Polizei vermutet Notfall und bricht Tür in Bremerhaven auf - "Vermisster" ist sauer
Er war weder verschwunden noch in Not - sondern schlief einfach in seiner Wohnung. Trotzdem rückten Polizei und Feuerwehr an und brachen die Tür des Bremerhaveners auf. Als der 64-Jährige begriff, was da gerade passierte, platzte ihm der Kragen.
Lutz Dassler ist richtig sauer. "Ich fühle mich vergewaltigt. Meine Wohnung ist für mich heilig", schimpft der 64-Jährige aus Bremerhaven-Lehe. Wie er berichtet, war er in der vergangenen Woche von einem gewaltigen Krach geweckt worden. Als er aus seinem Bett aufschreckte und in den Flur rannte, stellte er fest, dass seine Wohnungstür unter heftigen Schlägen von außen mit einer Axt aufgebrochen wurde.
Warum wurde die Wohnungstür überhaupt aufgebrochen?
"Ich habe erst mal gebrüllt, was das soll", erzählt Dassler. Schließlich verstand er, dass Polizei und Feuerwehr gerade dabei waren, seine Tür mit Gewalt zu öffnen. "Ich konnte es einfach nicht fassen." Beim Blick aus dem Fenster bemerkte er, dass vor seinem Haus mehrere Fahrzeuge von Feuerwehr, Polizei und zwei Rettungswagen standen. Was war da los?
"Offenbar hat mich irgendjemand als vermisst gemeldet", sagt der Bremerhavener, der sich über die Sorge seiner Mitmenschen aber nicht wirklich freuen kann. Gegenüber den Polizisten und Feuerwehrleuten machte er seinem Ärger zumindest erst einmal ordentlich Luft. Und so waren die verdutzten Beamten nach seiner Darstellung kurz davor, ihn wegen seiner heftigen Beschimpfungen festzunehmen. Ihm zufolge entschuldigte er sich gerade noch rechtzeitig für seinen Ausbruch.
Den ganzen Vorfall könne er sich nicht erklären. "Ich war die ganzen letzten Tage zu Hause, war einkaufen und viel mit dem Hund draußen, weil es ihm nicht so gut geht", sagte der Mann. Er sei zumindest nicht verschwunden gewesen.
Als seine Tür gegen Mittag aufgebrochen wurde, hatte er verschlafen, weil er sich in der Nacht um seinen kranken Hund gekümmert habe, erzählt er. Deswegen habe er auch das Telefon und die Türklingel nicht gehört. Den Anruf der Polizei konnte er später auf seinem Telefon anzeigen lassen. "20 Minuten nach ihrem Anruf haben die gleich meine Tür kaputt gemacht", sagt er verärgert.
Was sagt die Polizei zu der Türöffnung?
Die Polizei Bremerhaven bestätigt den Vorfall. "Hier handelte es sich um einen Fall, wie er häufig vorkommt. Menschen vermissen eine Person oder machen sich Sorgen, dass es einer anderen Person nicht gut geht und diese Hilfe benötigen könnte", teilte ein Polizeisprecher mit.
"Unsere Kollegen überprüfen dann die Lage vor Ort und befragen Nachbarn. Sie schauen auch, ob der zugehörige Briefkasten überfüllt ist", so der Sprecher. "Erst wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und mehrere Hinweise darauf hindeuten, dass die Sorgen der Anrufer berechtigt sein könnten, müssen wir aus gefahrenabwehrrechtlichen Gründen weiter tätig werden."
Und: "In diesem Fall war die Beurteilung der Lage so, dass der Verdacht bestand, dass der hier Betroffene sich in einer hilflosen Lage in der Wohnung befinden könnte", teilte der Polizeisprecher weiter mit. "Da auf mehrfaches Klingeln und lautstarkes Klopfen die Tür nicht geöffnet wurde und auch keine Lebenszeichen zu vernehmen waren, wurde die Feuerwehr mit Rettungsdienst zur Nottüröffnung alarmiert. Glücklicherweise ging es dem Bewohner gut."
Wer trägt die Kosten für die beschädigte Tür?
Bleibt die Frage, wer für die beschädigte Tür aufkommt. "In solchen Fällen werden die Kosten durch den Auftraggeber der Türöffnung übernommen", sagte der Sprecher. In diesem Fall sei es die Polizei gewesen. "Solche Einsatzausgänge sind häufig, dennoch sind Polizei und Rettungsdienst dankbar für Hinweise aufmerksamer Menschen, durch die schon viele Menschenleben gerettet wurden."
Lutz Dassler hat bereits angekündigt, dass sein Vermieter sich die Kosten für die neue Tür wohl von der Polizei zurückholen muss. Der Aufbruch der Tür hat ihn offenbar schwer erschüttert. "Das können die doch nicht einfach machen", sagt der Bremerhavener wütend.
Dass Nachbarn und Einsatzkräfte ihm letztendlich nur helfen wollten, lässt er nicht wirklich gelten. "Das bringt mir jetzt auch nichts mehr", sagt er. Für die nächsten Tage hat er bereits Termine mit Verantwortlichen von Polizei und Feuerwehr vereinbart. Lutz Dassler fordert eine Entschuldigung.
Von Jan Iven
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