Windpark zwischen Ihlienworth, Wanna und Nordleda: Anwohner laufen Sturm gegen Pläne
Der Ausbau von Windenergie zwischen Ihlienworth, Wanna und Nordleda sorgt für Ärger: Geplant sind rund 20 Windenergieanlagen im Bereich Wetternweg/Westerende mit einem Rotordurchmesser von 150 Metern. Einige Anwohner wollen das nicht hinnehmen.
Wenn Joachim Mundt in seinem Garten in die Ferne blickt, dann genießt er den Blick ins satte Grün. Der Diplom-Ingenieur wohnt am Westerende, zwischen Wanna und Ihlienworth, inmitten von Acker- und Weideflächen. Sein Haus mit Garten ist für ihn Rückzugsort und Kraftquelle zugleich. Seit 2022 lebt der gebürtige Lübecker hier mit seiner Frau und genießt das Landleben. Aber es gibt einen Haken. Der Landkreis Cuxhaven hat auf seiner Karte für mögliche Windpark-Standorte drei Gebiete im Bereich Westerende/Wetternweg als Potenzialflächen für die Aufstellung von Windrädern ausgewiesen.
Mundts Haus liegt zwischen zwei dieser in Betracht kommenden Windpark-Flächen. Er befürchtet, dass ihm Anlagen direkt "vor die Nase gesetzt" werden. "Es gibt mit Sicherheit geeignetere Gebiete, wo die Anwohner und die Natur weniger geschädigt werden", sagt Mundt. Was er der Politik konkret vorwirft, ist, dass sie den Mindestabstand zu Einzelhäusern bei 500 Metern belässt, obwohl die Windräder immer größer werden.
Der Ruheständler ist mit seinen Sorgen nicht allein. Mit Nachbarn und Mitstreitern hat er die Initiative "Gegenwind Nordleda-Ihlienworth" gegründet. In mehreren Briefen haben die Anwohner ihre Sorgen bereits an politische Entscheidungsträger und die Landkreisverwaltung kommuniziert. Mit Flugblättern und einem Facebook-Auftritt machen sie die Bevölkerung auf die Windpark-Pläne aufmerksam.
Auch wenn das Projekt noch am Anfang steht und die Abstimmung mit den betroffenen Gemeinden noch nicht stattgefunden hat, so stehen die Windpark-Unternehmen bereits Gewehr bei Fuß. Drei Firmen haben ihr Interesse für die Flächen bekundet: Kallista Energy GmbH aus Hamburg, Cube Green Energy aus Berlin und der Projektentwickler Umwelt Management AG (UMAG) aus Cuxhaven. Sie haben ihre Pläne bereits in Anwohnerversammlungen vorgestellt.
Kraniche und Wildgänse nutzen Flächen als Ruhezonen
Zur Bürgerinitiative gehört auch der Ihlienworther Tom Bauer, der ebenfalls am Westerende wohnt. Der Architekt aus Bayern lebt seit 2019 im Cuxland. Er hält nicht viel von Windenergie und bezeichnet die Mühlen als "optisches Verbrechen". So weit will Joachim Mundt nicht gehen. "Ich habe grundsätzlich nichts gegen Windkraft, aber bei uns vor der Haustür wäre es ein großer Einschnitt in die Natur", sagt Mundt. Kraniche und Wildgänse würden die Flächen als Ruhezonen nutzen, erklärt er, "und viele Störche suchen hier Futter." Auch Habicht und Seeadler würden sich zwischen Westerende und Wetternweg häufig blicken lassen. "Aber Naturschutz scheint ja keine Rolle zu spielen", meint Rainer Jost, ein weiterer betroffener Anwohner.

Neben dem Naturschutz weisen die Nachbarn auch auf weitere Risiken hin, etwa Infraschall-Immissionen durch Windräder und die Belastung durch Mikroplastik von den Rotoren. Außerdem befürchten sie einen Wertverlust ihrer Häuser. "Der Gedanke, das Haus zu verkaufen, ist durchaus vorhanden", sagt Rainer Jost. Er ist mit seiner Frau 2021 "wegen der Ruhe" aus Duisburg in den Norden gezogen. Seine Frau leide an Hörproblemen, berichtet er. Die "permanente Dröhnung" der Windräder möchte er ihr ersparen.
Einer der wenigen Politiker, die sich bei den Anrainern zurückgemeldet haben, ist Christian Roth, Bürgermeister der Gemeinde Ihlienworth. "Natürlich nehme ich die Sorgen der Anwohner ernst", sagt der CDU-Politiker. Er habe sowohl mit den Windpark-Gegnern als auch mit den Landeigentümern, die der Windkraft positiv gegenüberstehen, Kontakt aufgenommen. "Die Gemeinde Ihlienworth ist im Moment aber noch gar nicht offiziell beteiligt worden", erklärt der Bürgermeister. Er persönlich stehe den erneuerbaren Energien eher positiv gegenüber. "Und zu gegebener Zeit wird sich auch der Rat der Gemeinde Ihlienworth mit dem Thema befassen."