Neue Rettungswachen im Kreis Cuxhaven: Hemmoor zieht nach Lamstedt
Neue Rettungswachen, Standortverlagerungen und künftig Telenotfallmedizin: Der Kreis Cuxhaven stellt die Weichen für den Rettungsdienst der Zukunft. Davon betroffen ist auch die Rettungswache in Hemmoor.
In den Rettungsdienst im Kreis Cuxhaven gerät weitere Dynamik. Nach der Inbetriebnahme durch die eigens neu gegründete, kommunale Rettungsdienst Cuxland gGmbH (RDC) vor anderthalb Jahren kommt es zu einer vollständigen Neuaufstellung des Rettungsdienstbedarfsplans für das gesamte Kreisgebiet (außer Stadt Cuxhaven). Ziel sind eine langfristige und zukunftsfähige Standortplanung - und die wurde jetzt vom Kreistag abgesegnet.
Hintergrund der vom RDC aufgestellten Planung ist sowohl rechtlicher als auch baulicher Art. Und es geht um eine gute flächendeckende Erreichbarkeit. Bei Einsätzen in der Notfallrettung sollen zum Beispiel zwischen Alarmierung und Eintreffen des ersten Rettungsmittels in 95 Prozent der Fälle 15 Minuten nicht überschritten werden. Als "Einsatzort" gilt dabei die nächstgelegene öffentliche Straße.
Verlegungen und Neubauten geplant
Wie aus den Sitzungsvorlagen zu erkennen ist, sind folgende Veränderungen unter anderem beschrieben: Für den nördlichen Kreis Cuxhaven sind der Neubau der Rettungswache Otterndorf, die Errichtung einer neuen Rettungswache Cadenberge sowie die Verlegung der Rettungswache Hemmoor nach Lamstedt vorgesehen. Zudem sollen die Verlegung der Rettungswache Dorum nach Sievern sowie des Außenstandorts Midlum nach Nordholz und der Rettungswache Lintig nach Bad Bederkesa erfolgen.
Die Rettungswache in Otterndorf erreicht bestimmte Ortsteile in der Wingst und Bülkau nicht in vorgegebener Zeit. Weil der jetzige Standort langfristig nicht als Rettungswache genutzt werden kann und nicht dem Stand der Technik entspricht, wird ein Neubau notwendig. Die unversorgten Ortsteile in der Wingst und in Bülkau können künftig aus Cadenberge versorgt werden. Der Außenstandort in Cadenberge wurde als Rettungswache anerkannt. Mit der RW Cadenberge werden dann auch Ortsteile in Oberndorf und in der Wingst abgedeckt, die nicht durch die Wache Hemmoor zeitgerecht versorgt werden können. Ebenfalls in 15 Minuten erreichbar ist Odisheim. Im Zuge der Planung wird der Neubau einer vollwertigen Rettungswache nötig.
Doch ein dortiger Neubau hat weitere Konsequenzen. Die Rettungswache in Cadenberge würde eine größere Überschneidung mit Hemmoor ergeben. Daher muss eine Verlegung der Hemmoorer Wache nach Lamstedt erfolgen. Der Standort in Lamstedt würde weiterhin die Einsatzschwerpunkte der jetzigen RW Hemmoor zeitgerecht versorgen, mit dem Vorteil, dass auch alle Ortsteile von Armstorf versorgt wären, die derzeit noch der Rettungswache Lintig zugeordnet sind.
Bereits zum September 2025 wurden die Notarzteinsatzfahrzeuge (NEF) aus Hemmoor und Otterndorf am Standort Cadenberge zusammengeführt. Beim RDC hat man dadurch bereits eine wirtschaftlichere Auslastung bemerkt, ohne dass sich signifikante Veränderungen der Eintreffzeiten ergeben hätten, heißt es seitens des Landkreises. Gleichzeitig habe man verspätete Einsatzübernahmen reduzieren können. Der Standort Cadenberge werde daher dauerhaft beibehalten. Das derzeitige NEF Dorum soll mit dem Neubau der Rettungswache nach Sievern verlegt werden. Damit bleibe die notärztliche Versorgung des Einsatzschwerpunktes Langen sowie des Geestlandes und der Wurster Nordseeküste sichergestellt.
Anbindung an die Telemedizin ab Oktober
Der Landkreis Cuxhaven wird ab Oktober dieses Jahres an die landesweite Telenotfallmedizin angebunden. Die Telenotfallmedizin ermöglicht die unmittelbare Zuschaltung einer Telenotärztin beziehungsweise eines Telenotarztes per Videoübertragung sowie die Übermittlung relevanter Patientendaten in Echtzeit. Dadurch können Rettungswagenbesatzungen in geeigneten Einsatzsituationen ärztlich unterstützt werden, ohne dass zwingend ein Notarzt physisch an der Einsatzstelle erforderlich ist.
Überdies werden an den drei Standorten Otterndorf, Bad Bederkesa und Otterndorf zusätzliche Raumkapazitäten als taktische Reserve geschaffen. Damit soll die kurzfristige Stationierung zusätzlicher Rettungsmittel bei Sonderlagen wie außergewöhnlichen Wetterereignissen Berücksichtigung finden.
Hendrik Rehm (SPD) wertet die Übernahme und Neuaufstellung des Rettungsdienstes als Erfolg. Dies belege auch, dass sich über 70 Leute für die Ausbildung zum Notfallsanitäter beworben hätten - und die benötigten attraktive Rahmenbedingungen, unterstrich er und lobte das schlüssige neue und vorausschauende Konzept. Seine Bitte: Bei den Gestaltungsplänen soll das Personal Mitspracherecht erhalten.
Alle seien froh, dass der Rettungsdienst in die kommunale Familie zurückgeholt worden sei, machte Eva Viehoff (Grüne) deutlich. "Wir sind gut aufgestellt", unterstrich auch Landrat Thorsten Krüger. Lasse Weritz (CDU) hielt den Neuanfang für ein vorbildliches Projekt, auf das ganz Niedersachsen schauen.
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