Karl-Wilhelm "Kalli" Hinsch ist seit eineinhalb Jahren der ehrenamtliche Schwerbehindertenbeauftragte der Samtgemeinde Land Hadeln. Doch damit soll schon bald Schluss sein. Zum Jahresende will er sein Amt abgeben.  Aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aus Frust. Foto: Mangels
Karl-Wilhelm "Kalli" Hinsch ist seit eineinhalb Jahren der ehrenamtliche Schwerbehindertenbeauftragte der Samtgemeinde Land Hadeln. Doch damit soll schon bald Schluss sein. Zum Jahresende will er sein Amt abgeben. Aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aus Frust. Foto: Mangels
Rücktritt

Warum der Behindertenbeauftragte der Samtgemeinde Land Hadeln hinwirft

von Christian Mangels | 02.07.2024

Karl-Wilhelm "Kalli" Hinsch macht Schluss. Der ehrenamtliche Schwerbehindertenbeauftragte der Samtgemeinde Land Hadeln gibt sein Amt zum Jahresende auf. Aus gesundheitlichen Gründen, aber auch aus Frust. Was sind die Hintergründe?

Es ist gut eineinhalb Jahre her, dass Kalli Hinsch sein Amt als ehrenamtlicher Behindertenbeauftragter der Samtgemeinde Land Hadeln mit großen Ambitionen angetreten hatte. Doch von dieser Euphorie ist nicht viel geblieben. "Ich habe sehr oft das Gefühl, gegen Wände zu laufen", sagt der Ihlienworther.

Hinsch moniert, dass bei Bauprojekten und in Verkehrsfragen die Barrierefreiheit für Menschen mit Behinderungen nicht ausreichend berücksichtigt werde. Und er ist sauer, dass er bei Planungen in der Samtgemeinde, etwa bei Bauprojekten, zu wenig einbezogen werde.

Ob beim Umbau der ehemaligen Agentur für Arbeit in Otterndorf zum Existenzgründerzentrum, beim Neubau von Feuerwehrhäusern oder bei der Erneuerung der Otterndorfer Strandpromenade - sein Rat sei nicht gefragt, zeigt sich Hinsch enttäuscht. "Ich fühle mich oft übergangen." Dabei ist eine Beteiligung der Behindertenbeauftragten und -beiräte bei kommunalen Baumaßnahmen gesetzlich vorgeschrieben. "Was viele nicht wissen: Barrierefreiheit geht noch vor Denkmalschutz", erklärt Kalli Hinsch. Aber leider werde für behinderte Menschen kaum noch etwas investiert, findet er.

Türöffnerknöpfe für die Bürgerbüros

Gewiss, einige Erfolge konnte der 61-Jährige in seiner Amtszeit bereits erzielen. So hat er rund 20 Menschen mit Behinderungen oder solche, die davon bedroht sind, beraten und ihnen bei Anträgen geholfen. Hinsch sorgte dafür, dass am Otterndorfer Bahnhof und an anderen Stellen in der Samtgemeinde jetzt vernünftige Schilder für Behindertenparkplätze stehen. Und er kämpft dafür, dass die Bürgerbüros und Dorfgemeinschaftshäuser per Türöffnerknopf auch für Rollstuhlfahrer und Menschen mit Handicap zugänglich sind.

Dennoch überwiegen Frust und Enttäuschung. Selbst in "seiner" Partei, der SPD, erfahre er keine Unterstützung mehr. Und unter dem Ärger leidet seine Gesundheit. "Das geht mir auf die Pumpe", sagt Hinsch. Deshalb habe er sich entschlossen, sein Amt zum Jahresende niederzulegen. "Die Entscheidung steht fest."

Irene Wischhusen, Erste Samtgemeinderätin der Samtgemeinde Land Hadeln, nimmt Kalli Hinschs Ankündigung "mit Bedauern" zur Kenntnis. Sie spricht von einer "guten, transparenten, offenen und immer auf Augenhöhe gelebten Zusammenarbeit", die immer das Ziel einer Verbesserung der gegenwärtigen Bedingungen für Menschen mit Behinderungen zum Ziel habe. 

Dennoch könne nicht jede Anregung oder Forderung von Kalli Hinsch berücksichtigt werden, "nicht weil es nicht gewollt ist, sondern weil es zum Beispiel technische oder rechtliche Gründe gibt", so Irene Wischhusen. Auch monetäre Gesichtspunkte und der Faktor Zeit seien einzubeziehen. "Nicht alles lässt sich sofort umsetzen, sondern bedarf einiger Zeit, weil weitergehende Beteiligungen oder Planungen erforderlich sind oder weil sich ursprüngliche Planungen ändern", erklärt die Erste Samtgemeinderätin.

Irene Wischhusen beschreibt die bisherige Zusammenarbeit mit Kalli Hinsch als "mehr als bereichernd und hilfreich", er sei keineswegs unbequem. Bei regelmäßigen Treffen und Vor-Ort-Terminen gebe es einen regen Austausch. Nicht zuletzt durch Hinschs Hinweise gebe es in der Samtgemeinde und in den Mitgliedsgemeinden "ein gesteigertes Bewusstsein und Verständnis für die Bedürfnisse der Menschen mit Behinderungen", so Wischhusen.

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