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Ziehende Kraniche lassen sich zurzeit gut beobachten. Sie ruhen sich zum Beispiel im Bereich Arensch und Berensch aus. Foto: Kai Pätzke
Ziehende Kraniche lassen sich zurzeit gut beobachten. Sie ruhen sich zum Beispiel im Bereich Arensch und Berensch aus. Foto: Kai Pätzke
18. Zugvogeltage

Cuxhavens Vogelguckerin: "Die Kugelbake ist der Premiumspot zum Vogelgucken"

von Wiebke Kramp | 11.10.2026

Silke Hartmann lebt für die Vogelwelt: Bei den Zugvogeltagen am Wattenmeer teilt sie ihr Wissen über die faszinierenden Flugrouten von Sanderlingen, Tannenhähren und anderen Arten mit Interessierten.

Silke Hartmann (45) ist Vogelguckerin. So nennt sich die Buch-Autorin ("Die Superkräfte der Vögel") auf ihren Online-Portalen, auf denen sie andere zur Vogelbeobachtung motivieren möchte und die Wunder der Vogelwelt beleuchtet. Und sie ist mit Leib und Seele Wahl-Cuxhaverin.

Hierhin zog es sie nicht zuletzt der Vögel wegen. Und besonders jetzt zum Herbstzug fühlt es sich richtig gut an: "Unser Wattenmeer ist schließlich weltweit der krasseste Vogel-Hotspot." Seit drei Jahren lebt sie mit ihrem Mann hier oben und ist den Vögeln mit Fernglas und Spektiven auf der Spur. "Die Kugelbake ist der Premiumspot zum Vogelgucken", weiß die Expertin und ist froh, in Döse nicht weit weg vom Wahrzeichen und dem Weltnaturerbe Wattenmeer zu wohnen. Spaß hat die Vogelguckerin am Beobachten von kleinen Sanderlingen. Der rastlose Watvogel hat seine Brutgebiete in der arktischen Tundra verlassen und tummelt sich jetzt den Winter über bei uns am Strand und im Watt. Mit trippelnden Schritten laufen die possierlichen Vögel in kleinen Gruppen auf der Suche nach Futter an der Wasserkante entlang.

Mehr als nur Seevögel lassen sich zurzeit gut beobachten. Immer wieder tauchen hier auch seltene Vögel auf. Diesmal sind es der Tannenhäher, die sich in Cuxhaven und Neuwerk haben blicken lassen. Der zu den Rabenvögeln zählende Vogel mit langem, spitzen Schnabel ist eigentlich eher im Mittelgebirgsraum beheimatet. Augen aufhalten sollte man bei Spaziergängen oder im eigenen Garten. Jetzt ziehen auch die Singvögel durch wie Rot- und Singdrosseln, Rotkehlchen und die kleinen Wintergoldhähnchen. Entgegen landläufiger Meinung gebe es auch bei Amseln Zugbewegungen: "Die mischen sich häufig durch - es gibt Gäste aus dem Norden sowie auch Vögel, die Kurzstrecke ziehen - die Weibchen öfter als die Männchen, Junge mehr als Ältere.",

Vogelguckerin Silke Hartmann mit Spektiv am Döser Strand am Rande des Weltnaturerbes Wattenmeer. Foto: Kramp

Bei Silke Hartmann dreht sich alles um die gefiederten Tiere, vom Onlinekurs über das Vogelstimmen-Wochenende bis zum Podcast. Bevor sie sich intensiver mit der Vogelwelt beschäftigte, hat sie als Kommunikationsberaterin in Verlagen gearbeitet. Der Weg nach Cuxhaven führte vom Studium in Bremen über Stationen in Stuttgart, Irland und Göttingen.

Enormes Leistungsvermögen der Tiere

Gerade jetzt zur Zugzeit ist ihre Begeisterung groß:  Tausende Zugvögel rasten hier schließlich auf ihrer langen Reise zwischen Arktis und Afrika. Die 18. Vogelzugtage im niedersächsischen Nationalpark Wattenmeer sind angelaufen und dauern noch mit verschiedenen Veranstaltungen und Exkursionen bis 18. Oktober. Das Programm ist online  unter vogzugeltage.de einsehbar. Auch Vogelguckerin Silke Hartmann beteiligt sich aktiv und hält am Dienstag, 13. Oktober, um 18.30 Uhr im Wattenmeer-Besucherzentrum in Sahlenburg einen Vortrag zum Vogelzug.

Den findet sie nämlich selbst äußerst spannend und staunt über das enorme Leistungsvermögen vieler Vogelarten wie der Küstenseeschwalbe.  Als Pendlerin zwischen Arktis und Antarktis hält der diesjährige Wappenvogel den Rekord. Beeindruckend findet sie aber auch das Leistungsvermögen von Pfuhlschnepfen. "Das sind auch Rekordzieher", weiß Silke Hartmann: "Die fliegen nonstop neun bis zehn Tage von Alaska nach Neuseeland." Wie sie das physisch schaffen, sei ein Mysterium. "Und das Erste, wenn sie ankommen, ist nicht fressen, sondern schlafen", schmunzelt die Ornithologin. Der aktuelle Weltrekord einer jungen Pfuhlschnepfe beträgt rund 13.560 Kilometer ohne Pause und Nahrungsaufnahme zwischen Alaska und dem australischen Tasmanien vom Oktober 2022.

Silke Hartmann weiß, dass viele Zugvogelarten einen sogenannten sechsten Sinn nutzen. Sie nehmen das Erdmagnetfeld visuell wahr, das ihnen als Langstrecken-Kompass dient. Andere, vor allem größere Arten wie Gänse oder Kraniche orientieren sich auch anhand von Landmarken und geben dieses Wissen an ihren Nachwuchs weiter. Und auch Sonne und Sterne spielen als Leitzeichen bei einigen Vögeln eine Rolle. Dass bei ihnen der Vogelzug in den Genen liegt, wird laut Silke Hartmann besonders beim Kuckuck deutlich, der ja ohne eigene Eltern aufwächst und sich aus eigenem Antrieb im Herbst auf den Weg gen Afrika macht.

Gespannt ist die Vogelkundlerin, ob der Raum Cuxhaven auch diesmal wieder beim Aviathlon so gut abschneidet wie in den zurückliegenden Jahren. Während der 18. Zugvogeltage wird wieder der beliebte Wettstreit zwischen den Inseln und Regionen um die Anzahl der beobachteten Vogelarten ausgetragen. Dabei geht es darum, wo die meisten Vogelarten beobachtet werden und die Artenvielfalt am größten ist. Auch sie selbst ist dabei aktiv.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

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