Wenn sich die Vorwürfe gegen den Angeklagten erhärten, der in Stade und Hechthausen angeblich Drogen an Minderjährige abgegeben oder verkauft haben soll, muss er sich auf eine Gefängnisstrafe einstellen. Foto: David Young / dpa
Wenn sich die Vorwürfe gegen den Angeklagten erhärten, der in Stade und Hechthausen angeblich Drogen an Minderjährige abgegeben oder verkauft haben soll, muss er sich auf eine Gefängnisstrafe einstellen. Foto: David Young / dpa
Jugendliche mit Drogen versorgt?

Prozess im Landgericht Stade: "Er hat gewusst, dass wir nicht volljährig waren"

von Egbert Schröder | 01.07.2026

Im Verfahren gegen einen 43-jährigen Familienvater, der in Hechthausen und Stade seinen 15-jährigen Sohn und andere Minderjährige mit Drogen versorgt haben soll, hat eine weitere Zeugin ausgesagt - und ihn erheblich belastet.

Wenn die Aussagen einer heute 17-Jährigen stimmen, dann war es für sie und ihre Clique ziemlich einfach, im Jahr 2023 als erst 14-Jährige in Stade an Drogen wie Speed zu gelangen. Sie trafen sich demnach in der Wohnung eines heute 43 Jahre alten Mannes, der sich seit Mai vor dem Landgericht Stade verantworten muss. "Er hat gewusst, dass wir nicht volljährig waren", sagte sie im Prozess gegen den Angeklagten aus.

Dem Familienvater wird - wie ausführlich berichtet - vorgeworfen, über einen längeren Zeitraum hinweg selbst Drogen konsumiert und mit ihnen gehandelt zu haben. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Taten in Hechthausen und Stade begangen worden sind. Erschwerend kommt bei der Anklage hinzu, dass dem Stader  vorgeworfen wird, seinen minderjährigen Sohn mit Betäubungsmitteln - von Koks bis Speed - versorgt und ihn auch noch animiert zu haben, in seinem Freundes- und Bekanntenkreis nach Abnehmern der illegalen Substanzen zu suchen.

Bislang hat sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen geäußert; dafür aber eine inzwischen 17-Jährige, die 2023/2024 nach eigenen Angaben in der Wohnung des Mannes mehrfach in den Abendstunden zusammen mit anderen jungen Menschen gewesen war.

Aussagen sind nicht deckungsgleich

Sie hätte nicht um Drogen betteln müssen. Vielmehr hätten diese auf einem Teller gelegen, der bei den Treffen auf dem Tisch gestanden habe. Der Kontakt zu dem Mann sei über den Sohn zustandegekommen. Sie selbst sei bei der ersten Begegnung 13 Jahre alt gewesen, aber habe bereits zuvor Betäubungsmittel konsumiert. Der Beschuldigte habe mit ihnen gemeinsam die Drogen genommen: "Der war dann ziemlich aufgeputscht." Ob sie etwas für den Stoff zahlen musste? Bei der polizeilichen Vernehmung vor zwei Jahren hatte sie noch angegeben, dass kein Geld im Spiel gewesen sei. Am Mittwoch in der Gerichtsverhandlung stellte sie das anders dar: "Ich habe für die Drogen bezahlt."

Zur Sprache kam in der Gerichtsverhandlung auch ein Aspekt, der bislang noch keine Rolle im Verfahren gespielt hatte. So soll der Angeklagte die Polizei im Mai 2024 informiert haben, dass er in Stade nahe einer Tankstelle angegriffen worden sei. Vier Polizeibeamte kamen daraufhin zum angeblichen Tatort und befragten auch eine Minderjährige: Diese hatte - so hieß es gestern bei der Aussage zweier Polizeibeamter - angegeben, dass der Angeklagte ihr Betäubungsmittel verkaufen wollte.

Der Prozess wird am Freitag, 3. Juli, um 10.15 Uhr vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichtes fortgesetzt. 

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