Es muss nicht immer die Sommerhitze sein: Auch bei kühlerem Wetter und bewölktem Himmel ist ein Ausflug ins Cuxland-Wattenmeer sehr erholsam. Foto: dpa/Assanimoghaddam
Es muss nicht immer die Sommerhitze sein: Auch bei kühlerem Wetter und bewölktem Himmel ist ein Ausflug ins Cuxland-Wattenmeer sehr erholsam. Foto: dpa/Assanimoghaddam
Suche nach Abkühlung

Urlaubstrend "Coolcation": Kann der Tourismus im Kreis Cuxhaven profitieren?

von Christian Mangels | 29.07.2025

Hitze, Waldbrände und überfüllte Strände in Südeuropa machen Reisen in den Norden Europas immer beliebter. "Coolcation" wird dieser Tourismustrend genannt. Kann der Kreis Cuxhaven von der neuen Sehnsucht nach Abkühlung profitieren? 

Wer in Griechenland in diesen Tagen Urlaub macht, darf nicht empfindlich sein. Aktuell herrschen dort Temperaturen um die 40 Grad. Wegen der Hitze musste die Akropolis in Athen schon für Besucherinnen und Besucher geschlossen werden. In einigen Regionen wüten Waldbrände, auch andere Länder rund ums Mittelmeer leiden zunehmend unter extremer Hitze.

Immer mehr Menschen entscheiden sich deshalb für Urlaub in deutlich kühleren Regionen. So verzeichnen skandinavische Länder wie Norwegen und Schweden aktuell deutlich mehr Übernachtungen als in den Vorjahren. Der neue Reisetrend nennt sich "Coolcation", ein Begriff, der sich aus "cool" (kühl) und "vacation" (Urlaub) zusammensetzt. "Dieser Trend spiegelt den wachsenden Wunsch der Reisenden wider, Ziele mit gemäßigten Temperaturen aufzusuchen", heißt es auf "Visit Sweden", der Web-Seite des schwedischen Tourismusverbands.

Mario Schiefelbein, Geschäftsführer der Tourismus-Agentur Nordsee (Tano), ist davon überzeugt, dass die deutsche Nordseeküste vom "Coolcation"-Trend profitieren kann. "Coolcation ist kein Nischentrend, sondern ein wachsender Marktimpuls. Die Nachfrage nach kühlen Rückzugsorten steigt mit jedem Hitzesommer", sagt der Tourismusprofi, der in Cuxhaven aufgewachsen ist.

Sehnsucht nach einem kühlen Rückzugsort 

Als erste deutsche Tourismus-Destination hat die Tano eine Coolcation-Kampagne ins Leben gerufen. Im Fokus der Marketingmaßnahme stehen digitale Werbeflächen mit Wetterbotschaften: Die Anzeigenflächen werden in den Städten Freiburg, Karlsruhe und Köln exakt dann aktiviert, wenn die Temperatur eine bestimmte Schwelle überschreitet - und sich die Menschen nach einem kühlen Rückzugsort sehnen. "Als Tourismusregion mit frischer Brise, Weite und natürlicher Erholung bieten wir genau das, was viele aktuell suchen", findet Schiefelbein.

Auch Cuxhavens Kurdirektor Olaf Raffel glaubt fest an die positive Wirkung des Tourismus-Trends "Coolcation". "Der Begriff mag neu sein, das dahinterstehende Bedürfnis ist es nicht", sagt der Geschäftsführer der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH. Cuxhaven sei seit jeher ein Ort, an dem Menschen gerade in heißen Sommern gezielt Erholung suchen würden. "Während viele Regionen in Mitteleuropa unter immer häufigeren Hitzewellen leiden, bietet Cuxhaven ein spürbar angenehmeres Klima und damit ein wichtiges Argument für einen Urlaub an der Küste", so Raffel. 

Schon jetzt sei der Trend bei den Cuxhaven-Urlaubern spürbar. "Viele Besucher berichten, dass sie sich bewusst für Cuxhaven entscheiden, weil es hier selbst im Hochsommer angenehm bleibt - kein Vergleich zu überhitzten Großstädten oder südlichen Reisezielen", erklärt Olaf Raffel. Diese Rückmeldungen würde das Team der Nordseeheilbad Cuxhaven GmbH nicht nur vor Ort, sondern auch regelmäßig bei den Messeauftritten erhalten. "Dort schildern uns viele Besucher, wie stark die Sommerhitze in den Städten zugenommen hat." 

Als Reiseziel für eine "Coolcation" kommt auch die Gemeinde Wurster Nordseeküste infrage. Dort ist Sandra Langheim seit mehr als 20 Jahren Kurdirektorin. Angesichts der steigenden Nachfrage nach kühlen Rückzugsorten, etwa bei Skandinavien-Reisen, sieht sie "perspektivisch" positive Impulse für die Region. "Ich denke, dass dieses Bedürfnis zugunsten erträglicher klimatischer Bedingungen und einer kühlen, erfrischenden Brise an der Küste steigen wird." Schon jetzt werde die leichte und abkühlende Brise an der Wurster Nordseeküste von den Gästen als angenehm empfunden. "Die Luft ist weniger stickig und in der Regel weniger schwül. Das ist nicht nur für ältere Menschen angenehm."

Und wie sieht es im Nordseebad Otterndorf mit der "Coolcation" aus? In Gesprächen mit den Gästen sei der Trend noch nicht spürbar, sagt Lena Bode, die sich bei der Stadt Otterndorf um das touristische Marketing kümmert. Im Gegenteil: "Durch das aktuell wechselhafte Sommerwetter werden vermehrt Fragen gestellt, wann es endlich wieder wärmer wird." Der Reisetrend "Coolcation" gewinne erst langsam an Bedeutung. Den Blick in die Zukunft gerichtet, hält Lena Bode positive Effekte für Otterndorf aber für "durchaus denkbar". Die Medemstadt sei schon heute "ein angenehm temperiertes Sommerziel".

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Christian Mangels

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