Vermisster Student aus dem Kreis Rotenburg: Cold Case wird neu aufgerollt
Ein verschwundenes Auto, zwei Tatverdächtige und bis heute keine Gewissheit: Jetzt könnte eine neue Spur in Schleswig-Holstein Bewegung in den Fall bringen.
Wie die Staatsanwaltschaft Kiel und das Landeskriminalamt Schleswig-Holstein am Dienstag in einer gemeinsamen Pressemitteilung bekanntgaben, sucht die Cold Case Unit (CCU) des Landeskriminalamts Schleswig-Holstein seit Dienstag gemeinsam mit Kräften der Landespolizei im Wattenbeker Gehege, einem Waldgebiet nördlich von Neumünster, nach dem Leichnam des seit elf Jahren vermissten Horst Georg, Rufname Georg, Linnemann.
Neue Erkenntnisse führen in ein Waldgebiet
Linnemann war zum Zeitpunkt seines Verschwindens aus Neumünster-Faldera am 15. Dezember 2014 Maschinenbau-Student in Kiel. Die Ermittler gehen von einem Tötungsdelikt aus. Seine Leiche konnte trotz intensiver Ermittlungs- und Suchmaßnahmen bis heute nicht gefunden werden. Neue Erkenntnisse der CCU deuten nun darauf hin, dass diese sich in dem Waldgebiet befinden könnte.
Auch die "Bremervörder Zeitung" berichtete vor elf Jahren die Details zum Fall: Georg Linnemann wurde zuletzt am Mittag des 15. Dezember 2014 von seiner Freundin in ihrer Neumünsteraner Wohnung gesehen. Am Abend desselben Tages meldete sie ihn als vermisst. Linnemann fuhr zu diesem Zeitpunkt einen dunkelblauen Golf IV mit dem Kennzeichen NMS-ZX 88.

Das Auto wurde am 20. Dezember 2014 in Hamburg aufgefunden und sichergestellt. Ein Foto des Fahrzeugs wurde damals zusammen mit einem Foto des Vermissten im Rahmen eines Zeugenaufrufs von der Polizei veröffentlicht. Im Januar 2015 geriet außerdem ein Leihanhänger mit einer auffälligen gelben Plane in den Fokus, der offenbar von Linnemann genutzt worden war.
Zwei Tatverdächtige, aber nicht genug Beweise
Im Rahmen der weiteren Ermittlungen erhärtete sich ein Tatverdacht gegen zwei damals 28 und 26 Jahre alte Männer aus Neumünster und Kappeln, die zu Linnemanns Umfeld gehörten. Die Tat konnte ihnen jedoch bislang nicht nachgewiesen werden.
Im Juli 2015 kam weiter Bewegung in den Fall. Die Ermittler gingen zu diesem Zeitpunkt aufgrund ihrer bisherigen Erkenntnisse davon aus, dass Horst Georg Linnemann tot war und seine Leiche im Bereich Neumünster erst angezündet und dann begraben worden sein könnte.
Ein Areal am Stadtrand von Neumünster wurde mit Spürhunden und einem Bagger abgesucht, ebenso ein Kleingartengelände im Oktober 2015 - beide Suchen blieben ohne Erfolg. Horst Georg Linnemann blieb verschwunden. Die Staatsanwaltschaft Kiel lobte eine Belohnung in Höhe von 1.500 Euro für sachdienliche Hinweise aus. Danach wurde es in der Öffentlichkeit still um den Fall. Doch die Ermittlungen liefen weiter.
Spurensuche führte in das Wattenbeker Gehege
Im vergangenen Jahr rollte die CCU den Fall neu auf. Zehn Jahre nach dem Verschwinden Linnemanns beschäftigten sich die Ermittler intensiv mit den Akten. Sie analysierten die bisherigen Ermittlungsschritte und Erkenntnisse, prüften neue Ansätze und tatrelevante Spuren, nutzten modernste kriminaltechnische Methoden und befragten Zeugen.
Die Spurensuche führte in das Wattenbeker Gehege zwischen Neumünster und Bordesholm. Das gesamte Waldgebiet wurde für die Dauer der Suche, die zunächst bis Mittwochabend andauern sollte, abgesperrt.
Von Stefan Algermissen