Die Produktionsstätte der Feinkost-Manufaktur der Firma Abelmann in Bremerhaven: Nach der Insolvenz ist die Fortführung des Betriebes durch die Übernahme durch den Otterndorfer Unternehmer Alfred Paulsen gesichert. Foto: Polgesek
Die Produktionsstätte der Feinkost-Manufaktur der Firma Abelmann in Bremerhaven: Nach der Insolvenz ist die Fortführung des Betriebes durch die Übernahme durch den Otterndorfer Unternehmer Alfred Paulsen gesichert. Foto: Polgesek
Nach Insolvenz

Otterndorfer Unternehmer Paulsen übernimmt Bremerhavener Fischmanufaktur Abelmann

von Ulrich Rohde | 02.06.2026

Der Otterndorfer Unternehmer Alfred Paulsen wird Eigentümer der Bremerhavener Firma Abelmann Fischfeinkost. Die Traditionsfirma im Fischereihafen hatte zuvor in der Insolvenz gesteckt. 

Am Dienstag gaben der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Berend Böhme, und Paulsen die Übernahme zum 1. Juli bekannt.

Bakterienbefall brachte das Unternehmen in Schieflage

Die Heinrich Abelmann GmbH war im vorigen Jahr in Schieflage geraten, weil ein Bakterien-Befall (Listerien) einiger Produkte samt Rückrufaktionen von Heringsprodukten im Sommer zu erheblichen Umsatzeinbußen geführt hatte. Die Ursache war offenbar verunreinigte Rohware eines Vorlieferanten aus Norwegen. Zwar konnte die Herstellung von Produkten eingeschränkt fortgeführt werden, doch es kam zu wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die schließlich am 1. Dezember zum Insolvenzverfahren führten. In dem Zuge hat sich die Belegschaft auf 55 Mitarbeitende in etwa halbiert.

Abelmann betreibt eine Produktionsstätte im Bremerhavener Fischereihafen sowie ein Feinkostgeschäft mit Bistro im Schaufenster Fischereihafen und ein Geschäft in Oldenburg. Mit der vollständigen Übernahme der Firma sei, so Anwalt Böhme, etwas Ungewöhnliches gelungen, nämlich das glückliche Ende eines Insolvenzverfahrens, das eben nicht in eine Betriebsstilllegung mündet, sondern in einen Neuanfang in einer "schwierigen Branche". Das sei keine Selbstverständlichkeit.

Fischverarbeitungsbranche hat Talsohle durchschritten

Für Alfred Paulsen schließt sich ein Kreis, denn als er vor rund 36 Jahren in den Otterndorfer Familienbetrieb eintrat, habe die Fischindustrie noch eine ganz andere Bedeutung gehabt als heute. Sein erster Auftrag habe ihn damals zu Heinrich Abelmann geführt. Seither habe die Branche einen tiefgreifenden Umbruch erlebt. Etliche Betriebe mussten schließen. Doch er sei überzeugt, dass die Talsohle durchschritten sei und es wieder aufwärtsgehen werde.

Seine eigene Strategie als Unternehmer und Produzent von Sauerkonserven sei stets auf Wachstum und Übernahmen angelegt gewesen. Seit Mitte der 1990-er Jahre expandiert das Unternehmen, übernahm nach und nach Marken wie Frenzel, Heinrich Lüders oder Nowka und etablierte bereits 1995 als Pionier auf diesem Gebiet die Bio-Marke Marschland. Zu den Sauerkonserven mit Gurken, Sauerkraut und anderen Produkten sowie Grünkohl kommt nun noch die Fischverarbeitung hinzu.

Abelmann weiterentwickeln und Umsätze steigern

Abelmann ist, anders als die Fabrikproduzenten unter dem Dach von Alfred Paulsen, eine Fischmanufaktur. Das bedeutet viel Handarbeit. Für den neuen Eigentümer heißt das, einige Anpassungen vorzunehmen und kosteneffizient und günstiger zu produzieren, um Abelmann langfristig im Markt zu halten und zu alten Umsatzgrößenordnungen zurückzugelangen, neue Produkte eingeschlossen. "Wir wollen die Abelmann Feinkost GmbH mit ihrer guten Reputation weiterentwickeln und gleichzeitig Synergieeffekte bei zentralen Aufgaben nutzen", so Paulsen. Er habe ein junges, engagiertes Team vorgefunden und hoffe, mit der Steigerung der Produktion weitere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für das Unternehmen gewinnen zu können. Paulsen: "Wir sind offen für neue Kräfte." Ein Silberstreif am Horizont für die Betriebsangehörigen, hinter denen unruhige Monate liegen.

Als Vollblutunternehmer und auch neuer Inhaber der Abelmann-Immobilie will er sich auch um die Auslastung der weitläufigen Räumlichkeiten kümmern. "Branchennahe Interessierte könnten hier ein Zuhause finden", lädt der Otterndorfer ein.

Höchste Standards bei bei Lebensmittelsicherheit einhalten

Einen weiteren Listerienbefall habe es zwischenzeitlich nicht gegeben, so Insolvenzverwalter Böhme. Die Kontrollen seien umfänglich gewesen. Die Produktionsräume, in denen der Befall festgestellt worden war, bleiben bis auf Weiteres gesperrt. "Jeder Fehler wird heutzutage teuer bestraft", sagt Alfred Paulsen. "Im Fischbereich ist Hygiene essenziell. Wir setzen in meinen Betrieben auf ein Höchstmaß an Lebensmittelsicherheit. Alle Betriebe sind nach IFS Food zertifiziert." Standards wie  IFS-Food, MSC und ASC sind auch für Abelmann verpflichtend.

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