Suche nach dem Autowrack: Wie Bremerhavens Feuerwehrtaucher ausgebildet werden
Wer Taucher der Berufsfeuerwehr Bremerhaven werden möchte, muss gut ausgebildet sein. Dazu gehört auch, ein Auto aus dem Hafenbecken zu bergen. Dass man dort fast nichts sieht, ist für die Männer schon jetzt normal. Unter Wasser zählen andere Sachen.
Das trübe Wasser des Labrador-Hafenbeckens liegt an diesem Montagvormittag ruhig vor Lucas Klöckner, Flemming Stüven und Felix Adebahr. Leichte Wolken ziehen über den ansonsten hellblauen Himmel, die gigantische Stahlbauhalle eines Schiffsbaubetriebes erhebt sich im Hintergrund, in der ursprünglich mal Teile für Offshore-Windräder gefertigt wurden.
Auf der Straße direkt an der Kaimauer parken zwei Fahrzeuge der Feuerwehr. Eines davon verfügt über einen Kran, mit dem sich schwere Lasten aus dem Wasser ziehen lassen, in dem anderen sind die Tauchgerätschaften verstaut. Mitten im Hafenbecken schwimmt eine rote Boje mit der sogenannten blau-weißen Alpha-Flagge. Sie signalisiert Schiffen: Hier sind Taucher im Einsatz.
Luca Klöckner, Flemming Stüven und Felix Adebahr sind angehende Feuerwehrtaucher. Dafür benötigt ein Feuerwehrmann eine zwölfwöchige Spezialausbildung. Diese beginnt in dem klaren Wasser der Taucherübungsanlage auf dem Gelände der zentralen Feuerwache, danach geht es ins oftmals recht trübe Freiwasser.
Taucher in Bremerhaven müssen Autowrack finden und "anschlagen"
Die angehenden Taucher haben in den vergangenen Wochen schon sehr viel gelernt. Doch das hier ist eine Premiere für sie: Sie müssen in das Hafenbecken des Fischereihafens, mit der Aufgabe, ein Autowrack zu finden und für die Bergung vorzubereiten. Die Feuerwehr hatte die Karosse vorher als Suchobjekt versenkt.
Wie unterscheiden sich die Aufgaben des Tauchers von denen eines klassischen Feuerwehrmannes? "Das ist etwas komplett anderes", berichtet Klöckner. Als Feuerwehrmann im Einsatz trage man zwar auch eine Maske und eine Atemluftflasche, das sei es dann aber auch schon mit den Parallelen. Das Element Wasser verlangt noch einmal ganz neue Fähigkeiten. "Das fängt schon bei der dreidimensionalen Orientierung unter Wasser an", sagt er mit tiefem Respekt.

Taucheranzug glänzt in der Sonne, als Lucas Klöckner die Stiege an der Kaimauer nach unten steigt. Im Wasser, das 13 Grad kalt ist, zieht er noch die Flossen über. Sekunden später zeigen nur noch aufsteigende Luftblasen an, wo sich der angehende Taucher der Feuerwehr befindet - dem Suchverfahren entsprechend verlaufen sie in Halbkreisen.
Unter Wasser sehen die Taucher kaum, was vor ihnen liegt
Unten im Wasser sieht Klöckner kaum etwas. Nur eine "trübe Brühe", wie er es beschreibt. Tauchen bei "Null-Sicht" heißt das in der Fachsprache. Andere Sinne sind dann gefragt. Man nimmt jedes Geräusch intensiver wahr. Das beständige Zischen beim Druckausgleich, das Blubbern der Luftblasen. Kaum hundert Meter weiter wird die "Alexander von Humboldt II" derzeit an der Kaimauer überholt. "Die Hammerschläge am Rumpf nimmt man unter Wasser deutlich wahr", erklärt der Feuerwehrmann. Der Boden des Hafenbeckens ist so glitschig wie Watt, in das man knietief einsinkt. Mit den Händen tastet er den Boden nach Gegenständen ab.

In sieben Metern Tiefe herrscht ein Wasserdruck von 1,7 bar. Hier ist er ganz auf sich allein gestellt. Die einzige Verbindung zur Welt über Wasser ist die Leine, die eine Telefonverbindung beinhaltet. Klöckner kommuniziert darüber mit seinen Kollegen Flemming Stüven und Felix Adebahr, die bei diesem Tauchgang in die Rollen des Sicherungstauchers und des Signalmanns wirken. In zwei weiteren Tauchgängen wechseln sie diese Positionen durch.

Seine Aufgabe erfüllt Lucas Klöckner übrigens mit Bravour. Genauso wie seine Kollegen Flemming Stüven und Felix Adebahr, die sich ebenfalls zu Feuerwehrtauchern ausbilden lassen. Sie alle finden bei "Null-Sicht" das Autowrack und befestigen die Gurte so, dass es der mobile Kran am Ufer hinausheben kann.
Taucherausbildung: Bei der Feuerwehr müssen sich alle aufeinander verlassen
Jürgen Winter ist als Feuerwehrlehrtaucher der "Ausbilder" für die drei neuen Taucher. Der Taucher-Lehrgang findet in der Regel alle zwei bis drei Jahre statt. Das Ziel ist, dass immer 37 ausgebildete Taucher der Feuerwehr Bremerhaven zur Verfügung stehen. Die dreimonatige Ausbildung ist sehr intensiv. Die angehenden Feuerwehrtaucher üben unter Wasser die Personensuche, das Bergen von Autos, verschiedene handwerkliche Arbeiten. Am 1. Juli soll der Taucher-Lehrgang abgeschlossen sein.
Der Theorieteil ist dabei ähnlich umfassend wie der praktische Teil, der in verschiedenen Gewässern in der Region stattfindet. Laut Winter sind Teamfähigkeit, mentale Stärke und eine besondere körperliche Fitness Eigenschaften, die ein Feuerwehrtaucher mitbringen muss. Unter Wasser die Ruhe zu bewahren, egal was passiert, sei eine Schlüsselqualifikation. Bei der Feuerwehr muss man sich auf den Kollegen verlassen können, bei jedem Einsatz, daher ist der Zusammenhalt auch so groß. Bei den Tauchern ist das noch einmal ganz besonders der Fall.

Mit dabei ist an diesem Vormittag auch Feuerwehr-Dezernent Peter Skusa (CDU). Er hat selbst einmal bei der Bundeswehr mit Kampfschwimmern und Minentauchern zu tun gehabt und verfolgt unter anderem daher sehr interessiert den Lehrgang. "Höhenretter, Taucher, Schiffsbrandbekämpfung: Die Feuerwehr Bremerhaven ist ausgebildet, um in allen erdenklichen Lagen mit Knowhow und hoher Professionalität zu helfen", unterstreicht Skusa. Man habe viele gute Leute bei der Feuerwehr, die solche neuen Herausforderungen gerne annehmen würden.

Parallel zu dem Feuerwehrtaucherlehrgang findet auch ein Lehrgang statt, bei dem Frank Brünjes zum Feuerwehrlehrtaucher ausgebildet wird. Das übernimmt Immo Starker. So stellt die Berufsfeuerwehr Bremerhaven sicher, dass auch in Zukunft ausreichend Lehrtaucher bereitstehen.
Der praktische Teil endet - zumindest erst einmal für diesen Tag - gegen 14 Uhr. Die "Karosse" wurde insgesamt dreimal gefunden und geborgen. Darüber hinaus wurde noch eine alte Schlauchkupplung zu Tage befördert, die die Feuerwehr im vergangenen Jahr hier für eine Suchübung versenkt hatte. Dazu kommen kleinere Gegenstände wie eine leere Lachgas-Kartusche.
Von Jens Gehrke
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