Klares Bekenntnis: Kultur ist bald in Otterndorf keine Kür, sondern eine Pflicht
Otterndorf setzt ein starkes Zeichen für die Kultur: Kulturelle Förderung wird als Verpflichtung fest in der Stadtpolitik verankert. Sie verbindet Tradition und Moderne und steigert die Lebensqualität.
Ein mutiger Schritt. Das ist nicht nur ein Signal und Lippenbekenntnis, sondern eine unmissverständliche, sogar einmütige und vor allem starke Haltung aus der Otterndorfer Kulturpolitik: Die Kulturförderung soll als dauerhafte und eigenständige Aufgabe der Stadt Otterndorf im Organigramm der Verwaltung sowie bei der jährlichen Haushalts- und Finanzplanung verankert werden.
Otterndorf und Kultur sind ohnehin zwei Begriffe, die auf das Engste miteinander verknüpft sind - und dies schon seit Jahrhunderten. Im Stadtbild ist die kulturelle Prägung deutlich erkennbar. Steinerne Zeugnisse sind es wie die ehrwürdige St.-Severi-Kirche, die Lateinschule, das Johann-Heinrich-Voß-Haus - in dem die Geistesgröße lebte und Homers Odyssee übersetzte -, aber auch das Kranichhaus, das Museum gegenstandsfreier Kunst, die Puppenstube oder die Bibliothek.
Kaum eine andere Stadt dürfte - gemessen an ihrer Größe und Einwohnerzahl - über eine höhere Dichte an kulturellen Einrichtungen verfügen. Hinzu kommen die Veranstaltungsdichte sowie die Institutionalisierung von Kulturförderung, indem es Stipendien für Stadtschreiber und Stadtmaler auflegt. Kultur prägt Otterndorf und die Otterndorfer.
Gemeinsam stark gemacht, der Kultur den Rücken zu stärken
Und die Kommunalpolitik geht jetzt in Eintracht einen bemerkenswerten Schritt weiter. Sie betrachtet das kulturelle Engagement nicht als Kür, sondern als Pflicht, die es zu etablieren gilt. Ursula Holthausen für die SPD-Grünen-Rennebeck-Gruppe und Ralf Gütlein für die CDU-FDP-Gruppe haben sich gemeinsam dafür stark gemacht.
In ihrer Begründung verdeutlichen sie, dass Otterndorf eine Stadt mit einer reichen Geschichte sei, die sich durch ein lebendiges sowie überaus facettenreiches kulturelles Leben auszeichne. Kultur sei ein wichtiger Bestandteil der Identität. Sie verbinde Tradition mit zeitgemäßem Agieren. Mit einhergehender Lebensqualität sei es ein wichtiger Standortfaktor und eine der unabdingbaren Grundlagen für eine liebens- und lebenswerte Stadt, die alle Generationen einbezieht. Kultur biete einen hohen Anreiz für den Zuzug von Menschen, dies wiederum unterstütze die Wirtschaft.
Es soll erreicht werden, dass die Kulturförderung künftig jenes Gewicht erhält, das ihr nach Auffassung der Antragsteller für das gesellschaftliche und kulturelle Leben zukommt. Eine dauerhafte Verankerung im Organigramm sowie die angemessene Berücksichtigung bei den Haushaltsaufstellungen sollen sicherstellen, dass kulturelle Aufgaben und Projekte nachhaltig geplant, koordiniert und unterstützt werden.
Dieses deutliche Bekenntnis zur Kulturförderung wird nicht nur als Empfehlung an den Stadtrat gehen, sondern soll von ihm als Antrag beschlossen werden. Darüber war sich der Kulturausschuss nach entsprechendem Vorschlag von Claus Johannßen (SPD) einig, der meinte: "Damit ist es eine Selbstverpflichtung, dass wir Kultur nicht als Spardose sehen." Hans-Volker Feldmann nahm das klare Zeichen "mit großer Dankbarkeit und Befriedigung" auf. Im Zuge der Diskussion regte Marianne Nitsche als beratendes Ausschussmitglied an, die traditionellen klassischen Rathaus-Konzerte aufleben zu lassen, um auch die Facette wieder anzubieten.
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