Grundschule Otterndorf wieder eröffnet: Das ist nach fünf Jahren Bauzeit alles neu
Die Wartezeit ist vorbei: Nach rund fünf Jahren Bauzeit hat die Grundschule Otterndorf am Freitag ihre Wiedereröffnung gefeiert. Beim Schulfest und Tag der offenen Tür konnten Gäste das umfassend sanierte und modernisierte Gebäude erstmals erkunden.
Den Auftakt der Einweihungsfeier bildete ein Festakt mit musikalischer Begleitung durch die Schülerinnen und Schüler, die mit Unterstützung des Kreiskantors Christian Müller mehrere Lieder und die Schulhymne vortrugen. Anschließend blickten Vertreter aus Politik, Kirche und Schule auf den langen Weg bis zur Fertigstellung zurück.
Frank Thielebeule, Bürgermeister der Samtgemeinde Land Hadeln, bezeichnete die Sanierung als "herausforderndes Projekt". Zwar habe es erhebliche Kostensteigerungen gegeben, doch bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes müsse man stets mit Überraschungen rechnen. Hinzu seien die Auswirkungen der Corona-Pandemie, Lieferengpässe und die weltpolitische Lage gekommen. "Man kann nicht alles durchplanen", sagte Thielebeule.
Fundament für weitere Schullaufbahn gelegt
Besonders hob er die gute Zusammenarbeit zwischen Schule, Verwaltung und den beteiligten Baufirmen hervor. "Natürlich hat es auch einmal gehakt, aber in der Summe ist etwas Großartiges entstanden." Jeder investierte Euro sei gut angelegt, um den Kindern das notwendige Fundament für ihre weitere Schullaufbahn zu geben. Gleichzeitig stellte er klar, dass auch an anderen Schulstandorten der Samtgemeinde umfangreiche Sanierungen geplant seien.
Otterndorfs Bürgermeister Claus Johannßen erinnerte an die lange Geschichte des Gebäudes. Die 1892 als Königliche Realschule errichtete Schule prägt mit ihrer neugotischen Backsteinfassade bis heute das Stadtbild. Die aufwendige Sanierung habe sich deshalb gelohnt: "Wir haben zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen." Das historische Denkmal sei erhalten worden, gleichzeitig verfüge die Schule nun über ein modernes Lernumfeld.

Architekt Andreas Schneider erläuterte die planerischen Hintergründe des Projekts. Ziel sei gewesen, den denkmalgeschützten Bestand zu bewahren und gleichzeitig eine zukunftsfähige, barrierefreie Ganztagsschule zu schaffen. Entstanden sei ein Schulensemble, das historische Architektur mit moderner Pädagogik verbindet. Neben vollständig sanierten Klassenräumen entstanden multifunktionale Lernlandschaften, Rückzugsbereiche sowie eine großzügige Mensa als neuer Mittelpunkt der Schule.
Ergänzt wird das Konzept unter anderem durch Aufzüge, taktile Leitsysteme, barrierefreie Sanitäranlagen, einen Therapieraum und moderne Raumakustik für inklusiven Unterricht. Auch energetisch setzt das Gebäude Maßstäbe: Der Neubau erfüllt den Passivhausstandard und verfügt über eine Photovoltaikanlage.
Schulleiterin Elisabeth Baumann zeigte sich sichtlich bewegt. "Es ist etwas Großartiges entstanden", sagte sie. Für die Zukunft wünsche sie sich vor allem ein respektvolles Miteinander und Frieden - nicht nur innerhalb der Schule, sondern darüber hinaus. Superintendentin Kerstin Tiemann überreichte ihr als Symbol einen Lavendelkorb "auf dass die Schule weiter blühen soll". Von Samtgemeindebürgermeister Thielebeule erhielt Baumann außerdem eine Schultüte sowie den symbolischen Schlüssel für das Schulgebäude.

Auch die Schülerinnen und Schüler schilderten ihre Erfahrungen während der Bauzeit. Sie berichteten von Baulärm, Gerüsten und Konzentrationsschwierigkeiten, freuten sich nun aber über den deutlich größeren Schulhof sowie die neuen elektronischen Tafeln in den Klassenräumen.
Im Anschluss an den Festakt wurde der neu gestaltete Schulhof mit dem symbolischen Durchschneiden eines roten Bandes freigegeben. Trotz hochsommerlicher Temperaturen nahmen die Kinder die neuen Spielgeräte sofort begeistert in Besitz.

Beim anschließenden Tag der offenen Tür konnten Besucher die modernisierten Gebäude und Außenanlagen besichtigen. In den Klassenräumen präsentierten die Kinder stolz die Ergebnisse ihrer Projektwoche. Für das leibliche Wohl sorgten Eltern mit Kaffee, Kuchen und Bratwurst. Hüpfburg, Glitzertattoos, die Jugendfeuerwehr und ein Jäger-Infomobil machten den Nachmittag zu einem bunten Familienfest.
Die Wiedereröffnung markiert zugleich das Ende einer langen Bauphase, die von erheblichen Herausforderungen geprägt war. Ursprünglich waren die Kosten im Jahr 2019 auf rund 9,3 Millionen Euro geschätzt worden. Unerwartete Schäden wie Hausschwammbefall und Wasserschäden, stark gestiegene Materialpreise sowie Lieferengpässe ließen die Baukosten auf rund 17 Millionen Euro steigen und verzögerten die Fertigstellung um fast zwei Jahre. Umso größer war nun die Freude über den erfolgreichen Abschluss eines Projekts, das historische Bausubstanz bewahrt und zugleich beste Voraussetzungen für zeitgemäßes Lernen geschaffen hat.

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