Freut sich über sein Romandebüt: Prof. Dr. Lothar Wittmann
Freut sich über sein Romandebüt: Prof. Dr. Lothar Wittmann
"Liebe in Kriegszeiten"

Historischer Roman mit "Sex and Crime": Otterndorfer Psychologe veröffentlicht Debüt

von Wiebke Kramp | 13.02.2026

Lothar Wittmann, Psychotherapeut und Autor, entführt die Leser in seinem neuen Roman in die Wirren des Dreißigjährigen Krieges. Eine abenteuerliche Flucht und eine leidenschaftliche Liebesgeschichte erwarten die Leser.

Der in Otterndorf lebende Prof. Dr. Lothar Wittmann (Jahrgang 1948) hat schon als psychologischer Psychotherapeut, Dozent und Supervisor diverse Fachbücher und Buchbeiträge geschrieben. In Corona-Zeit begab er sich auf ein ganz neues schriftstellerisches Terrain.

Seit kurzem liegt sein Roman vor. "Liebe in Kriegszeiten - Jörg Asinus und Christina auf abenteuerlicher Flucht vor dem Dreißigjährigen Jahr" ist im Plexus-Verlag erschienen (ISBN: 978-3-9379-9685-1). Darin reist Wittmann weit zurück in das Jahr 1618 und hat akribisch recherchiert, um ein detailreiches und historisch genaues Sittengemälde aus einer höchst unfriedlichen Zeit sowie eine Liebesgeschichte zu zeichnen, die allen Widrigkeiten und den meisten Versuchungen zu trotzen vermag.

Lothar Wittmann stammt gebürtig aus Oberfranken. Er studierte Psychologie in Erlangen und Marburg. Anschließend arbeitete er als Assistent an der Psychiatrischen Universitätsklinik Marburg und promovierte 1980. 1983 ging er als Leiter der Forschungs- und Beratungsstelle der Abteilung Klinische Psychologie an die Universität Zürich. 1988 bis 1990 oblag ihm die Leitung des Beratungszentrums für Studierende der Universität Hamburg. 1998 ließ er sich mit seiner Praxis in Otterndorf nieder.  Er wirkte als Dozent sowie Lehrbeauftragter der Universität Hildesheim.

Zahlreiche historische Veröffentlichungen zum Jubiläumsjahr 2018, 400 Jahre seit Beginn des Dreißigjährigen Krieges, ließen seine Idee zum Romanerstling reifen. Wittmann erläutert: "Ich habe mich als Nicht-Historiker aber immer gefragt, ob man das auch lockerer, anekdotischer erzählen und mit Bilddokumenten bunter machen kann, ohne gleich wild zu fantasieren. So kam es zur Idee, Geschichte als Geschichten zu erzählen und eine Abenteuer- und Liebesgeschichte hineinzuweben, um die Leser mit 'Sex and Crime'  immer mal wieder aufzuwecken. Es geht um eine Schicksalsepoche Europas, und vieles an heutigen Konflikten war da schon vorexerziert worden. Aber es geht auch um eine bunte Zeit prallen Lebens mit vielen derben und kuriosen Episoden."

Das Cover von Lothar Wittmanns historischem Roman 'Liebe in Kriegszeiten‘ zeigt ein Segelschiff, das die abenteuerliche Flucht von Jörg und Christina symbolisiert.

In seinem Roman fliehen der desertierte Soldat Jörg und das verwaiste Bauernmädchen Christina gemeinsam vor Waffengewalt, Brandschatzung, Seuchen und Hunger. Ihre abenteuerliche Flucht vor den Kriegsgräueln führt sie nach Holland, nach Indonesien und nach langen Jahren wieder zurück nach Europa.

Muster vom Islamismus bis zum Trumpismus

Die Auswirkungen und Muster jener Zeit, finde man bis heute immer wieder, das übt auf Lothar Wittmann eine besondere Faszination aus: "Jeder scheinbar religiös motivierte Machtkampf, jeder ideologisch unterfütterte -ismus der politischen Situation, vom Islamismus bis zum Trumpismus trägt Züge, die man schon im 17. Jahrhundert studieren kann. Der 'Simplicius Simplicissimus' von Grimmelshausen, die Gedichte von Gryphius und die Brechtsche 'Mutter Courage' waren für mich schon in Schulzeiten prägende Leseerfahrungen."

Sehr kenntnisreich beschreibt er unterschiedliche Schauplätze in Europa wie Fernost. Einige dieser Orte habe er früher selbst bereist; der Nahbereich zwischen Magdeburg und Amsterdam sei ihm aus eigener Anschauung bekannt, und den Rest habe er sich durch Lesen und Stöbern erschlossen und dabei an einem berühmten Vorbild orientiert: "Mein Ehrgeiz beim Orteschildern ist dabei von einer Anekdote über den Philosophen Immanuel Kant bestimmt. Der musste auch Geografievorlesungen halten. Dabei soll er, der nie einen Schritt aus Königsberg herauskam, London so lebendig geschildert haben, dass die Studierenden förmlich den Nebel spürten."

Fiel es ihm schwerer, Fiktion zu schreiben als Fachliteratur? Ein klassisches "sowohl als auch" ist seine Antwort: "Fiktion schreibt sich leichter, man muss ja nicht begründen mit Quellen und Zitaten, aber zugleich schreibt es sich schwerer, weil man den professoralen Langweilerstil erst mal ablegen muss, was sichtbar nicht immer gelingt", beschreibt er den Prozess.

Psychologe zu sein, helfe beim Verstehen von Motiven und bei dem beherzten Blick in seelische Abgründe. "Über Erotik schreiben, ist auch für einen Sexualtherapeuten insofern schwer, als der frühere Hamburger Literaturhauschef Prof. Rainer Moritz ein wunderbares Lesebuch geschrieben hat: 'Wer hat den schlechtesten Sex‘. Schlimme Beispiele bringt der Autor. Daran darf man fröhlich scheitern." -

Das beste Feedback für sein Debüt habe er von dem Lektor eines anderen Verlages erhalten, der meinte: "Das sollte verfilmt werden!" Doch  Lothar Wittmann hält dagegen: "Ich meine aber, die Leser sollten sich ihre Filme selber machen.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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