Otterndorf und Sheringham: So lebt die Städtepartnerschaft wieder auf
Die Verbindung zwischen Otterndorf und Sheringham hat schwierige Jahre hinter sich. Nun kommt neuer Schwung in die fast 40 Jahre alte Partnerschaft. Neue Mitstreiter, Reisen und ein großes Jubiläum im Jahr 2027 sollen die Kontakte weiter festigen.
Mehr als 500 Kilometer Luftlinie liegen zwischen Otterndorf und Sheringham. Doch wer Ralf Gütlein von der englischen Küstenstadt erzählen hört, bekommt schnell den Eindruck, dass die Entfernung zwischen beiden Orten wieder kleiner wird. "Ein ganz entzückender Ort", sagt der Otterndorfer über Sheringham. Erst im Juli war er selbst zum ersten Mal dort - gemeinsam mit einer Gruppe aus der Medemstadt. Die Reise zeigte: Die fast 40 Jahre alte Städtepartnerschaft hat nach schwierigeren Zeiten wieder neuen Schwung bekommen.
Seit 1987 sind Otterndorf und Sheringham offiziell miteinander verbunden. Die englische Kleinstadt mit rund 7100 Einwohnern liegt an der Nordseeküste der Grafschaft Norfolk. Über Jahrzehnte entstanden persönliche Kontakte und Freundschaften. Doch während der Corona-Zeit geriet die Partnerschaft ins Stocken. Reisen und Begegnungen waren kaum möglich, zugleich fehlte dem Otterndorfer Partnerschaftskomitee der Nachwuchs.
Inzwischen hat sich einiges getan. Einen wichtigen Impuls gab der frühere Samtgemeindebürgermeister Harald Zahrte, der sich für eine Wiederbelebung einsetzte und sich inzwischen aus der aktiven Arbeit zurückgezogen hat. Seit 2025 steht Ralf Gütlein an der Spitze des Otterndorfer Teams. Rund 30 Menschen gehören nach seinen Angaben dazu. Vonseiten der Stadt betreut Julia Heuer aus dem Kulturbüro die Partnerschaft.
Gütlein will den neuen Schwung verstetigen. Mindestens zweimal im Jahr bringt er die Otterndorfer Gruppe zusammen. Auch der Internetauftritt soll verbessert werden, um die Partnerschaft sichtbarer zu machen. Dass die Verbindung wieder intensiver wird, zeigte sich bereits beim 625-jährigen Stadtjubiläum Otterndorfs im vergangenen Jahr. Damals war eine Delegation aus Sheringham zu Gast.
Für viele Teilnehmer die erste Begegnung mit Sheringham
Anfang Juli folgte nun der Gegenbesuch in England. Für viele Teilnehmer war es die erste Begegnung mit Sheringham - auch für Gütlein. Die deutschen Gäste waren überwiegend bei englischen Familien untergebracht. So lernten sie nicht nur Sehenswürdigkeiten kennen, sondern vor allem die Menschen und ihren Alltag. Begrüßt wurden die Otterndorfer mit einem großen "Welcome", an dem auch Bürgermeisterin Sue Brisbane teilnahm. Auf dem Programm des Sheringham-Aufenthalts standen unter anderem eine Glasbläserei, das Sheringham Little Theatre und eine Bootstour.
Ein besonderer Höhepunkt war die "Potty Parade", der große Eröffnungsumzug des Sheringham Potty Morris & Folk Festival. Zahlreiche Gruppen ziehen dabei tanzend in traditionellen, oft ausgesprochen bunten Kostümen durch die Straßen, begleitet von Musik, Glocken und Stöcken. 54 Gruppen machten in diesem Jahr mit. Mittendrin waren die Gäste aus Otterndorf, die sich in Fischerhemden in den Umzug einreihten. Gütlein fasst das Spektakel knapp zusammen: "Eine völlig verrückte Parade."
Auch jüngere Generationen sollen künftig stärker Teil der Partnerschaft werden. Drei Lehrerinnen und zwei Schülerinnen aus Otterndorf gehörten zur Reisegruppe. Der Austausch auf Schulebene soll weiter intensiviert werden. Denn wenn die Verbindung auch in den kommenden Jahrzehnten Bestand haben soll, braucht sie Menschen, die sie weitertragen.
Auf Otterndorfer Seite ist das Komitee inzwischen breiter aufgestellt. Gütlein hofft, dass auch in Sheringham neue und jüngere Mitstreiter gewonnen werden können.
Der nächste große Termin steht bereits fest: Ende Mai 2027 kommen die Engländer nach Otterndorf. Dann wird das 40-jährige Bestehen der Städtepartnerschaft gefeiert. Die Vorbereitungen laufen bereits. Einzelheiten will Gütlein noch nicht verraten, einige Ideen und auch eine Überraschung gebe es aber schon. "Da wollen wir ordentlich was auf die Beine stellen", kündigt er an.
Nach den Jahren, in denen persönliche Begegnungen kaum möglich waren, soll das Jubiläum deshalb nicht nur ein Rückblick auf vier Jahrzehnte gemeinsamer Geschichte werden. Es soll auch zeigen, wie die Partnerschaft in Zukunft weiterleben kann.
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