Seniorenheime in Hemmoor und Ihlienworth: So geht es nach dem Insolvenzantrag weiter
Die Nachricht war ein Paukenschlag: Was wird aus den beiden Seniorenheimen in Ihlienworth und Hemmoor? Es geht um 120 Heimplätze und ebenso viele Beschäftigte. Unsere Redaktion hat mit der Geschäftsführung gesprochen.
Die Nachfrage nach einer stationären Betreuung von Senioren und Pflegebedürftigen wächst; nicht zuletzt angesichts der älter werdenden Bevölkerung. Eine wesentliche Bedeutung kommt dabei der Möglichkeit nach stationären Betreuungsmöglichkeiten zu, die die Diakonie seit Jahrzehnten im Cuxland durch das "Huus Ihlienworth" und das "Huus am Stadtpark" (Hemmoor-Basbeck) bietet. In jeder Einrichtung sind nach Angaben des Diakonie-Geschäftsführers Torsten Wieting Einzel- und Doppelzimmer für rund 60 Bewohnerinnen und Bewohner vorhanden. Bei insgesamt 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liege auch die Zahl der Beschäftigten.
"Belastungen aus der Vergangenheit"
Die dortigen Teams erfuhren am Freitag per E-Mail und am Montag auch persönlich, dass es bei der Betriebsführung einen Einschnitt gibt. So hatte die "Evangelische Dienste Lilienthal gemeinnützige GmbH" als Trägerin von drei Pflegeheimen sowie einer Ausbildungseinrichtung in den Landkreisen Osterholz und Cuxhaven und auch der "Parkstift Osterholz gGmbH" beim Amtsgericht Verden einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens in Eigenverwaltung gestellt.
Das Amtsgericht Verden hat nach Unternehmensangaben die "vorläufige Eigenverwaltung" angeordnet und Rechtsanwalt Dr. Malte Köster aus der renommierten Bremer Kanzlei "Kösterberner" in den Verfahren zum "vorläufigen Sachwalter" bestellt.
Auslöser des Antrags sollen nach Darstellung der "Evangelische Dienste Lilienthal gGmbH" keine "operativen Probleme, sondern finanzielle Belastungen aus der Vergangenheit" sein, die "im Rahmen der aktuellen strategischen Ausrichtung des Unternehmens nicht mehr aufgefangen werden konnten". Das Verfahren der Eigenverwaltung sei "ausdrücklich auf die Sanierung und langfristige Stabilisierung des Unternehmens ausgerichtet". Alle Einrichtungen würden "uneingeschränkt" weitergeführt. Die Versorgung der Bewohnerinnen und Bewohner sei "vollumfänglich sichergestellt".
Insgesamt sollen in der Unternehmensgruppe rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter tätig sein; die Fortzahlung der Löhne und Gehälter sei gesichert.
Es gab einen "Zeitpunkt X"
Aber was steckt hinter dieser Schieflage? Nach eigenen Angaben ist Torsten Wieting erst seit September vergangenen Jahres als Geschäftsführer bei der Diakonie tätig und hat sich seinen Start sicherlich auch ganz anders vorgestellt. Im Gespräch mit der Redaktion der Niederelbe-Zeitung/Cuxhavener Nachrichten erklärte Wieting am Mittwoch, dass es einen "Zeitpunkt X" gegeben habe, an dem gehandelt werden musste: "Wir hatten alles analysiert, bewertet und haben dann die notwendigen Maßnahmen in die Wege geleitet." Es wäre nicht verantwortbar gewesen, wenn es noch Verzögerungen gegeben hätte, bevor ein Insolvenzantrag in Eigenverwaltung eingeleitet worden wäre: "Wir haben gehandelt, um rechtzeitig reagieren und notwendige Prioritäten setzen zu können."
Im pflegerischen Bereich seien die Einrichtungen "gut aufgestellt", was auch bei Überprüfungen attestiert worden sei. Doch organisatorisch sei ein Umsteuern notwendig, um nicht in schwieriges Fahrwasser zu geraten. Torsten Wieting betrachtet den Insolvenzantrag als eine Möglichkeit, "von einer anderen Grundlage neu durchzustarten". Der Geschäftsführer: "Diese Situation sehe ich als die Möglichkeit eines Aufbruchs." Es gehe darum, sich neu zu sortieren und Schwerpunkte anders zu setzen, damit die Einrichtungen mittel- und langfristig solide aufgestellt seien.
Schließungen "nicht beabsichtigt"
Für die Beschäftigten, die Bewohner und auch deren Familien oder Betreuer werde es während der Restrukturierungsmaßnahmen keine Veränderungen geben. Der Betrieb laufe wie gewohnt weiter; die Gehaltszahlungen seien über ein halbes Jahr hin gesichert. Lediglich bei der Auszahlung des aktuellen Gehaltes habe es eine Verzögerung von wenigen Tagen gegeben. Dies sei jetzt aber auch behoben worden.
Beteiligt auf dem Weg in die Zukunft ist auch eine Bremer Kanzlei, die am Mittwoch auf eine Anfrage unserer Redaktion reagierte und verdeutlichte: "Die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebes, das heißt die Betreuung der Bewohner an allen Standorten, ist uneingeschränkt gesichert. Ebenso die Zahlung der Gehälter der Mitarbeitenden." Einschränkungen der bislang stets "beanstandungsfreien und qualitativ hochwertigen Dienstleistung" seien daher nicht zu erwarten. Standortschließungen seien gegenwärtig nicht beabsichtigt.
