Im Landkreis Cuxhaven bleiben am Warn-Tag 2022 alle Sirenen stumm. Foto: Arne Dedert/dpa
Im Landkreis Cuxhaven bleiben am Warn-Tag 2022 alle Sirenen stumm. Foto: Arne Dedert/dpa
Am 8. Dezember

Warum der 2. Warn-Tag im Cuxland ein stiller ist - außer in der Stadt Cuxhaven

von Redaktion | 03.12.2022

Kreis Cuxhaven. Naturkatastrophen und andere Krisenfälle können die Bevölkerung bedrohen. Deshalb sollen im Notfall möglichst alle Betroffene gewarnt werden. Am 8. Dezember, 11 Uhr, findet ein bundesweiter Warn-Tag statt. Was Sie dazu wissen sollten.

Was ist Ziel des Warn-Tags?
Der Tag soll zeigen, wie gut das Warnnetz inzwischen funktioniert und wo es noch Schwachstellen gibt.

Was passiert am Warn-Tag?
Es wird eine Probewarnung über die Warnmittel des Bundes in Form eines Warntextes an alle an das Warnsystem des Bundes angeschlossene Systeme wie Rundfunksender und App-Server geschickt. Die Probewarnung wird zeitversetzt über die Medien wie Fernseher, Radios und Smartphones gesendet. Dort kann auch die Bevölkerung des Landkreises Cuxhaven die Warnung dann lesen und hören.

Wer löst den Alarm aus?
Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe löst die bundesweit gültige Meldung aus.

Werden im Landkreis Cuxhaven Sirenen zu hören sein?
Nein, es wird eine sogenannte stille Alarmierung geben. Hintergrund: Im Landkreis Cuxhaven gibt es - Stand heute - zwar ein ausreichendes Netz für den Feueralarm. Um über die vorhandenen Sirenen das Katastrophenalarm-Signal abspielen zu können, müssen diese auf digitale Steuerung umgerüstet werden. Das hat der Landkreis im vergangenen Jahr beschlossen. Doch nach Auskunft der Kreisverwaltung ist die Lieferung der Teile aufgrund der aktuellen Lage ins Stocken geraten. "Wenn aber nur Feueralarm ausgelöst werden kann, macht der Einsatz der Sirenen am Warntag keinen Sinn", sind sich die Führungskräfte der niedersächsischen Feuerwehren einig, berichtet Cuxhavens Kreisbrandmeister Kai Palait. Denn am Warntag soll ein anderer Signalton zu hören sein. "Wenn dieser Alarm nicht ausgelöst werden kann, soll lieber keine Sirene zu hören sein", sagt Palait. Das verwirre die Bevölkerung nur.

Was ist in der Stadt Cuxhaven?
Anders als im restlichen Landkreis Cuxhaven werden in der Stadt Cuxhaven auch die Sirenen heulen. Die Stadt will alle zur Verfügung stehenden Kanäle, um Jung und Alt erreichen zu können.

Wie unterscheiden sich die Sirenentöne von Feueralarm und Katastrophenalarm?
Beim Katastrophenalarm ist eine Minute lang immer abwechselnd in schneller Folge ein hoher und ein tiefer Ton zu hören. Aufgehoben wird der Katastrophenalarm mit einem einminütigen, gleichbleibenden Dauerton. Beim Feueralarm heult die Sirene dreimal auf.

Reicht das Sirenennetz im Landkreis für eine flächendeckende Alarmierung im Katastrophenfall aus?
Nein. Eine Zusammenstellung beim Landkreis hat 2021 ergeben, dass 238 zusätzliche Sirenenanlagen mit digitaler Technik gebraucht werden: "Diese hohe Zahl resultiert auch daraus, weil Ortschaften oft ohne oder sehr unzureichend mit Sirenen ausgestattet waren bzw. Ortsteile ohne Feuerwehr keine Sirenenanlage hatten und haben." Die Feuerwehr braucht diese Vielzahl an Sirenen nicht, da ihre Alarmierung mit Pagern (Funkmeldeempfänger; Analog, jetzt Digital) sichergestellt ist.

Welche Bedeutung hat der Warntag für die Feuerwehren?
Keine besondere, sagt Kreisbrandmeister Kai Palait. "Die Alarmierung für die Feuerwehren wird ja ohnehin alle vier Wochen geprobt." Insofern ist der Warntag zunächst eine Angelegenheit des Katastrophenschutzes, für den in erster Linie der Landkreis zuständig ist.

Wie werden Menschen informiert, die keine Warn-App auf dem Handy installiert haben?
Erstmals sollen Handybesitzer eine Testnachricht über den neuen Warnkanal Cell Broadcast erhalten. Cell Broadcast ist ein der SMS ähnlicher Mitteilungsdienst in Mobilfunknetzen. Dabei werden kurze Textnachrichten an Handys geschickt, z.B. um im Rahmen des Katastrophenschutzes vor Gefahren zu warnen. Um eine solche Warnung zu erhalten, muss ein Smartphone auf dem technisch neuesten Stand und mit allen Updates versehen sein. Wer seinen Fernseher und/oder das Radio am 8. Dezember um 11 Uhr einschaltet, wird ebenfalls informiert.

Gibt es die Möglichkeit, den Organisatoren des Warn-Tags ihre Erfahrungen mitzuteilen?
Die Möglichkeit zum Feedback soll es auf der Website warntag-umfrage.de, warnung-der-bevölkerung.de, in der Warn-App NINA, auf der Unterseite zum bundesweiten Warntag auf bbk.bund.de und auf den Social Media-Kanälen des BBK geben.

Was ist beim ersten Warn-Tag vor zwei Jahren schief gelaufen?
Die Warnung funktionierte nicht, weil Sirenen fehlten, stumm blieben oder mit Verspätung heulten. Und Warn-Apps meldeten nichts, weil die Server überlastet waren.

Wann würde im Ernstfall ein Alarm ausgelöst werden?
Die Entscheidung darüber liegt bei der Katastrophenschutzbehörde, vor Ort also beim Landkreis Cuxhaven. Denkbar sind: Naturkatastrophen wie Hochwasser oder Sturm, ein großflächiger Stromausfall, eine pandemische Lage, Wald- oder Moorbrände oder Tierseuchen, die massiv in die Infrastruktur eingreifen.

Kann ich mich auf den Ernstfall vorbereiten?
Experten empfehlen Handy-Updates für das Cell-Broadcasting. Außerdem wird empfohlen, einen kleinen Vorrat anzulegen. Mehr dazu beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (https://www.bbk.bund.de/DE/Warnung-Vorsorge/Fuer-alle-Faelle-vorbereitet/Kampagne-Bevorratung/kampagne-bevorraten_node.html).

Von Heike Leuschner

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