Neuer Stadtschreiber entdeckt Otterndorf: "Die Stadt hat eine heimelige Atmosphäre"
Herzlich willkommen in Otterndorf: Im Johann-Heinrich-Voß-Literaturhaus wurde der neue Stadtschreiber Hank Zerbolesch empfangen. Vertreter aus Politik, Kultur und Gesellschaft sowie zahlreiche Bürgerinnen und Bürger begleiteten die Begrüßung.
Der 1981 in Düsseldorf geborene Schriftsteller wurde vom Kulturausschuss als diesjähriger Träger des Literaturstipendiums "Gartenhaus am Süderwall" ausgewählt. Das traditionsreiche Stipendium ermöglicht Autorinnen und Autoren seit 1985 einen mehrmonatigen Aufenthalt in der Medemstadt. Bereits im Vorfeld hatte Zerbolesch betont, dass ihn besonders die Begegnungen mit Menschen und die Geschichten eines Ortes interessieren.
Im Gespräch mit Ursula Holthausen, der Vorsitzenden des Kulturausschusses, zeigte sich, dass der Autor seine neue Umgebung bereits eingehend erkundet hat. Er sei erst am Montag angekommen, habe sich das Gartenhaus am Süderwall aber bereits "erarbeitet", sagte er mit einem Augenzwinkern. Außerdem sei er schon kreuz und quer durch Otterndorf gelaufen. Die Stadt vermittle ihm eine "heimelige Atmosphäre".
Für Zerbolesch ist der Aufenthalt in Otterndorf weit mehr als nur ein weiterer Arbeitsaufenthalt. Das Literaturstipendium sei für ihn "eine große Sache". Er freue sich besonders darauf, mit den Menschen vor Ort ins Gespräch zu kommen. Dabei sprach er von einem "Geben und Nehmen". Die Otterndorfer seien ausdrücklich eingeladen, den Kontakt zu suchen. "Man kann gern bei mir klopfen", sagte er, schränkte aber schmunzelnd ein, dass dies möglichst nicht vor 10 Uhr geschehen sollte. Zwischen 7 und 10 Uhr arbeite er täglich besonders konzentriert an seinen Texten.
Kraftsport ist für den Autor "Grundnahrungsmittel"
Während seines Aufenthalts möchte Zerbolesch an einem neuen Roman arbeiten. Dieser spielt in der Kraftsport- und Bodybuildingszene. Im Mittelpunkt steht ein älterer Mann, der einst Berühmtheit erlangte. Sein Leben verändert sich, als eine junge Frau in sein Umfeld tritt. Dass das Thema nicht zufällig gewählt ist, liegt nahe: Der Autor betreibt selbst Kraftsport und bezeichnet diesen als sein "Grundnahrungsmittel". Entsprechend erfreut zeigte er sich darüber, dass ihm die Stadt eine zeitlich begrenzte kostenlose Mitgliedschaft im Otterndorfer Fitnessstudio ermöglicht.
Seit 2014 veröffentlicht Hank Zerbolesch Romane, Hörspiele und Kurzgeschichten. Seine Werke beschäftigen sich häufig mit gesellschaftlichen Randlagen, Ausgrenzung, Gewalt und menschlicher Verletzlichkeit. Zu seinen bekanntesten Veröffentlichungen zählen "RAW", "Morbus Leben" und der 2024 erschienene Roman "Gorbach". Für seine literarische Arbeit erhielt er unter anderem den Förderpreis des Von-der-Heydt-Kulturpreises.
Die Besucherinnen und Besucher dürfen sich in den kommenden Monaten nicht nur auf Begegnungen mit dem neuen Stadtschreiber, sondern auch auf literarische Veranstaltungen freuen. Die Antrittslesung von Hank Zerbolesch ist für Dienstag, 30. Juni, um 19.30 Uhr in der Stadtscheune Otterndorf geplant. Unter dem Titel "Moin ist das neue Tach" präsentiert der Autor einen ebenso persönlichen wie literarischen Abend. Anhand seiner Bücher erzählt er von seinem Weg als Schriftsteller - von den ersten literarischen Anfängen bis hin zum aktuellen Manuskript.
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