Wer am Mittwoch Medikamente benötigt, muss sich zu helfen wissen. Symbolfoto: Bernd Weißbrod/dpa
Wer am Mittwoch Medikamente benötigt, muss sich zu helfen wissen. Symbolfoto: Bernd Weißbrod/dpa
Die Forderungen der Pharmazeuten

Apotheker-Streik am Mittwoch im Kreis Cuxhaven: Was der Protest für Kunden bedeutet

07.11.2023

Am 8. November protestieren die Apotheken im Kreis Cuxhaven erneut. Bereits im Juni dieses Jahres blieben ihre Türen geschlossen. Allerdings kam die Politik ihren Forderungen nicht nach. Jetzt müssen sich Kunden erneut auf Folgen einstellen.

"Am 8. November 2023 bleiben die Apotheken in ganz Norddeutschland geschlossen. Damit weisen wir auf die anhaltenden Missstände in der Arzneimittelversorgung hin", steht es in der Pressemitteilung des Cadenberger Apothekers Mobin Tawakkul. Für ihn ist die Politik des Bundesministers für Gesundheit Karl Lauterbach schädigend für das Gesundheitssystem. "Vor allem die Kunden und Mitarbeiter müssen darunter leiden", bedauert der Apotheker. 

Denn wenn Lauterbachs Forderungen durchgesetzt würden, hätten nur noch wenige Apotheken auf dem Land ein eigenes Labor. "Dabei ist das für die Versorgung der Bevölkerung essenziell. Wir sind zu abhängig von der Produktion im Ausland und wenn es Lieferengpässe bei den Medikamenten gibt, können wir diese in unserem Labor selbst herstellen", erklärt der Fachmann. Auch die Beratung der Kunden vor Ort sei wichtig. Denn wenn beispielsweise ein Medikament falsch dosiert ist oder der Patient es nicht verträgt, können die Pharmazeutisch-technischen Assistenten (PTA) fachkundig beraten. "Die Politik spart das System der flächendeckenden
Arzneimittelversorgung kaputt und gefährdet so die Gesundheit. Für Patienten bedeutet das Versagen der Politik in Zukunft noch längere Wartezeiten, verkürzte Öffnungszeiten und weitere Wege", so Tawakkul.

Apotheker in Cuxhaven wollen "an einem Strang ziehen"

Auch in Cuxhaven nehmen die Apotheken am Protesttag teil. Die Hoffnungen und Ziele der Teilnehmer sind klar: Sie wollen der Politik zeigen, wie es aussieht, wenn die Apothekendichte so heruntergefahren wird, wie die Politik es plant. "Wenn die Politik sich weiterhin dafür einsetzt, dass die Apotheken in der Unterfinanzierung stecken bleiben, wird es auch nicht lange dauern, bis in Cuxhaven die ersten schließen müssen", gibt Dr. Stephan Hahn, Inhaber der Stadtapotheke, zu bedenken. Er ist der Meinung, dass sich grundlegend etwas ändern müsse. Auch Hahn schließt am Protesttag seine Apotheke und nimmt die wirtschaftlichen Verluste, die damit einhergehen, in Kauf. "Es können weder Medikamente abgeholt, noch bestellt werden. Auch das Telefon ist nicht besetzt", so der Apotheker.

Auch Apotheker aus Hemmoor beteiligt sich am Streik

In Hemmoor sieht es ähnlich aus. Tobias Färber, Inhaber der Wolf Apotheke, schließt ebenfalls die Türen seines Geschäfts. "Unseren Forderungen beim vergangenen Protesttag im Juni wurde nicht nachgekommen", ärgert sich Färber. Außerdem wollen die Betroffenen öffentlich darauf aufmerksam machen, dass die Apotheken seit zehn Jahren keine Preiserhöhungen bekommen haben - und das, obwohl alle anderen Kosten und Aufwände steigen. "Man muss immer bedenken, dass hinter den Apotheken keine großen Unternehmen, sondern einzelne Privatpersonen stehen. Diese sind letzten Endes davon betroffen", so der Hemmoorer Apotheker. Viele Apothekeninhaber würden sich bis zur Rente "durchkämpfen" und Nachfolger sind meist schwer zu finden, da das Geschäft immer unrentabler wird und sich die Selbstständigkeit nicht mehr lohnt. "Wir wollen für den Erhalt der Apotheken kämpfen. Dafür treffen wir uns mit anderen Apothekern und ihren Mitarbeitern aus der Region und fahren gemeinsam nach Hannover, um dort am freiwilligen Protest teilzunehmen", sagt Färber und fügt hinzu: "Wir müssen alle an einem Strang ziehen." 

Allerdings können nicht alle Apotheken am freiwilligen Protesttag teilnehmen. Apotheken wie die Rathaus-Apotheke in Cadenberge und die Nordseeapotheke in Cuxhaven haben Notdienst und müssen geöffnet bleiben. 

Die Medemapotheke in Otterndorf macht mit einer Zeichnung auf die Missstände aufmerksam. Foto: Lütt

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