Teilnehmer einer Kundgebung des Aktionsbündnisses Psychotherapie demonstrieren am Gesundheitsministerium gegen die Kürzungen der Honorare ambulanter Psychotherapeuten. Foto: dpa/Stache
Teilnehmer einer Kundgebung des Aktionsbündnisses Psychotherapie demonstrieren am Gesundheitsministerium gegen die Kürzungen der Honorare ambulanter Psychotherapeuten. Foto: dpa/Stache
Aufruhr in der Branche

Psychotherapeuten im Kreis Cuxhaven besorgt: "Fatales Signal" - Folgen für Patienten

von Märthe Werder | 31.03.2026

Die geplante Honorarkürzung in der ambulanten Psychotherapie sorgt für Aufruhr: Während der Bedarf an Behandlungen stetig wächst, stehen Therapeuten vor Mehrarbeit bei weniger Vergütung. Im Kreis Cuxhaven sind Psychotherapeuten besorgt.

"Dies ist ein fatales Signal an unsere Berufsgruppe und gleichsam ein Schlag ins Gesicht aller Kollegen, welche Tag für Tag mit psychisch kranken Menschen arbeiten, um diese wieder auf die Beine zu stellen", sagt die Psychologische Psychotherapeutin Susann Herzog. Der Spitzenverband Bund der Krankenkassen (GKV) hatte am 11. März 2026 eine Honorarkürzung in der ambulanten Psychotherapie von 4,5 Prozent beschlossen. Die Kürzungen beginnen ab Mittwoch (1. April 2026).

"In Zeiten eines hohen und weiter steigenden Bedarfs nach psychotherapeutischer Versorgung ist es unverantwortlich, den Leistungserbringenden das Honorar zu kürzen", heißt es in einer Stellungnahme der Ärztekammer Niedersachsen und der Psychotherapeutenkammer Niedersachsen. Immer mehr Menschen, darunter auch viele Kinder und Jugendliche, würden mit Symptomen psychischer Erkrankungen kämpfen.

Bereits lange Wartelisten auf einen Platz

"Psychische Erkrankungen liegen derzeit auf Platz drei der Erkrankungsgruppen, die die meisten Ausfalltage in der Berufswelt verursachen", betont Jochen Timmermann. Der Facharzt ist Gründer und Gesellschafter des Medizinischen Versorgungszentrums Timmermann und Partner sowie Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des Bundesverbandes Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie (BDPM).

Jochen Timmermann vom MVZ Timmermann und Partner. Archivfoto: May

Im MVZ Timmermann und Partner gibt es aktuell bereits eine lange Warteliste. "Insbesondere im Bereich der Kinder- und Jugendpsychiatrie ist mit dem Ende der Corona-Pandemie die Nachfrage deutlich gestiegen", erklärt Timmermann. Die Kürzungen würden bedeuten, dass im MVZ Mehrarbeit für weniger Geld geleistet werden müsse. "Das in einer Situation, in der Therapeutinnen und Therapeuten schon jetzt am Limit arbeiten und wir händeringend nach neuen Psychotherapeuten suchen."

Besonders im ländlichen Gebiet seien die Wartezeiten auf einen Psychotherapieplatz lang, beschreibt Nanke Grein vom Zentrum für Sozialpsychiatrie und Nervenheilkunde am Ostebogen in Hemmoor. Problematisch sei zudem, Fachpersonal im ländlichen Bereich zu halten, erklärt sie.

Psychologische Psychotherapeutin Nanke Grein vom Zentrum für Sozialpsychiatrie und Nervenheilkunde am Ostebogen in Hemmoor. Archivfoto: Grein

Langfristige Folgen

Langfristig geht Grein davon aus, dass es weniger Fachpersonal und demnach noch längere Wartezeiten geben werde. Timmermann vermutet, dass bundesweit weniger Termine zur Verfügung stehen werden. Er sieht zudem Folgen direkt für Patienten und die Gesellschaft, wenn Patienten noch länger auf einen Therapieplatz warten müssen: "Das kann zu einer Verschlechterung ihres Gesundheitszustandes, zur Chronifizierung und Arbeitsunfähigkeit führen." Auch Grein sagt: "Gerade für psychische Erkrankungen wie Depressionen ist inzwischen hinreichend bekannt, dass eine Chronifizierung durch fehlende Behandlungen sowohl die Behandlung erschwert als auch gesamtwirtschaftlich dadurch ein großer Schaden entstehen kann." Besonders im Bereich der Gesetzlichen Krankenkassen werde sich die Versorgungslage zudem zuspitzen, meint Herzog.

Timmermann blickt besorgt in die Zukunft: "Wir werden insbesondere beim Nachwuchs durch die Kürzungen ein Problem bekommen." Wirtschaftliche Attraktivität sei wichtig bei der Berufswahl. "Dazu müssen wir uns die Frage stellen, was es mit der Gesellschaft macht, wenn Menschen keine Möglichkeit mehr haben, ihre Leiden behandeln zu lassen", sagt Timmermann.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Nachrichten-Newsletter

Hier können Sie sich für unseren CNV-Newsletter mit den aktuellen und wichtigsten Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven anmelden.

Die wichtigsten Meldungen aktuell


Märthe Werder

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

mwerder@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Blutspender sind "Lebensretter"

"Eine tolle Quote": Beamte spenden bei gemeinsamer Aktion in Cuxhaven Blut

von Tim Larschow

Im Gebäude des Landkreises wurde eine Blutspendeaktion für Mitarbeitende der Cuxhavener Behörden und Institutionen veranstaltet. Der Koordinator des DRK-Blutspendedienstes betont, wie wichtig solche Termine sind.

Buckelpisten im Verkehr

Stadt und Landkreis Cuxhaven voller Schlaglöcher: Das sind die schlimmsten Straßen

von Christian Mangels

Der Winter ist längst vorbei, seine Spuren aber sind geblieben: Viele Straßen in der Stadt und im Landkreis Cuxhaven sind mit Schlaglöchern übersät. cnv-medien.de hat gefragt: Wo sind die krassesten Huckelpisten? Zahlreiche Leser folgten dem Aufruf.

Tonaufnahme rückt in den Fokus 

Anklage wegen versuchter Anstiftung zum Mord in Dorum: "Ich bin der Vater einer Hure"

von Denice May

Vor dem Landgericht Stade muss sich ein 46-Jähriger aus Dorum wegen versuchter Anstiftung zum Mord verantworten. Am vierten Verhandlungstag stand ein Telefonmitschnitt im Mittelpunkt der Beweisaufnahme.

Was sie zur Situation sagen

"In Sicherheit bringen": Vier Jahre Krieg - Kreis Cuxhaven nimmt weiter Ukrainer auf

von Märthe Werder

Seit vier Jahren herrscht Krieg in der Ukraine. Der Kreis Cuxhaven ist für einige Ukrainer zur neuen Heimat geworden. Sie lernen Deutsch, suchen Arbeit. Noch immer besteht der Flüchtlingsstrom: Manche Ukrainer sind erst seit kurzer Zeit im Cuxland.