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Nach dem Tod des mutmaßlichen Täters wird über mögliche Versäumnisse im Strafvollzug diskutiert. Foto: Vasel
Nach dem Tod des mutmaßlichen Täters wird über mögliche Versäumnisse im Strafvollzug diskutiert. Foto: Vasel
Haftlockerungen vor Suizid

Tod des mutmaßlichen Todesschützen von Stade: Schwere Vorwürfe gegen die Justiz

von Redaktion | 28.07.2026 Zuletzt aktualisiert: 02.09.2026 18:25 Uhr

Nach dem mutmaßlichen Suizid des Verdächtigen im Fall Stade bleibt für die Hinterbliebenen vieles ungeklärt. Opferanwalt Steffen Hörning erhebt schwere Vorwürfe gegen die Justiz und warnt vor möglichen Versäumnissen.

Opferanwalt Steffen Hörning geht von einer völlig falschen Einschätzung des Tatverdächtigen von Stade aus, die zum Tod des Mannes in der JVA Bremervörde geführt habe. "Das muss dringend aufgearbeitet werden, weil ich glaube, dass wir von erheblichen Versäumnissen reden", sagte der Göttinger Anwalt im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. "Hier haben sich die Anzeichen so gehäuft. Die Leute, die entscheidend dafür waren, sind dem Mann auf den Leim gegangen."

Die Haftbedingungen für den mutmaßlichen Täter, der sechs Menschen getötet haben soll, waren am Vortag seines Todes gelockert worden. Der 45-Jährige hatte anfangs unter besonderer Beobachtung gestanden, die nach Einschätzung einer Psychologin schrittweise gelockert und schließlich ganz aufgehoben worden war. Am vergangenen Dienstag war er tot in seiner Zelle gefunden worden. Ermittler gehen den Angaben zufolge von Suizid aus, es gebe keine Hinweise auf ein Verbrechen.

Für Opferanwalt Steffen Hörning sind viele Fragen der Tat von Stade unbeantwortet. Foto: Marcus Brandt/Pool dpa/dpa

Hörning, der zwei hinterbliebene Familien vertritt, betonte die schwierige Bewältigung des Geschehens ohne einen Mordprozess: "Dort möchten sie ihrem Familienmitglied ein Gesicht geben, von ihm erzählen." Viele würden auch ein Foto von Opfern mitbringen und vor sich aufstellen. "Die Getöteten sind nur ein Aktenbestandteil, nur Papier und Bilder aus der Rechtsmedizin", erläuterte der Anwalt.

Hinterbliebene erhofften sich meist Antworten vor Gericht. "Aber die Angeklagten schweigen oft." So bleibe die unbeantwortete Frage nach dem Warum eine große Belastung.

Wird es einen Prozess geben?

Der Mann soll Ende Juni in einer Mutter-Kind-Einrichtung sechs Menschen getötet haben, darunter jeweils drei Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jugendamtes Hannover und der Einrichtung in Stade. Hintergrund soll ein Sorgerechtsstreit um die zur Tatzeit drei Monate alte Tochter des mutmaßlichen Schützen gewesen sein.

Hinterbliebene der Tat in Stade haben viele Fragen. Foto: Carsten Neff/dpa

Die Staatsanwaltschaft stellte die Ermittlungen wegen Mordes ein, ein Verfahren gegen Tote ist in Deutschland nicht möglich. Die Beamten ermitteln nach eigenen Angaben aber weiterhin gegen die Kindsmutter und gegen die Fahrerin des Fluchtwagens.

"Die Hinterbliebenen hoffen, dass man am Ende Beweise findet, dass sie in die Tat involviert waren und angeklagt werden", erklärte Hörning. Dann könnten sie noch die eine oder andere Frage loswerden. Seine Aufgabe sei aber, ihnen nicht allzu viel Hoffnung zu machen. Zumal ein Prozess psychisch belastend sein könne. (dpa)

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