Noch ist sie verhüllt, die neue Gedenkstele für Veteraninnen und Veteranen, die auf dem Ehrenhain Ellerbruch in der Wingst aufgestellt wurde. Am Sonntag soll sie feierlich eingeweiht werden. Der Standort stößt auf Kritik. Foto: Mangels
Noch ist sie verhüllt, die neue Gedenkstele für Veteraninnen und Veteranen, die auf dem Ehrenhain Ellerbruch in der Wingst aufgestellt wurde. Am Sonntag soll sie feierlich eingeweiht werden. Der Standort stößt auf Kritik. Foto: Mangels
Debatte um den Standort

Warum die neue Veteranen-Stele in der Wingst für Ärger sorgt

von Christian Mangels | 19.06.2026

Zum Nationalen Veteranentag entsteht am Ehrenhain Ellerbruch in der Wingst ein neuer Erinnerungsort für Veteraninnen und Veteranen. Die geplante Einweihung der Stele am Sonntag wird jedoch von einer kontroversen Debatte über den Standort begleitet.

Initiator der Granit-Stele, die am Sonntag als "dauerhaftes Zeichen der Anerkennung für Veteraninnen und Veteranen" eingeweiht werden soll, ist der ehemalige Vorsitzende der Reservistenkameradschaft Wingst und Umgebung, Rolf Lewerenz. Nach seinen Worten soll das Denkmal "Sichtbarkeit, Anerkennung und Wertschätzung" für aktive und ehemalige Soldatinnen und Soldaten schaffen. Die Idee werde bereits seit längerer Zeit innerhalb der Reservistenkameradschaft diskutiert. Die Stele solle "eine Brücke zwischen der Erinnerungskultur an die Opfer der Weltkriege und einer neuen Gedenkkultur für verstorbene Bundeswehrangehörige in der Gemeinde Wingst schlagen", erklärt Lewerenz gegenüber unserer Zeitung.

Den Vorwurf, unterschiedliche Formen des Gedenkens würden miteinander vermischt, weist er zurück. "Die besondere historische Bedeutung der Kriegsgräberstätte bleibt gewahrt, da sich innerhalb des Areals zwei Anlagen befinden: die Kriegsgräberstätte und die Gedenkstätte", so Lewerenz. Sein Ziel sei es, dass sich "Vergangenheit und Gegenwart begegnen können".

Wingster Bürgermeister unterstützt das Vorhaben

Der Wingster Bürgermeister Patrick Pawlowski (CDU) unterstützt das Vorhaben. Der Nationale Veteranentag diene der Würdigung von Soldatinnen und Soldaten der Bundeswehr. "In diesem Kontext sehe ich es als richtig an, die Gedenkkultur zu erweitern und die Stele dort zu errichten", sagt er.

Zwar könne er nachvollziehen, dass die Frage nach einer Vermischung verschiedener Gedenkformen aufkomme. Durch eine räumliche und gestalterische Trennung werde jedoch sichergestellt, dass das bestehende Mahnmal für die Opfer der Weltkriege klar erkennbar bleibe. Die Stele solle sich durch ihre Gestaltung und zusätzliche Bepflanzung von den bestehenden Gedenksteinen abheben.

Deutliche Kritik kommt dagegen von mehreren Wingster Bürgern. Martin Lamke, Gemeinderatsmitglied der Wählergemeinschaft "Wir für die Wingst", bezeichnet die Errichtung der Stele als widersprüchlich. Er verweist darauf, dass ihm vor einigen Jahren die Idee verwehrt worden sei, an den aus der Region stammenden Bundeswehrsoldaten Rolf Herrmann zu erinnern, der 1960 bei einem Flugunfall ums Leben kam.

Damals sei ihm mitgeteilt worden, dass am Ehrenhain ausschließlich der Opfer der Weltkriege gedacht werde. "Umso verwunderter bin ich nun über das Entstehen der Stele", schreibt Lamke. Besonders kritisch sieht er, dass der Gemeinderat nach seiner Darstellung nicht in die Entscheidungsfindung einbezogen worden sei und bislang kein Nutzungskonzept vorliege.

Auch die geplante Möglichkeit, später Namensplaketten an der Stele anzubringen, bewertet Lamke kritisch. Er spricht von einem möglichen "Windhundprinzip" und fragt, ob daraus ein "Ablasshandel" werden könne. Für ihn sei die Stele an diesem Ort "eine Schande für die hier Geehrten, die ihr Leben im Feld für das Vaterland gegeben haben".

Ähnlich äußert sich Uwe Frommhold aus Wingst. Zwar begrüße er ausdrücklich die Durchführung des Nationalen Veteranentages und die Würdigung von Bundeswehrsoldaten. Die Einweihung einer Veteranen-Stele auf dem Ehrenhain hält er jedoch für problematisch. "Den Respekt gegenüber den dort geehrten Opfern der Weltkriege und ihren noch lebenden Angehörigen sehe ich durch das geplante Vorhaben nicht mehr gewahrt", erklärt Frommhold. Der Ehrenhain sei nicht nur Gedenkstätte, sondern zugleich Kriegsgräberstätte. Gerade deshalb habe der Ort einen besonderen Charakter. Als Alternative schlägt er das Umfeld des Reservistenheims oder den "Platz der Erinnerung" am Eingang der Gedenkstätte vor.

Auf der jüngsten Gemeinderatssitzung löste die umstrittene Stele erheblichen Unmut aus. SPD-Fraktionschef Michael Schlobohm kritisiert insbesondere die aus seiner Sicht fehlende Beteiligung des Rates. Die geplante Aufstellung sei dem Gremium nicht zur Entscheidung vorgelegt worden. Die aus seiner Sicht wiederkehrenden "Alleingänge" des Bürgermeisters stoßen ihm übel auf. "So kann eine vertrauensvolle Zusammenarbeit nicht funktionieren", sagt Schlobohm. Den Standort auf dem Ehrenhain hält er für "völlig ungeeignet".

Stele wurde am 10. Februar denkmalrechtlich genehmigt

Der Landkreis Cuxhaven verweist auf seine Rolle als Denkmalschutzbehörde. Die Aufstellung der Stele sei am 10. Februar 2026 denkmalrechtlich genehmigt worden. Gegenstand der Genehmigung sei ausschließlich die Festlegung des Standortes gewesen. Eine inhaltliche Bewertung der geplanten Widmung nahm die Behörde nicht vor. Nach Auffassung des Kreises ist mit der Aufstellung der Stele keine genehmigungspflichtige Nutzungsänderung der Kriegsgräberstätte verbunden. "Der Unteren Denkmalschutzbehörde liegen keine Informationen vor, welche eines Antrages auf Nutzungsänderung bedürfen", erläutert Sprecherin Simone Starke.

Zugleich bestätigt die Kreisverwaltung, dass die zukünftigen Nutzungsregeln für die Stele noch erarbeitet werden. Vorgesehen sei, Namensplaketten in einheitlicher Form anzubringen, die von den Familien der Verstorbenen finanziert werden. Die endgültigen Kriterien seien jedoch noch nicht beschlossen. Finanziert wurde die rund 4300 Euro teure Stele laut Simone Starke durch die Reservistenkameradschaft und Spenden. Der Landkreis beteiligte sich mit einem Zuschuss von 3000 Euro.

Landrat Thorsten Krüger kündigte an, den Dialog fortsetzen zu wollen. Sollte es weiterhin Unstimmigkeiten über den Standort geben, könne ein gemeinsamer Ortstermin mit allen Beteiligten stattfinden. Nach seiner Auffassung habe "auch die jüngere Vergangenheit einen Platz an der Gedenkstätte".

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

(1 Stern: Nicht gut | 5 Sterne: Sehr gut)

Feedback senden

CNV-Newsletter

Wissen, was im Cuxland los ist: Alle wichtigen Nachrichten aus der Stadt und dem Landkreis Cuxhaven direkt in Ihr Postfach. Hier für den CNV-Newsletter anmelden.


Top Nachrichten



Bild von Christian Mangels
Christian Mangels

Redakteur
Cuxhavener Nachrichten/Niederelbe-Zeitung

cmangels@no-spamcuxonline.de

Lesen Sie auch...
Feuerwehr rückt aus

Unfall nach Giants Run in der Wingst: Hoher Sachschaden an zwei Fahrzeugen

Während der Abreise vom Giants Run in der Wingst kam es am Sonnabend zu einem Auffahrunfall. Drei Personen wurden vom Rettungsdienst untersucht. An den beteiligten Fahrzeugen entstand erheblicher Sachschaden.

Totalschaden an beiden Fahrzeugen

Unfall in der Wingst: B73 nach schwerem Zusammenstoß voll gesperrt

Bei einem Verkehrsunfall auf der B73 in der Wingst (Kreis Cuxhaven) sind am Montagabend zwei Fahrzeuge schwer beschädigt worden. Die Bundesstraße musste für die Bergungs- und Aufräumarbeiten mehr als eine Stunde voll gesperrt werden.

Brandgase, Ruß und Rauch

Küchenbrand in Wingst: Haus nach Brand unbewohnbar - Bewohnerin im Krankenhaus

Ein nächtlicher Küchenbrand in Wingst (Samtgemeinde Land Hadeln / Kreis Cuxhaven) sorgte für einen Einsatz von Feuerwehr und Rettungskräften. Während die Bewohnerin ins Krankenhaus gebracht wurde, machte der dichte Rauch das Haus unbewohnbar.

1. Spatenstich

Startschuss für neue Zoo-Attraktion in der Wingst: Begehbarer Lemuren-Wald entsteht

von Wiebke Kramp

In der Wingst beginnt ein Bauprojekt, das für den Zoo eine neue Attraktion bedeutet. Doch nicht nur die Feuchtnasenaffen aus Madagaskar und Besucher profitieren, auch regionale Handwerksbetriebe spielen eine entscheidende Rolle.