Das klassizistische Gartenhaus am Süderwall, Sommerdomizil der Otterndorfer Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber, ist in einem beklagenswerten Zustand und muss grundlegend saniert werden. Foto: Mangels
Das klassizistische Gartenhaus am Süderwall, Sommerdomizil der Otterndorfer Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber, ist in einem beklagenswerten Zustand und muss grundlegend saniert werden. Foto: Mangels
Bauliche Schäden

Stadtschreiberhaus in Otterndorf wird saniert: Kein Literaturstipendium im Jahr 2024

von Christian Mangels | 24.11.2023

Das Gartenhaus am Süderwall in Otterndorf hat baulich schon bessere Zeiten erlebt. Weil die Schäden in den vergangenen Jahren überhandgenommen haben, ist für 2024 eine umfassende Sanierung geplant. Das hat Auswirkungen auf das Literaturstipendium.

Daniel E. Palu, Otterndorfer Stadtschreiber des Jahres 2023, ist ein freundlicher und höflicher Mensch. Deshalb will er sich zu den baulichen Problemen des Gartenhauses am Süderwall, mit denen er im Sommer konfrontiert wurde, lieber nicht offiziell äußern. Es ist aber ein offenes Geheimnis, dass der Krimi-Autor das denkmalgeschützte Gebäude während seines fünfmonatigen Aufenthalts in Otterndorf ganze fünf Wochen nicht bewohnen konnte.

Wie unser Medienhaus erfuhr, waren Handwerker mit der Restaurierung der Tür- und Fensterrahmen nicht rechtzeitig fertig geworden, sodass Palu zunächst auf einer Baustelle arbeiten und leben musste. Außerdem schränkten Feuchtigkeit und Schimmelbildung den Wohngenuss erheblich ein, wie Recherchen unserer Zeitung ergeben haben. Der Stadtschreiber drückte es auf seiner Abschiedslesung diplomatisch aus: "Die Zeit mit der Stadt und den Otterndorferinnen und Otterndorfern war mir eine große Freude. Das Leben im Gartenhaus allerdings hatte seine Herausforderungen." 

Nicht nur Palu hat seine ganz besonderen Erfahrungen mit dem Gartenhaus gemacht. Finn-Ole Heinrich, Stadtschreiber des Jahres 2011, notierte in seinem Büchlein "So und nicht anders - Die Wahrheit über Otterndorf": "Bad und Küche des Gartenhauses am Süderwall waren so feucht, dass die Sitzkissen auf den Stühlen und der Putz an der Wand geschimmelt sind. Wäsche waschen musste gut geplant und auf das Wetter abgestimmt werden, weil sie in meinem Schlaf- Arbeits- und Wohnzimmer einfach nicht trocknete. Das winzige Häuschen ist alt und hübsch und wohl nur in trockeneren Sommern nicht so feucht wie ein türkisches Dampfbad."

Das Stadtschreiberhaus - ein dauerhafter "Pflegefall"? So weit wollen es Politik und Verwaltung nicht kommen lassen. Für 2024 sind umfassende Sanierungsmaßnahmen geplant, um die Feuchtigkeitsprobleme und weitere Mängel endlich in den Griff zu bekommen. Rund 45.000 Euro werden dafür voraussichtlich fällig werden.

Elektrisch betriebene Zu- und Abluft wird eingebaut

Im Kulturausschuss gab Thomas von der Fecht aus dem Bauamt der Samtgemeinde Land Hadeln einen Einblick in die geplanten Maßnahmen. Alle Kelleraußenwände werden mit Kalziumsilikatplatten beklebt. Sie sollen helfen, die Feuchtigkeit zu regulieren. In das Kellerfenster wird eine kontrollierte und elektrisch betriebene Zu- und Abluft eingebaut. Im Erdgeschoss werden neue Holzfenster von innen vorgeblendet.

Die westliche Außenfassade des rund 200 Jahre alten Hauses, wo deutliche Farbabplatzungen zu erkennen sind, soll komplett saniert werden. Die Küchenzeile ist "abgängig" und wird vollständig erneuert. "Aber bitte ohne Geschirrspüler", sagte Thomas von der Fecht. Das Gerät würde nur für feuchte, warme Luft und weitere Probleme sorgen. Zu guter Letzt soll die Elektroheizung optimiert werden, damit im Gartenhaus möglichst eine konstante Temperatur von 18 bis 20 Grad herrscht. Alle Maßnahmen werden in enger Abstimmung mit der Denkmalschutzbehörde durchgeführt.

Um bei den Sanierungsmaßnahmen nicht wieder in Zeitverzug zu kommen, hat sich die Stadt entschlossen, das Stadtschreiberstipendium 2024 auszusetzen. Auch das neu geschaffene Künstlerstipendium soll erst 2025 angeboten werden. "Das wird Druck vom Kessel nehmen", sagte Thomas von der Fecht.

Der frühere Kulturausschussvorsitzende Hans-Volker Feldmann (CDU) bedauert diese Entscheidung: "Wir hätten sechs Monate Zeit gehabt, das Gartenhaus in Ordnung zu bringen." Die Kulturausschussvorsitzende Ursula Holthausen (SPD) verteidigte den Schritt: "Wir haben keine andere Möglichkeit. Wir können den Stadtschreiber nicht fünf Monate in einem Ferienhaus unterbringen." Es sei immer ein großes Fragezeichen, ob Baumaterialien rechtzeitig zur Verfügung stehen und Handwerker termingerecht fertig werden.

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