Letzte Vorbereitungen vor der Ausstellungseröffnung am morgigen Sonntag: Die Hamburger Künstlerin Ruth May legt noch einmal Hand an am großformatigen Pixel-Stoff. Foto: Mangels
Letzte Vorbereitungen vor der Ausstellungseröffnung am morgigen Sonntag: Die Hamburger Künstlerin Ruth May legt noch einmal Hand an am großformatigen Pixel-Stoff. Foto: Mangels
Ausstellung

Künstlerin Ruth May zeigt in Otterndorf faszinierende Pixel-Landschaften aus Stoff

von Christian Mangels | 27.10.2023

Das Suchen nach der vergessenen Brille ist hier überflüssig: Diese Bilder würden auch unter der Lupe nicht schärfer. Die Hamburger Künstlerin Ruth May präsentiert in der Otterndorfer Stadtscheune verpixelte Stofflandschaften im bunten Patchwork-Stil.

Ein bevorzugtes Medium? Das gibt es für Ruth May eigentlich nicht. "Ich sehe mich selbst immer als Zeichnerin, egal, in welchem Medium ich arbeite, auch bei den Stoffarbeiten", sagt die Künstlerin, die in Genf aufgewachsen ist und in Hamburg lebt und arbeitet.

Ihre raumgreifenden Patchwork-Arbeiten sind der Blickfang im Obergeschoss der Stadtscheuen-Galerie. Es sind groß aufgezogene Abbilder verpixelter Digitalfotografien, die sie in Namibia, aber auch am Otterndorfer Strand gemacht hat: Beige könnte für den Sand stehen, blau für den Himmel darüber, das Grün für moosbefleckte Steine. "Ich verarbeite bis zu vier verschiedene Schichten an Stoff, um den richtigen Farbton zu treffen", erklärt Ruth May bei einem Besuch in den Ausstellungsräumen, kurz vor der Eröffnung.

Zu einem schlüssigen, kohärenten Bild zusammensetzen lassen sich die Pixel-Bilder nur schwerlich, weil man sich weiter entfernen müsste, als es in der Otterndorfer Galerie möglich ist. Man steht also viel zu dicht vor den Stoffen und kann höchstens erahnen, was sie ergeben könnten. Aber genau dieser Schwebezustand ist gewollt.

Ruth May stellt unseren Blick in Frage

Ruth May stellt unseren gewohnten Blick auf Landschaften in Frage. Was für den Urlauber ein schönes Bildmotiv ist, das man sich mit nach Hause nimmt und an die Wand hängt, hat für die Menschen, die vor Ort leben, eine ganz andere Bedeutung. Menschlich gemachte Landschaftsveränderungen, etwa Flussbegradigungen oder Umweltkatastrophen, schwingen in ihren Arbeiten als kritische Dimension immer mit.

Neben den großformatigen Pixellandschaften aus Stoff zeigt die Hamburger Künstlerin Tuschemalereien, die sich ebenfalls mit dem menschlichen Blick auf die Natur auseinandersetzen. Die Bilder zeigen Stoffhaufen, die an Landschaften erinnern. Es könnten Bergmassive sein oder Überschwemmungsgebiete - als hätte sich die Landschaft umgekrempelt.

Die Sonderausstellung "Interview mit einem Stein" von Ruth May wird am Sonntag, 29. Oktober, um 11 Uhr im Rahmen der Herbstwahl der Griffelkunst-Vereinigung in der Galerie der Otterndorfer Stadtscheune, Sackstraße 4, eröffnet. Die Einführung übernimmt Katja Schröder. Die Künstlerin ist anwesend.

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Christian Mangels

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