Wärmepumpe oder Fernwärme? So soll im Land Hadeln künftig geheizt werden
Der Samtgemeinderat Land Hadeln hat den kommunalen Wärmeplan beschlossen. Wärmepumpen sollen künftig die wichtigste Rolle spielen. Für Otterndorf, Neuenkirchen und Neuhaus kommen auch Wärmenetze infrage. Doch bis dahin ist noch einiges zu tun.
Wie werden die Menschen in Land Hadeln künftig heizen? Antworten gibt der kommunale Wärmeplan, den der Samtgemeinderat am Dienstagabend in seiner letzten Sitzung der Wahlperiode einstimmig beschlossen hat. Das wichtigste Ergebnis: Die meisten Häuser werden auch künftig einzeln beheizt. In drei Orten könnten Wärmenetze hinzukommen. Cadenberge ist nicht Teil der Planung, weil die Gemeinde über das Programm "Lebendige Zentren" bereits eine eigene Wärmeplanung angeschoben hat.
Bis 2040 soll die Wärmeversorgung weitgehend klimaneutral werden. Derzeit heizen von 10.351 erfassten Gebäuden 49 Prozent mit Gas und 32 Prozent mit Öl. Fast jede zweite Heizung ist über 20 Jahre alt.
Bis 2040 Wärmepumpen in 69 Prozent der Gebäude
Die Fachbüros Evety und Digikoo rechnen für 2040 mit Wärmepumpen in rund 69 Prozent der Gebäude. Zehn Prozent könnten Wärme aus einem Netz beziehen. Der Gasanteil soll auf sieben Prozent sinken, Ölheizungen sollen verschwinden. Ein Wasserstoffnetz wird für das gesamte Gebiet ausgeschlossen.
Wegen der ländlichen Siedlungsstruktur rechnen sich Wärmeleitungen meist nur dort, wo viele Gebäude dicht beieinanderliegen. Die besten Voraussetzungen sehen die Planer in Otterndorf: Die Altstadt könnte mit industrieller Abwärme versorgt werden, unterstützt durch eine Großwärmepumpe und Biomassekessel. Bei 50 Prozent Anschlussquote wären jährlich rund 22 Millionen Kilowattstunden nötig. Mit Förderung läge der errechnete Wärmepreis leicht unter dem bundesweiten Fernwärmedurchschnitt.
Die Stadt Otterndorf arbeitet allerdings bereits selbst an einer Wärmeversorgung: Das Unternehmen GP Joule hatte im Februar im Bau- und Umweltausschuss Pläne für ein mit erneuerbaren Energien betriebenes Nahwärmenetz vorgestellt.
In Neuenkirchen könnte Abwärme des Unternehmens Döhler genutzt werden. Wegen der weniger dichten Bebauung wäre ein Netz jedoch schwerer wirtschaftlich zu betreiben und besonders auf Förderung angewiesen. In Neuhaus ließe sich das bestehende Wärmenetz möglicherweise erweitern; die kalkulierten Preise liegen aber selbst mit Förderung über dem Bundesdurchschnitt. Für die Wingst sehen die Fachleute trotz des Schwimmbades als möglichem Großabnehmer nicht genügend Potenzial.
Wichtig für Hauseigentümer: Mit dem Beschluss des Wärmeplans wird noch kein einziges Wärmenetz gebaut. Die ausgewiesenen Gebiete zeigen zunächst nur, wo sich eine nähere Prüfung lohnt. Ob die Netze tatsächlich entstehen, müssen weitere Machbarkeitsstudien klären. Dabei geht es auch um Betreiber, Investitionskosten und mögliche Fördergelder. Ohne Förderung würden die errechneten Wärmepreise in den untersuchten Gebieten um 38 bis 50 Prozent steigen.
Der Wärmeplan verpflichtet zudem niemanden, sich an ein mögliches Netz anzuschließen oder eine bestimmte Heiztechnik einzubauen. Er dient zunächst als Orientierung für die kommenden Jahre.
Viele Häuser brauchen weniger Energie
Eine zweite große Aufgabe ist die energetische Sanierung. Rund 40 Prozent der Gebäude in Land Hadeln gelten als unsaniert, weitere 53 Prozent als teilsaniert. Rechnerisch ließe sich durch Modernisierungen fast die Hälfte des heutigen Wärmebedarfs einsparen, doch dieses Potenzial gilt als kaum vollständig erreichbar.
Die Planer rechnen bis 2040 mit einem Rückgang des jährlichen Wärmebedarfs von rund 248 auf 213 Millionen Kilowattstunden. Dafür müsste mindestens ein Prozent der Gebäude pro Jahr energetisch saniert werden. Die CO₂-Emissionen der Beheizung könnten so von rund 66.000 auf etwa 2000 Tonnen jährlich sinken.
Der Wärmeplan nennt auch nächste Schritte. Dazu gehören Machbarkeitsstudien für mögliche Wärmenetze in Otterndorf, Neuenkirchen und Neuhaus. Daneben sollen Eigentümer über Fördermittel, Wärmepumpen und Gebäudesanierungen informiert werden. Auch die Ausweisung von Sanierungsgebieten, die zusätzliche Fördermöglichkeiten und steuerliche Vorteile eröffnen könnten, wird vorgeschlagen.
Samtgemeindebürgermeister Frank Thielebeule betonte in der Ratssitzung, dass der Wärmeplan nicht in der Schublade landen werde. Der Beschluss ist damit erst der Anfang: Ob und wie die Vorhaben umgesetzt werden, bleibt zu klären.
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