Schadstoffbelastung an Exponaten bremst Sanierung in Hemmoor aus
Die geplante Sanierung des Hemmoorer Zementmuseums läuft alles andere als rund. Nur durch eine neue "Schonfrist" für Zuschüsse in einer Größenordnung von 300.000 Euro kann (oder könnte) sie überhaupt noch erfolgen.
Die Sanierung des Hemmoorer Zementmuseums zieht sich wie ein Kaugummi: Erneut ist die Frist verlängert worden, in der die Kommune die Maßnahmen eigentlich beendet und die Kosten für die Auszahlung der Fördermittel abgerechnet haben müsste. Der Grund für die wiederholte Verzögerung: eine Schadstoffbelastung der Farben an den schäbigen Exponaten. Und bei dem Thema schrillen bei Firmen die Alarmglocken.
Frage: Der Unterschied zwischen der Sanierung eines alten Hauses und des Hemmoorer Zementmuseums? Antwort: Gibt es nicht. Beides sind Wundertüten. Doch das war es dann auch schon mit den Gemeinsamkeiten, denn in Hemmoor wurde ziemlich viel Zeit verplempert, um irgendwann das Museum wieder auf Vordermann zu bringen. Ein Hausbesitzer hätte sich das aus privaten Mitteln wohl gar nicht leisten können.
Der Hintergrund: Vor acht Jahren war in der Stadt die Notwendigkeit erkannt worden, dass saniert werden müsste. Mitte Februar 2018 hieß es in einem einstimmig getroffenen Beschluss des Stadtrates auch folgerichtig, dass dort etwas geschehen solle. Danach begab man sich im Rathaus auf die Suche nach Zuschüssen für das Vorhaben. Und siehe da: 2023 trudelte ein Bewilligungsbescheid über eine Fördersumme von 300.000 Euro ein.
Ist das Kultur oder kann das weg?
Eigentlich ein Grund zur Freude, aber irgendwie wurde dies in der Politik zur Randnotiz und auch nicht weiter thematisiert. Still ruhte der See, bis ein Jahr später die Verwaltung endlich Klarheit wollte: Würde man auch die monetäre Gegenleistung aufbringen, denn mit 300.000 Euro allein hätte es keine 100-Prozent-Finanzierung gegeben. Als notwendige Eigenmittel standen zunächst 130.000 Euro im Raum. Aber ob die inzwischen reichen? Das ist mehr als fraglich.
In einer Verwaltungsvorlage stand 2024 - vom Behördendeutsch in den Klartext übersetzt - unter anderem: Entweder packen wir das Projekt jetzt an oder wir verschrotten die Exponate als Altmetall. Oder anders formuliert: Ist das Freilichtmuseum Bestandteil der industriellen Hemmoorer Kultur oder kann das weg?
Der Weckruf wirkte, die Politik bekannte sich zu dem Vorhaben und Angebote wurden eingeholt. Dabei ging es aber nicht nur um punktuelle Maßnahmen, sondern neben den zahlreichen Exponaten auch um die Außengestaltung des Geländes und die Zukunft des Museums in der "Zementschute III", in der es eine (mittlerweile weitgehend geschlossene) Ausstellung gibt. In den Hintergrund getreten ist inzwischen eine insgesamt moderne museumspädagogische Neuausrichtung.
Eigentlich hätten die meisten Maßnahmen schon Ende Juni dieses Jahres erledigt sein sollen, um immerhin drei Jahre nach der Fördermittel-Zusage auch etwas konkret vorweisen und abrechnen zu können. Doch daraus wurde und wird so schnell nichts. Im September räumte Verwaltungschef Jan Tiedemann bereits ein, dass es "weitere Schadstoffuntersuchungen" hinsichtlich der verwendeten Farben bei den Exponaten geben müsse, die man abtragen wolle und müsse.
"Fristverlängerung bis Ende Mai 2027"
Auf der jüngsten Stadtratssitzung in der vergangenen Woche legte er nach und erläuterte, dass es nur wenige Experten auf diesem Gebiet geben würde. Die Erarbeitung eines notwendigen "Arbeits- und Sicherheitsplanes" laufe nun aber in enger Abstimmung mit der Firma für die Sandstrahl- und Malerarbeiten.
Die Hoffnung, dass ein gewährter Aufschub der Fördermittelstelle bis zum Jahresende ausreichen würde, habe sich jedoch nicht erfüllt. Fallen jetzt aber die eingeplanten und notwendigen Fördermittel in einer Dimension von 300.000 Euro weg? Nein, denn: "Uns wurde eine Fristverlängerung bis Ende Mai 2027 gewährt."
Dann ist ja alles in bester Ordnung - oder etwa nicht? Nicht so ganz: Von der Ausführung der Sanierung an den Exponaten hängt auch ab, wann denn überhaupt das Außengelände neu gestaltet werden kann.
Beim dann inzwischen vierjährigen Hürdenlauf zur Sanierung gibt es daher nur eine Verschnaufpause; mehr aber auch nicht.
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