Die Kälte des Winters macht obdachlosen Menschen besonders zu schaffen. Aber auch darüber hinaus benötigen sie Beratung und Begleitung. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Die Kälte des Winters macht obdachlosen Menschen besonders zu schaffen. Aber auch darüber hinaus benötigen sie Beratung und Begleitung. Symbolfoto: Rolf Vennenbernd/dpa
Von Notunterkunft bis Beratung

Wenn die Kälte zur Gefahr wird: Wo Obdachlose in Cuxhaven Hilfe bekommen

von Bengta Brettschneider | 25.01.2026

Obdachlose, Familien und Menschen in prekären Wohnverhältnissen finden in Cuxhaven Unterstützung. Unterkünfte, Beratung und Begleitung sollen Sicherheit geben - doch steigender Bedarf und bürokratische Hürden zeigen, wie dringend diese Hilfen sind.

Minusgrade, Schnee, Sturm: In den vergangenen Wochen hat der Winter auch an der Küste seine Härte gezeigt. Für viele Menschen ist das nur eine Phase. Für andere wird jede frostige Nacht zur Gefahr. Besonders betroffen sind Menschen ohne festen Wohnsitz. Sie sind der Kälte oft schutzlos ausgeliefert.

Aktuell stehen in Cuxhaven, nach Angaben des Stadt-Pressesprechers Marcel Kolbenstetter, drei städtische Gebäude zur Unterbringung obdachloser Personen zur Verfügung. Ergänzend wurden im Jahr 2025 drei Wohnungen sowie ein Zweifamilienhaus angemietet, um das Angebot zu erweitern. Insgesamt können derzeit bis zu 90 Personen untergebracht werden. 57 Schlafplätze sind belegt, 33 stehen aktuell noch zur Verfügung.

Die Unterkünfte sind flexibel nutzbar - für alleinstehende Männer, alleinstehende Frauen sowie für Familien. "Unabhängig von Zahlen und Kapazitäten steht für uns stets der Mensch im Mittelpunkt", betont Marcel Kolbenstetter. Ziel sei es, Schutz, Sicherheit und ein Mindestmaß an Stabilität zu bieten - und die individuellen Lebenslagen mit Respekt zu berücksichtigen. Zusätzlich hält die Stadt eine separate Wohneinheit für durchreisende Personen vor. In begründeten Einzelfällen sei dort auch eine Übernachtung mit Hund möglich. Haustiere seien für viele Betroffene eine wichtige emotionale Stütze, so Kolbenstetter.

Diakonie Cuxland übernimmt die Beratung und Begleitung

Bei der Diakonie Cuxland bekommen Menschen in besonderen Lebensverhältnissen mit sozialen Schwierigkeiten Hilfe. "Als ersten Schritt haben wir eine Postmeldestelle für Menschen ohne Wohnung eingerichtet. Diese benötigen eine Adresse, um Post vom Jobcenter zu bekommen, um Sozialleistungen zu beziehen", erläutert Michaela Wachsmuth, Geschäftsführerin der Diakonie Cuxland. Diese übernahm die Beratungsstelle, nachdem sich Lebensraum Diakonie im vergangenen Jahr aus Cuxhaven zurückgezogen hat.

Ein verlassenes Lager in einer Stadt zeigt die Herausforderungen der Obdachlosigkeit. Rund 33.000 Menschen waren im Januar 2024 in Niedersachsen Obdach- oder wohnungslos. Foto: Boris Roessler

"Obwohl das Digital-Café als auch die Beratungsstelle für wohnungslose Menschen regen Zulauf hatten und gut angenommen wurde, mussten wir aufgrund des eklatanten Fachkräftemangels, der uns insbesondere in der Region Cuxhaven betraf, beide Standorte schließen", erklärt Andrea Klefke, Regionalleitung von Lebensraum Diakonie, auf Nachfrage von CNV-Medien.

Prävention ist unerlässlich

Seit dem 1. Januar 2026 bietet die Diakonie Cuxland im City-Center Cuxhaven Beratung und Hilfe für wohnungs- und obdachlose Menschen an - aber auch für diejenigen, die von Wohnungslosigkeit bedroht sind. "Wenn jemand wohnungslos ist, ist das Kind schon in den Brunnen gefallen", betont Wachsmuth. Aus diesen Gründen sei "Prävention unerlässlich". Ab dem 1. März 2026 erweitert die Beratungsstelle ihr Angebot und bietet auch Begleitung an: Unterstützung bei Behördenangelegenheiten, Teilhabe, Vermittlung zu therapeutischen und/oder medizinischen Maßnahmen, Bewerbung auf eine Wohnung wie auch das Wahrnehmen von Wohnungsbesichtigungen, Ordnung von Unterlagen.

Wohlfahrtsverbände blicken mit Sorge in die Zukunft

Die Angebote stehen dabei allen Menschen zur Verfügung - unabhängig von einer Kirchenzugehörigkeit, betont die Geschäftsführerin. Die Gründe, warum Menschen die Beratungsstelle aufsuchen, seien vielfältig. Neben den Menschen ohne Obdach, gebe es auch Menschen in prekären Wohnungssituationen, andere schlafen bei Freunden oder Bekannten auf dem Sofa oder sie befinden sich in einer Abhängigkeit durch eine Beziehung. Besonders Frauen seien häufig betroffen, erläutert Michaela Wachsmuth. Zudem gebe es in Obdachlosenunterkünften in den meisten Fällen keine separaten Schutzräume für Frauen. Diese haben jedoch bereits häufig Gewalterfahrungen gemacht. Wohlfahrtverbände würden zudem mit großer Sorge in die Zukunft blicken. "Die neue Grundsicherung schafft Hürden, welche manche Menschen nicht nehmen können", fügt Michaela Wachsmuth hinzu. "Es gibt noch viel zu tun und viel Bedarf." Die Geschäftsführerin hofft, dass das Projekt stückweise weiterentwickelt und vergrößert werden kann.

Gerade in der kalten Jahreszeit wird das Leben auf der Straße zur Gefahr. Symbolfoto: Oliver Berg/dpa

Große Lücke entstanden

Der Paritätische Cuxhaven bietet nach Angaben von Kai Uhlhorn, dem stellvertretenden Geschäftsführer, seit Juli 2025 das Basisangebot nach Paragraf 67, für Menschen in prekären Lebenslagen an. Durch den Rückzug von Diakonie Lebensraum, die vor allem mit Menschen ab 25 Jahren arbeiteten, entstand eine Lücke. Das Café Stellwerk des Paritätischen befindet sich unmittelbar unter den ehemaligen Räumlichkeiten von Diakonie Lebensraum. "Vor allem an den kalten Tagen standen viele Menschen vor unserer Tür. Das war ein sozialarbeiterisches Dilemma", erinnert sich Uhlhorn. Das Café Stellwerk ist Anlaufstelle für Jugendliche und junge Erwachsene. "Standardmaßnahmen wie für Großstädte funktionieren für unseren Landkreis nicht. Dafür ist seine Fläche zu groß", führt der stellvertretende Geschäftsführer weiter aus. Planmäßig sollen ab Anfang März die Türen der ehemaligen Räumlichkeiten von Lebensraum Diakonie in der Kapitän-Alexander-Straße 17 wieder geöffnet werden - dann aber vom Paritätischen.

33.000 Menschen aller Altersgruppen und Herkunft sind in Niedersachsen von Obdach- oder Wohnungslosigkeit betroffen. Fast ein Drittel der Untergebrachten sind Kinder. Wie notwendig Hilfsangebote sind, zeigt auch der Blick nach Hamburg: Nach Angaben des Straßenmagazins "Hinz und Kunzt" kamen 2026 innerhalb von 14 Tagen bereits elf Obdachlose ums Leben. Einer von ihnen wurde in Hamburg von einer Sozialarbeiterin der Diakonie tot in seinem verschneiten Zelt gefunden.

Anlaufstellen und Ansprechpartner für den Landkreis Cuxhaven und die Stadt Cuxhaven

Die Beratungsstelle der Diakonie Cuxland befindet sich im City Center Cuxhaven in der Segelckestraße 45-47. Ansprechpartnerin ist Silke Knieling unter Telefon (0 47 21) 56 04 50. Das Angebot richtet sich an Menschen, die wohnungslos oder von dieser bedroht sind, sowie Menschen in Arbeitslosigkeit, Armut oder Krankheit. Ansprechpartnerin der Beratungsstelle Ankerplatz 67 des Paritätischen in Hemmoor ist Emmely Meyer unter Telefon (01 51) 74 65 39 34. In den Räumlichkeiten über dem Stellwerk Cuxhaven entsteht ab Mitte Februar eine weitere Anlaufstelle.

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Bengta Brettschneider

Volontärin
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

bbrettschneider@no-spamcuxonline.de

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