Seine Karriere begann in Cuxhaven: Beat-Legende Bernd Zamulo ("The Lords") ist tot
Von Cuxhaven auf die großen Bühnen Deutschlands: Bernd Zamulo, langjähriger Bassist und Sänger der Band "The Lords", ist gestorben. Weggefährten erinnern an seine frühen Jahre bei den "Rhythm Brothers" und die Anfänge der Beatmusik an der Küste.
Einer von ihnen ist Klaus Lukas. Der heute 86-Jährige war Mitgründer und Manager der Cuxhavener Beat-Band "The Rhythm Brothers", bei der Bernd Zamulo Anfang der 1960er-Jahre einstieg. Die Erinnerungen an jene Zeit sind für Lukas bis heute lebendig. "Bernd war schon damals ein außergewöhnlicher Musiker", erzählt der Wingster. "Er hatte nicht nur Talent am Bass, sondern auch eine starke Bühnenpräsenz."
Zur Musik kam Zamulo durch seinen Freund Rolf "Zotty" Brockhoff. Der junge Malergeselle aus Cuxhaven lernte zunächst Gitarre, bevor er bei den "Rhythm Brothers" zum Bass wechselte. "Ich hatte noch nie einen Bass in der Hand gehabt", erinnerte sich Zamulo später. Doch schon nach kurzer Zeit entwickelte er sich zu einem der musikalischen Motoren der Band. Sein erster großer Auftritt wurde legendär: Bei einem Tanztee in Otterndorf sang er mehrfach hintereinander Roy Orbisons "Sweet Dream Baby" und begeisterte das Publikum derart, dass die Zuschauer Zugaben verlangten. "Da war es um mich geschehen", sagte Zamulo rückblickend. "Applaus ist das Schönste, was man kriegen kann."

Die "Rhythm Brothers" gehörten in den frühen Jahren der Beatmusik zu den bekanntesten Bands der Region. Gegründet 1961, erspielte sich die Gruppe mit ihrem vom Hamburger Star-Club inspirierten Sound rasch einen Namen weit über das Cuxland hinaus. Auftritte führten die Musiker nach Bremerhaven, Bremen, Osterholz-Scharmbeck, Osnabrück und Düsseldorf. Ihr Werbeslogan lautete: "The Rhythm Brothers with the original Mersey-Beat".
Besonders erfolgreich war die Band mit dem Titel "Don't Ha, Ha, Ha", den sie bereits spielte, bevor die spätere Beat-Größe Casey Jones damit bekannt wurde. Zum Repertoire gehörten außerdem Klassiker wie "My Bonny", "Skinny Minny", "Hippy Hippy Shake" und "Hey Baby". Englisch konnten die Musiker nach eigener Aussage kaum. Die Liedtexte wurden oft lautmalerisch aufgeschrieben und auswendig gelernt.
Einen Höhepunkt ihrer Karriere erlebten die "Rhythm Brothers" im Dezember 1963 beim großen Kapellenwettstreit im legendären Hamburger Star-Club. Dort traten sie gegen rund 30 der besten deutschen Beatbands an. Zwar reichte es am Ende nur für einen Platz im Mittelfeld, doch allein die Teilnahme galt als Auszeichnung. Zamulo gehörte damals bereits zur festen Besetzung der Gruppe.

Die Band war in jener Zeit nahezu ständig unterwegs. Anfangs reisten die Musiker mit einem Opel Caravan, später mit VW-Bus und Ford Transit zu ihren Auftritten. Nach Konzerten in Bremerhaven oder Bremen fuhren sie häufig noch nachts nach Hamburg, um im Star-Club die neuesten Trends der internationalen Beatmusik aufzusaugen. "Wir waren wie ein trockener Schwamm und haben alles aufgesogen", erinnerte sich Zamulo später.
In Düsseldorf lernten die Cuxhavener die "Lords" kennen
Mitte der 1960er Jahre wurden die "Rhythm Brothers" zeitweise sogar zur Profi-Band und absolvierten Monatsengagements in Osnabrück und Düsseldorf. Dort kam es zu einer Begegnung, die Zamulos Leben verändern sollte. Während eines Engagements im Düsseldorfer "Club 99" lernten die Cuxhavener die bereits bundesweit erfolgreichen "Lords" kennen. Nachdem deren Bassist Knud Kuntze bei einem Verkehrsunfall schwer verletzt worden war, sprang Zamulo kurzfristig für einen Fernsehauftritt in der ZDF-Sendung "Drehscheibe" ein. Er meisterte die Aufgabe mit Bravour, kehrte anschließend jedoch zunächst zu seinen "Rhythm Brothers" zurück.
Als sich die Cuxhavener Band 1965 auflöste, fragten die "Lords" erneut an. Während eines Konzerts in Cuxhaven überzeugte Sänger Ulli Günther den Norddeutschen schließlich zum Wechsel nach Berlin. Mit seinen Fähigkeiten als Bassist, Sänger, Gitarrist und Pianist erwies sich Zamulo schnell als große Verstärkung der erfolgreichen Beat-Band.
Mit Hits wie "Shakin' All Over", "Poor Boy" oder "Gloryland" feierten die "Lords" große Erfolge und gehörten zu den wichtigsten Vertretern der deutschen Beatbewegung. Über Jahrzehnte blieb Zamulo der Band treu. Erst 2019 zog er sich aus gesundheitlichen Gründen von der Bühne zurück.

Auch nach seinem Wechsel zu den "Lords" verlor Zamulo die Verbindung zu seinen musikalischen Wurzeln nie ganz. Anfang der 1970er Jahre gründete er gemeinsam mit ehemaligen "Rhythm Brothers"-Kollegen wie Rolf Brockhoff und Achim Brierley die Band "Sitting Bull". Die Gruppe veröffentlichte eine erfolgreiche LP, die sogar den Sprung in die Albumcharts schaffte.
Klaus Lukas verfolgte die Karriere seines ehemaligen Schützlings stets mit Stolz. "Natürlich waren wir stolz, als Bernd den Sprung zu den Lords geschafft hat", sagt er. "Für uns war das etwas ganz Besonderes. Er hat gezeigt, dass man auch von Cuxhaven aus den Weg in die deutsche Musikgeschichte schaffen kann."
Mit "Lord Bernd", wie ihn viele nannten, verliert die Beat-Szene einen ihrer markanten Vertreter. Er starb im Mai im Alter von 79 Jahren im niederländischen Nederweert. In Cuxhaven bleibt er vor allem als einer der "Rhythm Brothers" in Erinnerung - als junger Musiker, der den Sound einer ganzen Generation mitprägte und dessen Weg von der Nordseeküste bis auf die großen Konzertbühnen führte.
Suche nach Bandmitgliedern
Klaus Lukas, der frühere Manager der "Rhythm Brothers", denkt gern an die alten Beat-Zeiten zurück. Er ist auf der Suche nach den ehemaligen Bandmitgliedern Hans-Christian "Pipo" Krüger aus Bremervörde (Schlagzeug) und Herbert Fischer aus Bremerhaven (Gitarre). Von ihnen fehlt seit vielen Jahren jede Spur. "Wer kann etwas über den Verbleib der beiden Musiker sagen?", fragt Lukas. Hinweise nimmt unsere Redaktion unter der E-Mail-Adresse mangels@cnv-medien.de entgegen.
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