Social-Media-Verbot für Kinder: Forderungen nach Prävention statt Verbot werden laut
In der Politik werden die Rufe nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche lauter. Einig sind sich viele, dass Kinder unter 14 Jahren keinen Zugang zu sozialen Netzwerken erhalten sollten - so auch die Regierungsparteien CDU und SPD.
In der Politik werden die Rufe nach einem Social-Media-Verbot für Kinder und Jugendliche lauter. Wen ein Verbot konkret treffen würde und wie es umgesetzt werden könnte, ist dabei noch unklar. Einig sind sich jedoch viele, dass Kinder und Jugendliche unter 14 Jahren keinen Zugang zu sozialen Netzwerken erhalten sollten - so auch die Regierungsparteien CDU und SPD.
Der Landesjugendring Niedersachsen (LJR) kritisiert diese Pläne für Social-Media-Beschränkungen und sieht den größeren Erfolg eher in Projekten, die die Medienkompetenz stärken und über die Gefahren im Netz informieren - genau das, was etwa das Präventionsteam der Polizeiinspektion Cuxhaven leistet. Der LJR ist ein Zusammenschluss der 19 landesweit organisierten niedersächsischen Jugendverbände. Ferner unterstützt er das ehrenamtliche Engagement von 50.000 Jugendleitern in der Kinder- und Jugendarbeit in Niedersachsen.
Der LJR warnt davor, junge Menschen durch Verbote pauschal von der gesellschaftlichen Teilhabe im digitalen Raum auszuschließen. Statt die Rechte von Kindern einzuschränken, fordert der Landesjugendring eine konsequente Regulierung der Anbieter. "Nicht die Kinder sind das Problem, sondern die Geschäftsmodelle der Plattformen", heißt es in einer Pressemitteilung. Gefordert werden unter anderem die Einbeziehung junger Menschen und ihrer Erfahrungen in die politische Debatte sowie die Verpflichtung der Anbieter zu datensicherer, überwachungsarmer Nutzung und mehr Transparenz. Zudem müsse die Medienkompetenz gestärkt werden. Der LJR fordert eine massive Förderung qualifizierter medienpädagogischer Angebote, insbesondere auch in der außerschulischen Bildung.
Die Gefahren im Netz schon früh erkennen
Die Polizei äußert sich zwar grundsätzlich nicht zu politischen Themen, ist aber Expertin im Bereich Prävention. Gerade das Internet und Social Media bergen große Gefahren für Kinder, weiß Carsten Bode, Polizeihauptkommissar und Mitglied im Präventionsteam der Polizeiinspektion Cuxhaven. Er erklärt: "Aus polizeilicher Sicht sehen wir vor allem Risiken im Bereich der digitalen Gewalt und Kriminalität. Dazu zählen insbesondere Cybermobbing, Beleidigungen oder auch das unbefugte Verbreiten von Bildern und Videos." Zudem bestehe die Gefahr, dass Kinder von fremden Personen kontaktiert werden. "Darüber hinaus beobachten wir, dass persönliche und personenbezogene Daten häufig unreflektiert herausgegeben werden. Die Nutzer werden dann zu Opfern einer Straftat", so Bode.
Laut Bode lasse sich beobachten, dass Inhalte in sozialen Medien individuell angepasst und wiederholt angezeigt werden. Dies könne vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen dazu führen, dass sie sich sehr intensiv und unreflektiert mit bestimmten Inhalten beschäftigen. "Aus polizeilich-präventiver Sicht ist deshalb wichtig, ein Bewusstsein für diese Mechanismen zu schaffen und einen reflektierten Umgang zu fördern", sagt der Polizeihauptkommissar.
Prävention beginnt bereits in den Schulen
Außerdem kommen Kinder immer früher mit sozialen Medien in Kontakt und diese nehmen dann einen festen Bestandteil ihres Alltags ein. "Konflikte, die früher überwiegend im persönlichen Umfeld stattfanden, verlagern sich zunehmend in den digitalen Raum. Gleichzeitig steigt die Geschwindigkeit, mit der sich Konflikte verbreiten und eskalieren können", erklärt Carsten Bode.
Die Polizei ist daher regelmäßig in Schulen präsent und führt zielgruppenorientierte Präventionsveranstaltungen durch. Diese beginnen bereits in der Grundschule ab der dritten Klasse und werden in weiterführenden Schulen vertieft, teilweise auch in Form mehrtägiger Trainings. Thematisiert werden unter anderem der sichere Umgang mit sozialen Medien, strafrechtliche Konsequenzen sowie Möglichkeiten, sich im Ernstfall Hilfe zu holen. Ziel ist es, Kinder und Jugendliche frühzeitig zu sensibilisieren, ihnen Handlungssicherheit zu vermitteln und mögliche Konsequenzen ihres Handelns im Internet zu verdeutlichen.
Diese Maßnahmen werden in ein schulisches Konzept eingebettet und obligatorisch von Elternabenden begleitet. "Damit soll eine Vernetzung und Nachhaltigkeit erreicht werden, damit Eltern, Lehrkräfte und Polizei an einem Strang ziehen", sagt der Polizeihauptkommissar. Zudem sei zu beobachten, dass Streitigkeiten in sozialen Netzwerken in der Schule fortgesetzt werden oder infolge digitaler Provokationen sogar zu körperlichen Auseinandersetzungen führen. Aus polizeilicher Sicht sei es daher entscheidend, dass digitale Konflikte frühzeitig erkannt und ernst genommen werden, da sie unmittelbare Auswirkungen auf das reale Zusammenleben haben können.