Der pensionierte Rektor des Otterndorfer Gymnasiusm, Klaus Schnell, ist Vorsitzender der Tafel Cuxhaven. Foto: Kramp
Zu Weihnachten

Spenden-Aktion für die Tafel Cuxhaven: Warum die Helfer jetzt selbst Hilfe brauchen

von Wiebke Kramp | 29.11.2022

Cuxhaven. Ihre Kundschaft sind die Schwachen, die Armen und Kranken unserer Wohlstandsgesellschaft. Die ehrenamtlichen Helfer der Tafel Cuxhaven retten Lebensmittel - und geben sie für einen symbolischen Obolus ab. Jetzt brauchen sie selbst Hilfe.

Die Tafel Cuxhaven hilft bedürftigen Mitmenschen. Tafeln sind rein spendenfinanziert - also selbst auf Spenden angewiesen. Die Cuxhavener Nachrichten und die Niederelbe-Zeitung möchte mit ihrer diesjährigen Weihnachtsaktion während der Adventszeit in den Blick auf die wohltätige Arbeit der Tafel richten und um Spenden für von Armut betroffene Menschen bitten. Die zunehmende Inflation und die steigenden Energiepreise verschärfen die Situation für Personenkreise, die ohnehin in sozialer Bedrängnis sind. Darunter sind Rentner, Alleinerziehende, Arbeitslose, Aufstocker oder Geflüchtete. Die Möglichkeit, beim Einkauf zu sparen, verschafft diesen armutsbetroffenen Menschen einen kleinen finanziellen Spielraum - das ist besonders in so schwierigen wirtschaftlichen Zeiten wie diesen eine willkommene Unterstützung und hilft, den Alltag besser zu bewerkstelligen. Wir sprachen mit dem Tafel-Vorsitzenden Klaus Schnell.

Klaus Schnell aus Cuxhaven, als pensionierter Rektor sind Sie seit sieben Jahren Vereinsvorsitzender der Cuxhavener Tafel. Was motiviert Sie ganz persönlich, sich bei der Tafel zu engagieren?

Ich leiste gerne den bedürftigen Menschen Hilfe. Mir ist es in meinem Leben soweit gut gegangen, dass ich heute etwas abgeben kann und abgeben möchte. Zudem kommt es mit sehr entgegen, als Pensionär eine Aufgabe zu haben.

 Wann wurde die Cuxhavener Tafel gegründet?

2001 erfolgte die Gründung - damals war die Tafel in noch der Ohlroggestraße untergebracht. Von dort musste die Tafel zum Heringskai umziehen, als das Museum Windstärke 10 gebaut wurde.

 Wie viele Menschen versorgt die Cuxhavener Tafel mit Lebensmitteln?

Wir haben gegenwärtig knapp 1000 Menschen registriert. Das entspricht gut 425 Haushalten. Knapp die Hälfte sind Einzelpersonen, die andere Hälfte sind Familien, viele von ihnen mit Kindern.

Und aus welchen Ortschaften finden sie den Weg zu ihnen?

Wir nehmen Bedürftige an aus der Region Nordholz über Cuxhaven bis Cadenberge. Das ist auch die Region in der wir die Lebensmittelmärkte, Discounter oder Bäckereien anfahren.

Wie oft sind diese Fahrzeuge auf Tour?

Wir fahren regelmäßig von Montag bis Sonnabend mit zwei Fahrzeugen.

Sind die zur Verfügung gestellten Lebensmittel weniger geworden?

Es schwankt sehr - wir hatten im Sommer und Spätsommer eine Zeit, in der es sehr knapp geworden war mit Lebensmitteln, was unter anderem auch der Anlass war, die Neuaufnahme von Kunden zu stoppen.

Angesichts einer angestiegenen Zahl von Tafel-Kunden - nicht zuletzt vor dem Hintergrund zahlreicher Geflüchteter aus der Ukraine - mussten Sie diesen Aufnahmestopp verhängen. Gilt dieser immer noch?

Das war schmerzhaft, aber es ging nicht anders. Zum Glück können wir den Neuaufnahmestopp beenden. Aktuell nehmen wir ab Mittwoch,  30. November, und die folgenden Mittwoche wieder neue Kunden auf. Die Anmeldung mit den entsprechenden Bescheiden erfolgt jedoch ausschließlich in der Zeit von 11 bis 12 Uhr. Eine Ausgabe von Lebensmittel gibt es  an diesem Tag nicht. Die Ausgabe erfolgt für die Neukunden ebenfalls dienstags oder donnerstags.

 Armut in Deutschland bedeutet nicht, dass das Leben durch Hunger in unmittelbarer Gefahr ist. Aber Armut heißt, dass das Leben eingeschränkt und mit Verzicht verbunden ist. Wer ist denn berechtigt, bei Ihnen Kunde zu werden. Welche Nachweise müssen erfolgen?

Kunden müssen einen Nachweis erbringen, aus dem wir ersehen können, was für ein monatliches Netto-Einkommen sie beziehen. Dazu reichen in der Regel die Bescheide über das Arbeitslosengeld,  die Renten, SGB-Bescheide oder solche aus dem Asylbewerberleistungsgesetz. Die werden überprüft und im Verwaltungsprogramm aufgenommen. Rechtzeitig vor Ablauf müssen sie neu vorgelegt werden.
Ihre Tafel ist multikulturell - aus welchen Herkunftsländern kommt denn die Kundschaft?

Bei einem Drittel ist die Nationalität nicht festgelegt. Der Rest stammt aus insgesamt 17 Nationen - das war schon mal mehr, hat sich aber abgeschmälert. 277 Kunden kommen demnach aus Deutschland, 188 Personen aus der Ukraine, 98 aus Syrien und 58 aus Afghanistan, 14 aus Serbien und sieben aus Russland stammende Personen sind aktuell statistisch aufgeführt.

Wie klappt denn das Zusammenspiel, haben sie genügend Sprachmittler?

Mitunter ist es schon schwierig für zehn und mehr verschiedene Nationen kann man keine Sprachmittler vorhalten. Wir haben das Glück, dass wir zwei ukrainische Flüchtlinge im Ausgabeteam beschäftigen, die auch mit sehr viel Engagement dabei sind. Und die uns durchaus bei der Klärung von Problemen helfen können.

An welchen Tagen erfolgt die Lebensmittelabgabe, wie haben Sie dies organisiert?

Wir geben dienstag- und donnerstagvormittags jeweils von 8 bis 12 Uhr Lebensmittel aus, wobei wir diese Zeit in halbstündige Intervalle geteilt haben. Es wird immer eine bestimmte Anzahl von Kunden zugeordnet. Das wechselt von Woche zu Woche, sodass ein Kunde nicht nur morgens oder im letzten Intervall an die Reihe kommt. Diese Aufteilung wird an der Tür ausgehängt und ist auch immer auf der Homepage zu finden. Die Lage im Hafen hat sich übrigens bewährt. Dort ist die Anonymität unserer Kunden gewährleistet. Auf der einen Seite sind wir nur ein paar Gehminuten vom Bahnhof entfernt, aber die Lage im Hafen ist so, dass die Menschen, die zu uns kommen, nicht beim Schlangestehen beobachtet werden. Das ist bei anderen Tafeln in Ballungsgebieten anders. 

Wie viele ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind zurzeit tätig?

In der Halle am Heringskai arbeiten Montag bis Donnerstag rund 65 Mitarbeiter, dazu kommen noch circa 35 Fahrer und Beifahrer. Wir haben vier Bundesfreiwilligendienststellen, davon sind aber zurzeit nur zwei besetzt. Ich bin sehr dankbar über das ehrenamtliche Engagement und auch über unseren Vorstand, in dem mit großem gegenseitigen Verständnis zusammengearbeitet wird. 

Sie sind als Verein auf Spenden angewiesen. Wie schaffen Sie es denn, mit den gestiegenen Energie- und Spritpreisen klar zu kommen?

Also bislang haben wir ja noch keine andere Abrechnung bezüglich Gas und Strom bekommen - aber wir hatten alleine durch unsere Kühlregale, das Tiefkühlhaus und andere Geräte wie die Kistenspülmaschine, in der sämtliche grüne Kisten mit 80 Grad heißem Wasser gespült werden, um sie keimfrei zu machen, im Vorjahr Stromkosten von 11.000 Euro. Und wenn man jetzt davon ausgeht, dass man mindestens das doppelte zu berappen hat, kann man sich vorstellen, was da auf uns zukommt …

Wer unterstützt denn Ihre Tafel?

Sehr viele, das ist ganz toll. Ich möchte da gar nicht jemanden besonders hervorheben. Es sind viele Bürgerinnen und Bürger, die uns unterstützen, es sind kleine Vereine, mal ist ein Kindergarten dabei, viele Unternehmen, die uns großzügig mit Spenden bedenken und immer wieder Bürger, die einen runden Geburtstag feiern und statt Geschenken wünschen, dass für die Tafel gespendet wird. Ich kann da allen Spendern nur ganz herzlich danken im Namen unserer gesamten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Denn nur so können wir die Tafel aufrecht erhalten.

Spenden? So geht's

Bereits im achten Jahr starten die Cuxhavener Nachrichten und die Niederelbe-Zeitung in der Adventszeit die Aktion "CN-/NEZ-Leser helfen".  In diesem Jahr sammeln wir Spenden für "Die Tafel" in Cuxhaven. Über die Adventszeit begleiten CN und NEZ die Arbeit der Tafel und berichten über deren ehrenamtliches Engagement.

Wichtig: Vom 26. November bis zum 31. Dezember können Sie Spenden auf das Konto mit der IBAN DE52 2415 0001 0027 1111 11 bei der Stadtsparkasse Cuxhaven, BIC BRLADE21CUX, einzahlen. Empfängerin ist die Cuxhaven-Niederelbe Verlagsgesellschaft. Vermerken Sie bitte als Stichwort auf der Überweisung "CN/NEZ- Leser helfen". Spendenbescheinigungen stellt die Tafel Cuxhaven zum Ende der Aktion aus.

Wenn Sie eine Bescheinigung wünschen, geben Sie bitte Namen und Adresse auf dem Überweisungsträger an.

Unser Redaktionssekretariat leitet die Information dann an die Tafel weiter. Die Namen der Spenderinnen und Spender werden in unseren Zeitungen veröffentlicht. Wer das nicht wünscht, vermerkt dies bitte ebenfalls auf der Überweisung.  

Die Cuxhavener Tafel bedankt sich schon jetzt bei den Spenderinnen und Spendern. Denn für ihre Arbeit ist die ehrenamtliche Organisation dringend auf Spenden angewiesen. Nur so kann sie funktionieren.

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Wiebke Kramp

Redakteurin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

wkramp@no-spamcuxonline.de

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