Nur durch einen Metallzaun entfernt liegt das Außengelände der Kindertagesstätte in Althemmoor an der Grundstücksgrenze zum Areal von Marela Knof. Dort stehen auch drei Lindenbäume auf durchnässtem Untergrund. Sind sie tatsächlich standsicher? Fotos: Schröder
Nur durch einen Metallzaun entfernt liegt das Außengelände der Kindertagesstätte in Althemmoor an der Grundstücksgrenze zum Areal von Marela Knof. Dort stehen auch drei Lindenbäume auf durchnässtem Untergrund. Sind sie tatsächlich standsicher? Fotos: Schröder
Probleme tief im Boden

Nasse Wände, große Sorge: Seniorin aus Hemmoor erhebt schwere Vorwürfe nach Kita-Bau

von Egbert Schröder | 10.04.2026

Eine 88-Jährige sorgt sich um ihr Haus und spielende Kinder in Hemmoor: Staunässe auf dem Grundstück und am Gebäude verursacht große Probleme. Birgt die Situation sogar eine Gefahr für den Kindergarten? Nach drei Jahren will die Kommune nun handeln.

Marela Knof (88) ist verzweifelt. "Es gab schon viele Tränen und schlaflose Nächte", sagt sie. Sie ist in Sorge angesichts des Zustandes ihres Hauses und ihres rund 4000 Quadratmeter großen Gartens. An immer mehr Wänden würden sich feuchte Stellen bilden; im aufgeweichten Garten staue sich die Nässe. Sie und ihr Sohn sind sicher, dass dies mit dem Bau des benachbarten Kindergartens im Stadtteil Althemmoor zusammenhängt. Dass es Probleme bei der Versickerungsfähigkeit gibt, muss auch die Samtgemeinde einräumen. Sie kündigte aber an, dass jetzt reagiert wird.

Fred Knof sitzt gemeinsam mit seiner Mutter im Esszimmer seines Elternhauses in der Feldstraße. Vor ihm liegt ein dicker Aktenordner. Penibel hat er Unterlagen zum Schriftverkehr zu Gesprächen, Gutachten und Stellungnahmen gesammelt, die es seit September 2023 gegeben hat - ein Jahr nach der Eröffnung der Kindertagesstätte. 

"Das war hier doch alles in Ordnung"

Dass die Einrichtung dort überhaupt gebaut werden konnte, ist seiner Mutter zu verdanken. Sie hatte der Kommune 2018 eine Teilfläche ihres Grundstückes verkauft, auf der nun die Kita mit ihren Außenanlagen steht. Marela Knof blickt aus dem Fenster, sieht die spielenden Kinder und freut sich über den Trubel auf der anderen Seite des Zaunes. Doch die Freude ist getrübt, wenn sie daran denkt, wie sich seit dem Bau die Situation auf dem Grundstück und am Haus verändert hat. Sie zeigt auf mehrere Stellen an den Außen- und Innenwänden ihres Hauses, wo sich Tapeten lösen und dort dunkle Wasserflecken deutlich zu sehen sind. Die Seniorin ist rat- und machtlos, was sie gegen die Nässe unternehmen soll: "Das war hier doch alles in Ordnung. Die Feuchtigkeit hatte es vor dem Bau des Kindergartens nicht gegeben."

An ihrer Seite steht ihr Sohn Fred. Der Architekt lässt nicht locker, wenn es darum geht, eine Lösung zu finden. Im September 2023 hatte er begonnen, Verwaltung und auch Politiker für dieses Thema zu sensibilisieren. Zwei Monate später habe es dann auch einen Ortstermin in der Kita gegeben, bei dem Samtgemeindebürgermeister Jan Tiedemann nach Knofs Angaben eine "kurzfristige Ausführung von Maßnahmen" zugesagt habe, um das Problem aus der Welt zu schaffen. Doch getan hat sich seitdem nur wenig. 

Feuchtigkeit: An vielen Stellen der Tapeten in dem Wohnhaus von Marela Knof sind Wasserflecken zu sehen; die Tapeten lösen sich von der Wand.

Zudem gibt es aus Knofs Sicht eine ganz andere negative und möglicherweise auch gefährliche Begleiterscheinung der Nässebildung im Boden. Auf dem Grundstück stehen nur wenige Meter vom Zaun zum Kindergarten entfernt drei Lindenbäume, die ein zertifizierter Baumkontrolleur in einer gutachterlichen Stellungnahme auf ein Alter von 180 Jahren geschätzt hat. Die über 20 Meter hohen Bäume weisen eine Kronenbreite von zehn Metern auf.

"Schädigung stark vorangeschritten"

Der Baumexperte hatte bereits 2024 bei einem Ortstermin festgestellt, dass es angesichts der Staunässe zu einem Absterben der Bäume kommen kann. "Am Standort ist die Schädigung bereits stark fortgeschritten", heißt es in der Stellungnahme. Doch damit nicht genug: Da beim Kindergartenneubau eine sogenannte Boxenrigole verbaut worden und es unter der "leichten Hanglage" möglicherweise eine Lehmschicht geben würde, sei die "massive Vernässung des Grundstückes Feldstraße 6" nur durch "eklatante Planungs- und Baufehler" zu begründen. Um die Bäume zu erhalten, müssten "dringend" Maßnahmen ergriffen werden.

Zur Erklärung: Eine Rigole ist ein unterirdischer Speicherplatz, der für Regenwasser gedacht ist. Eine solche Versickerungsanlage kann unter anderem aus Kies angelegt werden und eignet sich besonders für wenig wasserdurchlässige Böden. Normalerweise ...

Zu Gegenmaßnahmen angesichts des Zustandes der Bäume riet auch eine öffentlich bestellte und vereidigte Sachverständige in einer Stellungnahme im Dezember 2024. Sie geht in einem unserer Redaktion vorliegenden Schreiben sogar noch einen Schritt weiter. Sollte sich an der Situation der "vitalitätsgeschwächten Bäume" in dem "stark vernässten" Grundstücksbereich nichts ändern, sei vor dem Absterben sogar ein "Verlust der Standsicherheit" nicht auszuschließen. 

Marela Knof möchte sich gar nicht ausmalen, was passieren könnte, wenn nicht nur - wie bereits geschehen - einzelne dicke Äste abbrechen, sondern möglicherweise sogar die Bäume umfallen: "Daran mag ich nicht denken", sagt sie mit Blick auf die spielenden Kinder vor ihrem Fenster.

Aber wer ist eigentlich der Verursacher dieser Gesamtsituation und wer muss für die Folgekosten aufkommen? Bleibt die 88-Jährige auf den Kosten hängen oder muss die Kommune als Betreiber der Kita zahlen? Oder vielleicht eine der beauftragten Firmen und Gutachter? Die Frage ist nicht geklärt.

Fred Knof steht am Eingang eines alten Bunkers im Garten, der sich in direkter Nähe zu den drei Lindenbäumen befindet. Auch die gekalkten Wände sind dort durchfeuchtet.

"Bohrungen und Bodenproben"

Samtgemeindebürgermeister Jan Tiedemann verweist auf Nachfrage der NEZ/CN-Redaktion darauf, dass vor Baubeginn bekannt gewesen sei, dass die Bodenverhältnisse "besondere Schwierigkeiten" darstellen würden: "Auch an anderen eigenen Gebäuden (Feuerwehr Westersode) in diesem Bereich haben wir Probleme mit Feuchtigkeit, die auf die Lehm- sowie Tonschichten im Untergrund zurückzuführen sind. Für die Oberflächenentwässerung der Kita wurden seinerzeit auf dem Grundstück Bohrungen durchgeführt und Bodenproben untersucht. Nach den Ergebnissen sollte eine Versickerung des Oberflächenwassers auf dem Grundstück grundsätzlich möglich sein."

Nach der Beschwerde von Fred Knof habe man gemeinsam mögliche Lösungen besprochen. Diskutiert worden seien unter anderem eine Drainage an der Grundstücksgrenze mit Ableitung sowie eine zusätzliche Drainage auf dem Nachbargrundstück: "Hierzu konnte jedoch leider keine Einigung erzielt werden. Um zu verhindern, dass Wasser auf das Nachbargrundstück abfließt, wurde an der Grenze eine Rinne mit Anschluss an die Oberflächenentwässerung verlegt."

Zur weiteren Prüfung habe die Samtgemeinde eine hydrogeologische Stellungnahme zur Grundwassersituation beauftragt. Das schriftliche Ergebnis liege seit Anfang März vor. Nach Auswertung einer Grundwassermessstelle - dabei handele es sich um die "nächstgelegene Messstelle" in einer Entfernung von 3,9 Kilometern Entfernung - sei für den Zeitraum von 2020 bis 2024 in dem betroffenen Bereich ein Anstieg des Grundwasserspiegels zu beobachten, der "vermutlich auf die hohen Niederschläge im Jahr 2023" zurückzuführen sei. Der höchste Wasserstand sei im Januar 2024 gemessen worden.

"Tonschicht reduziert Versicherungsfähigkeit"

Doch es gibt noch einen anderen Aspekt. Tiedemann: "Der Gutachter hat außerdem festgestellt, dass sich in einer Tiefe von etwa zehn Metern unterhalb der Rigole eine Tonschicht befindet. Diese Schicht reduziert die Versickerungsfähigkeit des Bodens, wodurch der Grundwasserspiegel im direkten Umfeld der Kita leicht angehoben werden könnte."

"Rigole wird außer Betrieb genommen"

Daraufhin habe man mögliche Maßnahmen zum Umbau der Entwässerung geprüft: "Nach Rücksprache mit dem Gutachter kommen entweder eine Volumenreduzierung der Rigole mit teilweiser Ableitung in die Oberflächenentwässerung oder eine vollständige Ableitung in die Oberflächenentwässerung in Betracht. Wir haben uns für eine vollständige Ableitung in die Oberflächenentwässerung in der Feldstraße entschieden. Mit den Umbauarbeiten wird die Rigole außer Betrieb genommen." Die Maßnahme habe die Samtgemeinde inzwischen mit einer Tiefbaufirma vor Ort abgestimmt; sie solle noch im April umgesetzt werden.

Bleibt die Frage, wer die Kosten für das Ausrangieren der neuen Rigole, die daraus resultierenden Folgekosten, die Sicherung der drei Linden und auch die Beseitigung der Nässeschäden am Haus von Marela Knof trägt. Die 88-Jährige befürchtet, dass sie auf ihre Ersparnisse zurückgreifen muss. "Ich habe Geld zurückgelegt, um einmal einen Platz im Pflegeheim finanzieren zu können", sagt sie. Aber was passiert, wenn sie jetzt unter anderem für die Standsicherheit der drei Lindenbäume zahlen und zudem die Instandsetzung der Nässeschäden an ihrem Haus finanzieren muss? Dann bliebe nichts mehr von ihrer Altersvorsorge, zumal sie vor wenigen Jahren auch noch hohe Straßenausbaubeiträge für die Erneuerung der Feldstraße gezahlt habe.

Samtgemeindebürgermeister Jan Tiedemann äußert sich zurückhaltend. So liege der Verwaltung etwa ein Baumgutachten gar nicht vor: "Eine aktuelle Gefährdung durch die Linden sehen wir derzeit nicht." Zu  Regressforderungen gibt er sich noch defensiver: "Zu möglichen Haftungsfragen werde ich mich nicht öffentlich äußern."

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Bild von Egbert Schröder
Egbert Schröder

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

eschroeder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Petition

Cadenberge: Anwohner in Sorge über geplante Verkehrsführung

von Wiebke Kramp

Die Nachbarschaft In den Gärten in Cadenberge ist besorgt, dass ihr Wohngebiet zu einer gefährlichen Ausweichstrecke wird. Das machen sie in einer Petition an den Gemeinderat deutlich. Ebenfalls Thema im Rat: Der geplante Windpark Voigting.

Begleitung in schweren Stunden

Mit Herz und Zeit: Neue Koordinatorin stärkt Hospizarbeit im Land Hadeln

von Christian Mangels

Wenn Menschen in ihrer letzten Lebensphase Begleitung brauchen, ist Einfühlungsvermögen gefragt. Genau das bringt Feeke Weinert-Färber in ihre neue Rolle als Koordinatorin der Hospizgruppe Land Hadeln ein - und setzt auf Menschlichkeit und Zeit.

Wagen kann nicht mehr bremsen

Unfall im Kreis Cuxhaven: Kind (7) läuft auf die Straße und wird von Auto erfasst

von Redaktion

Ein Verkehrsunfall zwischen einem Auto und einem Kind hat sich am Donnerstagabend in Spieka (Wurster Nordseeküste) ereignet. Nach Angaben der Polizei Cuxhaven wurde ein Siebenjähriger dabei verletzt.

Was ist noch finanzierbar?

"Sozialstaat so nicht mehr leistbar": Kommunen im Kreis Cuxhaven vor Finanzproblem

von Egbert Schröder

Kommunen im Kreis Cuxhaven kämpfen mit steigenden Sozialkosten und Finanzlücken. Der Städte- und Gemeindebund fordert dringende Maßnahmen, um die finanzielle Lage zu stabilisieren. Ein spannendes Ringen um Lösungen beginnt.