der Kletterpark im Überblick

Der Kletterpark am Otterndorfer See verfügt über fünf Parcours mit mehr als 40 Elementen. Die maximale Höhe beträgt zehn Meter. Zur Auswahl stehen die leichte Einsteigerroute "Medem", die mittelschweren Parcours "Elbe", "Ostsee" und "Südsee" sowie der herausfordernde Parcours "Nordsee".

Das Mindestalter beträgt sechs Jahre, die Mindestgröße 1,20 Meter. Besucher dürfen höchstens 120 Kilogramm wiegen. Kinder zwischen sechs und acht Jahren müssen von einem Erwachsenen begleitet werden, der aktiv mitklettert. Kinder ab neun Jahren dürfen die entsprechenden Parcours selbstständig nutzen, müssen aber vom Boden aus durch eine erwachsene Begleitperson beaufsichtigt werden.

Der Eintritt kostet für Erwachsene 27 Euro und für Kinder 24 Euro. Insgesamt stehen 40 Kletterausrüstungen zur Verfügung. Festes Schuhwerk und dem Wetter angepasste Kleidung sind erforderlich.

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